Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 17 (23.4.1841)
- Date
- 1841-04-23
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Odessa. — Unser geehrter Correspondent, welcher in Nr. 8 uns mehrere interessante Notizen Übermacht hat, beantwortet unterm 20. März unsere näheren Erkundigungen über die Bibelrollen zu D erbent dahin, daß der Reisende Abraham Firkowitsch alle seine Entdeckungen, die wir aus wichtigen Gründen zweifelhaft fanden, (und gegen welche auch Herr Reggio, dessen Brief er uns in Abschrift einschickt, ebenfalls starke Einwendungen erhebt) von den kompetenten Behörden hat beglaubigen lassen, und solche bei seiner Rückkehr der Kocrete Odessienne d’Histoire et d’Archeologie vorlegen werde. Er giebt uns dabei einige von seinen karaitischen Correspondenten aus Kassa ihm ertheilten Aufschlüsse, welche wir im Zion mittheilen werden. Auch hat er uns ein Stückchen aus den alten Handschriften, welche höchst seltsame Zeichen und Accente haben, mitgeschickt, welches wir lithographiren zu lassen gesonnen sind, um es den Gelehrten mitzutheilen. D. Red. Santomysl bei Posen, 11.März 1841. — Unlängst ist in diesen BlättAn der Wunsch ausgesprochen worden, Beispiele von wohlthätigen Vermächtnissen den geehrten Lesern hiedurch öffentlich mitzutheilen. Ich erlaube mir nun, die von dem hiesigen, am 26. November 1827 verstorbenen Corporationsmitgliede, Mendel Diamant, testamentarisch bestimmten Legate hier in Kürze zur Kenntnißnahme zu dringen. 1) Ein tfHip ^3 an die -w-ip deren Werth circa 400 Rthlr. ist. 2) Zum Aufbaue eines neuen PP2 in hiesiger Stadt 1000 Rthlr. 3) Ein eiserner Fond von 1000 Rthlr., von dessen Zinsen die Ausstattung eines armen Mädchens besorgt werden soll. 4) Ein zinsbarer Fond von 150 Rthlr. für den Verein der hiesigen Thalmud Thora. 5) Hat der Verstorbene die unvermögenden Töchter seiner nahen Verwandten mit gewissen Geldsummen zur Ausstattung bei ihrer Verheirathung bedacht. Es muß aber der Wahrheit gemäß bemerkt werden, daß in Folge des Testaments der Nachlaß durch ein 12, wobei der selige Posener Rabbiner Eg er präsidirte, untersucht und regulirt worden ist, und wegen befundener Insuffizienz die Legate verhältnißmäßig reduzirt worden sind. Jedoch ist das Bet ha-Midrasch, in welchem zugleich eine sehr schöne Wohnung für den Rabbiner sich befindet, massiv erbauet worden. Außerdem hat Testator auch seine hebräische Bibliothek, die einen Werth von 150 Rthlr. hatte, dieser Anstalt geschenkt. Das Testament hat der hiesige Translateur Abr. H. Jolowicz gerichtlich ausgenommen, welcher auch zum Testaments-Erecutor vom Testator ernannt worden. Dem Beispiele dieses Wohlthäters folgend, hinterließ der vor einigen Jahren hier verstorbene Beförderer alles Guten, Wolf Aron: 1) Einen Fond von 500 Rthlr., von dessen Zinsen alljährlich für die hiesigen jüdischen Armen Holz gekauft wird. 2) Einen Fond von 200 Rthlr. für den Verein der hiesigen Thalmud Thora. Beide Testatoren gaben durch ihr ganzes Leben die schönsten Beweise ihrer Mildthätigkcit, und bekundete sich diese namentlich bei'm Baue der hiesigen Synagoge, worüber vielleicht nächstens ausführlicher berichtet werden soll. Gallizien. — Wegen des Lemberger Rabbinates ist bis jetzt noch kein Resultat abzusehen, und es wird wahrscheinlich noch lange bei dem Provisorium sein Bewenden haben. Die Aufforderung zur Concurrenz, welche auf hohem Befehl bekannt gemacht worden, hat keine Folge gehabt, weil die Rabbinen die Schwierigkeiten der Stelle in einer Gemeinde wie Lemberg sehr wohl kennen, es auch geradezu in dem einstimmigen Plan aller Glieder des gegenwärtigen Vorstandes ausgesprochen ist, daß man sich für jetzt mit dem provisorischen Verweser dieses Amtes begnügen wolle, bis sich ein geeigneter Mann findet, welcher die Anforderungen der Zeit versteht und mit weiser Umsicht und Festigkeit des Charakters zu handeln weiß. Mit desto größerer Verwunderung hat man es daher vernommen, daß der Ziolkower Rabbiner, ein Mann von Fähigkeiten zwar, der durch einige literarische Werke bekannt, aber unbegreiflicher Weise erst in neuerer Zeit aus einem leichtfertigen Freidenker ein intoleranter Fanatiker geworden ist, hoffen konnte, durch direktes Nachsuchen bei'm Kreisamt, mit gänzlicher Umgehung der Gemeinde, welcher die Wahl zusteht, gleichsam mit einem Handstreich an die Spitze einer so bedeutenden Gemeinde zu gelangen, wo auch nicht Einer für ihn stimmen würde. Man muß es geradezu sagen, daß wie verschieden auch die Ansichten dort sein mögen, der Sinn aller einflußreichen Männer daselbst sich doch dahin stets vereinigt, ihre Würde und das Wohl des Ganzen mit wachsamem Auge zu beschützen, und daß sie sich nicht von unberufener Dreistigkeit imponiren lassen. Man hatte daher kaum von der Eingabe desselben Kunde, als ihm eine von den angesehensten und würdigsten Männern Unterzeichnete Addreffe zugefertigt ward, des Inhaltes: „daß man mit Unwillen den von ihm eingeschlagenen Umweg in Erfahrung gebracht habe, welcher zu ignoriren scheine, daß die Wahl der Gemeinde allein über die Besetzung des Rabbinates zu entscheiden habe; es sei dies Verfahren um so befremdlicher, als viele andere würdige Candidaten bisher aus Bekanntschaft mit den obwaltenden Verhältnissen bescheiden zurückstehen, und sich noch nicht melden; man kenne ja hinlänglich seinen Geist und seine Fähigkeiten, um, falls man auf seine Bereitwilligkeit rechnete, ihn zu dem Amte zu berufen; und er möge es daher gerathen finden, dies abzuwarten." Auch das Kreisamt, an welches er sich gewandt, hat ihm einen abweisenden Bescheid gegeben, indem die Wiederbesetzung bis zum Jahr 1846 zu verschieben sei. Diese Verhandlung ist. der beste Beweis, wie sehr die hohe Regierung das sich überall kund gebende Streben, eine bessere Bildung zu befördern, würdigt, und wie sehr die .fortschreitenden Mitglieder der Gemeinden sich der Verhältnisse bewußt sind, welche in Besetzung der wichtigen Stellen