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Israelitische Annalen · 1841-04-23 · Heft 17 (23.4.1841) · p. Seite 132

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 17 (23.4.1841)
Date
1841-04-23
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 gen und sittlichen Veredlung der untern und Mittlern Klast sen der Gesellschaft werden sollen, die Jugend nicht bis zum Mer des eigentlichen Schulunterrichts vernachlässigt und'verwahrlost und all den schädlichen Einflüssen, die so manchen Keim des künftigen Verderbens absetzen, preisgegeben werden dürfe. Eine Frucht dieser Ueberzeugung sind die Kleinkinderschulen oder Vorschulen, die wir an so vielen Orten in's Leben treten, und mit erfreulichem Erfolge wirken sehen. Nur von unfern Glaubensgenossen scheint die Wichtigkeit dieses vorzüglichen Zweiges der Volkserziehung noch nicht gehörig erkannt worden zu sein: wie ließe es sich sonst erklären, daß bei dem lebhaften Eifer für dieJugenddildung, bei der häufigen Gründung neuer Schulanstalten und Umgestaltung der vorhandenen, israelitische Kleinkinderschulen noch äußerst selten sind? Und doch getrauen wir uns, zu behaupten, daß gerade u nfern Gemeinden solche Anstalten am meisten Noth thun, ein wahres Zeitbedürfniß sind. Es sprechen dafür außer den allgemein bekannten noch besondere Gründe, welche wir hier in Kürze andeuten wollen. In der Regel sind Kleinkinder-Bewahranstalten nur Bedürfniß für die untern Klassen in den Städten; auf dem Lande hingegen können sie füglich entbehrt werden. Das Kind des Landmanns folgt, so bald es seine Beine recht zu gebrauchen weiß, dem Vater, der Mutter aufs Feld, sieht ihnen bei ihrer Arbeit zu, versucht voll Nachahmungslust seine schwachen Kräfte, und übt sie so lange spielend, bis es in allem Ernste mithelfen kann. Kinder von 4 Jahren werden schon häufig zum Viehhüten, Güten und dergleichen nützlichen Arbeiten verwendet. Da wird nicht bloß der Körper abgehärtet und der junge Weltbürger für die praktischen Zwecke des Lebens brauchbar gemacht, sondern auch an nützliche und anhaltende Beschäftigung gewöhnt, was ein unschätzbarer moralischer Gewinn, aber auch der intellektuellen Bildung ungemein förderlich ist. Das Kind ist durch das Leben selbst mit einer Menge von Gegenständen bekannt, mit den mannichfaltigsten Begriffen und Ideen bereichert worden, denen der gewandte Lehrer nur Worte leihen und den gehörigen Platz in der Reihe der denkbaren Dinge anweisen darf. Es hat vor Allem recht sehen, hören, aufmerken, sich anstrengen gelernt, an und für sich sehr viel, aber auch welche Vorarbeit für die Schule! in die es überdies einen im Drang des Lebens frühzeitig gereiften, gesetzten, ernsthaften Sinn mitbringt. Daraus erklärt sich der gesunde, gerade, durchdringende Verstand, den wir zuweilen an schlichten Bauersleuten bewundern, die-in ihrer Jugend wenige Jahre und da nur einige Monate des Jahres eine mittelmäßige Schule besucht haben. Mehr oder weniger praktisch bildend sind auch die meisten Werkstätten der Künstler und Handwerkerfür die Söhne derselben. Ganz anders verhält sich dies Alles bei unsern Dorfbewohnern , deren große Mehrzahl sich noch vom Handel ernährt. Da finden die Kinder nicht nur keine entsprechende Beschäfligung, keine zweckmäßige Anleitung für die Entwickelung ihrer Kräfte. Sie find meistens ihrer wenig zu. Hause weilenden Väter ganz beraubt. Wie viele Mütter verstehen sich aber darauf, allein ihre Kinder, insbeondere Knaben, gehörig zu leiten? Wie vielen gestatten die dringenden häuslichen Arbeiten, sich mit ihnen zu beschäftigen, oder nur sie zu beaufsichtigen? Da verleben die Kleinen ihre ersten Jahre im Müßiggänge, unstät in den Straßen herumschweifend, oder gedankenlos in der Stube sitzend. Haben sie dann das sechste Jahr zurückgelegt, so treten sie in die Schule ein , ohne ihrer Sinne recht mächtig, ohne im Aufmerken geübt, ohne an Subordination gewöhnt zu sem, ohne einen Begriff klar auffaffen oder deutlich ausdrücken zu können. Was nun mit solchen Schülern anfangen? Die Elementargegenstände werden sie mit Mühe und bei fleißigem Schulbesuch wohl erkennen, vielleicht auch bei einer gewöhnlichen Prüfung mit Ehren bestehen, ohne daß deßhalb der Unterricht wahrhaft bildend, anregend und veredelnd fürste geworden, ohne daß in denselben ein solider Grund zu einem geistigen Fortschritte gelegt worden wäre. Die Manmchfaltigkeit der Lehrgegenstände in israelitischen Schulen, wo eine alte morgenländische Sprache zugleich mit der Muttersprache erlernt werden soll, vermehrt das Nebel, und trägt nicht wenig bei zu der Jdeenverwirrung, an der Manche ihr ganzes Leben lang leiden. Auch die früh erzeugte Lust am Müßiggänge und an Unflätigkeit, die Quelle so vieler Plagen und Klagen, wird durch die Schuljahre nicht immer getilgt, findet vielmehr Nahrung in den Freistunden, die allen Aufgaben und Ermahnungen zum Trotz, auf gewohnte Weise zugedracht werden, und — macht mehr als Einen zu einem stetigen Berufe untüchtig. Statt dieses traurige Bild, von dem wir nach vieljähriger Erfahrung und Beobachtung einige Züge entworfen, weiter auszuführen, wollen wir lieber sogleich zum einzigen wahren Heilmittel übergehen, als welches sich uns gute Kleinkinderschulen ganz vorzüglich empfehlen. Da würden die Kleinen lernen, sich ihrer Sinne bedienen, aufmerken, vergleichen, unterscheiden, urtheilen, und die gewonnenen Begriffe und Vorstellungen klar und richtig bezeichnen, mit einem Worte: denken und sprechen. Der eigentliche Schulunterricht würde dann die so Vorbereiteten in kurzer Zeit viel weiter führen und ganz gewiß einen intensivgrößern Erfolg haben, rvenü sich dieser auch nicht sogleich dem Blicke des Unkundigen darstellte. Dieser Erfolg wird auch dadurch ungemein erhöhet werden, daß die so frühzeitig an Ordnung und Unterordnung, an Sammlung des Geistes, an Friedfertigkeit und Verträglichkeit Gewöhnten weit lenksamere, für intellektuelle und gemüthliche Einwirkungen empfänglichere Schüler abgeben; sie werden aber auch einst in der Welt als tüchtigere, gesittetere und sittlichere Menschen dastehen. (Schluß folgt.) Nachrichten «nd Correspondenzen. F r a n k reich. (Aredi V68 Israelites de Fr.) Mehrere Israeliten des Departements Ober-Rhein beabsichtigten zu Ehren des Herrn Cremieur eine Medaille schlagen zu

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