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Israelitische Annalen · 1841-04-23 · Heft 17 (23.4.1841) · p. Seite 135

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 17 (23.4.1841)
Date
1841-04-23
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 die möglichste Vorsicht anempfehlen. Was wäre auch von einem Manne zu erwarten, der von neuem mit dem schroffesten Verfolgungsgeist auftritt, und mit ähnlichen Paradoxen, wie die des Oldenburgers, sich eine traurige Berühmtheit erkämpfen möchte? Gelänge es ihm auch, seinen Schmähschriften Eingang zu verschaffen, würden sie sich länger Hallen, als die' seines Vorbildes, welche schon der Vergessenheit verfallen sind? Copenhagen, März. — Ueber innere Verhältnisse ist hier wenig neues zu sagen. Wir bewegen uns auf dem einmal gebahnten Wege fort. Alles ist hier seit Zähren fest bestimmt und wohlgeordnet, und was anderswo als Neuigkeit von Werth mitgetheilt wird, steht hier schon längst begründet. Es giebt vielleicht keine zahlreiche Gemeinde sonst, welche wie die unsrige so ganz nach einem Prinzip und von einem Geistlichen, der bei allen in Verehrung steht, geleitet wird. Auch darf vielleicht keine Gemeinde der unfern in Betreff des Kirchenbesuchs an die Seite gesetzt werden. Freilich gehört das Hauptverdienst unserm in jeder Hinsicht ausgezeichneten Pnester (so schreiben die Dänen öfters, st. Rabbinen oder Geistlichen), welcher durch seine vortrefflichen Reden sehr belehrt und erbaut, und dessen Wirkungskreis den besten Beweis giebt, daß die Anordnung, welche die Predigt zum integrirenden Theil des Gottesdienstes macht, höchst heilsam wirkt, und es muß auffallen, daß man in so vielen aufgeklärten Gemeinden Deutschlands noch nicht zu der Einsicht gelangt ist. Herr vr. Wolfs thut alles, um das Volk zur lebendigen Theilnahme anzuregen, oder diese in Wärme zu erhalten. Auch die Zugend wird regelmäßig unterrichtet, vorbereitet und eingesegnet, alles durch unsern würdigen Geistlichen, (und nicht wie in Berlin und andern Orten von willkührlich gewählten Privatpersonen.) Bis zu diesem Winter waren Hieselbst bereits confirmirt 708 Knaben und 738 Mädchen. Gegenwärtig sind 42 Katechumenen vorhanden. Zm Laufe des Winters hielt Herr vr. W olff Vorlesungen über die Setten vor einem zahlreichen Publikum. Manche neue Ansicht über die von Zosephus dargestellten drei Sekten ward da entwickelt, indem nachgewiesen wurde, wie die verschiedenen Richtungen in den Verhältnissen des menschlichen Geistes und Gemüthes ihre Wurzeln haben. Diese Art der historischen Belehrung hat vorzüglich, abgesehen von der wissenschaftlichen Forschung, noch den Nutzen, daß die Menschen sich gewöhnen, die sogenannten Ketzereien richtiger aufzufassen, und in ihnen die Einseitigkeit der Entwickelung billiger zu beurtheilen. Betreffend die bürgerlichen Verhältnisse, so ist, was anderweitig geschehen, genügend bekannt. Die eine Hauptfrage: die Wählbarkeit der Juden betreffend, bleibt der letzte Rest der unvollendeten Emanzipation. Um einen Begriff zu geben, in welchem Geiste diese Frage behandelt wird, möge hier ein Auszug aus der Ständezeitung, welche die Besprechungen der jütländischen Versammlungen mittheilt, in getreuer Uebersetzung folgen : In der vorläufigen Behandlung über freiere Institution, Schutzbewilligungsrecht rc. Der Etatsrath Brink Seidelin: Noch will ich bloß hinzufügen, daß das Comite gänzlich unterließ, die Wählbarkeit der Juden zu besprechen, weil auch der Proponent an der Sache vorüberging, und dieser that dieses, weil dessen Vorschlag deßhalb vor zwei Jahren keinen Anklang in der Versammlung fand. Da inzwischen nur eine Majorität von 29 Stimmen gegen 21 den Vorschlag verwarf, so kann man daraus keineswegs schließen, daß dieser jetzt dasselbe Schicksal haben würde; es ist überdies eine Sache, wo wir das Interesse der Humanität, der Institution, ja sogar der christlichen Morallehre auf unserer Seite haben, und sollten wir auch nicht im Kampf bestehen, so ist es doch ein ehrbarer Kampf, der es würdig ist, ihn zu bestehen. Inzwischen muß ich doch glauben, daß man in dieser Hinsicht noch etwas warten könnte, und wenn, wie ich hoffe, der König einen Entwurf zur Veränderung in der Ständeinstitution vorlegen wird, wird Gelegenheit sein, auch über den besprochenen Gegenstand unsre Meinung zu äußern. Der Referent: (Ottersträn) Dem, was der geehrte Deputirte rücksichtlich der Wählbarkeit der Juden geäußert, trete ich für meine Person ganz bei; aber das Comite hat keine Anleitung gefunden, diesen Punkt aufzunehmen, der vom Proponenten übergangen war, und welcher auch in Rothschild (Roeskilde) nicht behandelt worden ist. Oberst Brock --Auch was die Wählbarkeit der Juden betrifft, habe ich mich in der vorigen Session 1838 ausgesprochen. Indem ich mich auf das beziehe was ich damals geäußert, wiederhole ich nur, daß es durch Gerechtigkeit und Billigkeit begründet ist, daß die, welche gleich zum Staate beitragen, mit uns Ehre und Schmach, Wohlfahrt und Trübsal theilen, auch alle dieselben Gerechtigkeiten genießen, wie andere Staatsbürger. Was uns von den Juden sondert, ist nicht die Moral, denn die haben wir mit ihnen gemein, sondern nur der Grund, worauf sie ihre Hoffnung von dem Zukünftigen gründen; und das, meine ich, müßte ihre eigene Sache sein; unsre Sache ist es, ihnen gleiche Rechte mit uns zu geben, so daß sie ihr Vaterland lieben und in Wahrheit sagen können: Ein Vater in der Höhe, Eine Mutter ist uns gegeben, Gott, der Vater aller Wesen, und das Land, in dem wir leben. Hofbesitzer Thorsen: In Beziehung auf den Vortrag eines vorhergegangenen geehrten Redners, will ich mir blos erlauben, meine Meinung rücksichtlich der Emancipation der Juden zu äußern. Durch einen mehrjährigen Aufenthalt in den Handelsstädten habe ich nickt wenige geblldete, erleuchtete und rechtlich gesinnte Juden kennen gelernt, die gewiß ihrem Platze in der rathgebenden Versammlung der Stände, wenn, ihnen ein solcher zugetheilt wird , ^day der Jude, der Ständedeputirter wird, seinen Stolz und seme Ehre darin suchen wird, das allgemeine Wohl des Staats zu fördern, dessen Bürger er ist. In diesem Geiste habe ich einen großen Theil des Volkes in öffentlichen und privaten Verhältnissen kennen gelernt. Uebrigens kann ich nicht leugnen, daß es auch in diesem Vereine Unkraut unter dem Weitzen giebt; aber bedürfen wir gerade auf Israels Acker das Unkraut zu suchen? Nein! Lasset uns bei unserm eignen

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