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Israelitische Annalen · 1841-04-23 · Heft 17 (23.4.1841) · p. Seite 131

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 17 (23.4.1841)
Date
1841-04-23
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 einflußreichere Erscheinung, die nämlich des Thalmuds, gehörig zu motiviren. Der Abstand zwischen der einfachen, kurzen, den Sinn der Texte nicht entstellenden Auslcgungsart der Thanaiten, und zwischen dem verwickelten, weitschweifigen, von Spitzfindigkeiten strotzenden Verfahren der Thalmudisten ist noch zu groß, als daß beide Erscheinungen auf eine und eben dieselbe Ursache zurückgcführt werden könnten. Man muß also noch andere Elemente herbeiziehcn, und hier bewährt sich wieder, was überhaupt von allen menschlichen Leistungen gilt, daß fie nämlich das Gepräge des Zeitalters an sich tragen, in welchem sie zum Vorschein kommen. Nun artete wirklich im fünften Jahrhunderte der menschliche Verstand durch die überhand nehmenden monophysitischcn Streitigkeiten in eine solche Sophisterei aus, dergleichen die frühere Geschichte keine ausgebreitcterc oder verderblichere aufzuweisen hatte, und welche später der noch schädlichcrn Scholastik den Weg bahnte. Kein Wunder also, daß auch die damaligen jüdischen Gelehrten, sich leicht an den jedesmaligen Culturzustand anschmiegend, daraus Gelegenheit genommen, ihren Scharfsinn nach der zu jener Zeit gangbaren Methode in Bearbeitung der vorhandenen ritualischcn Urkunden auszuüben. So hatten ja ihre Vorfahren, sobald die alcxandrinische Schule in Schwung kam, nicht unterlassen, sich ganz jenem Studium zu ergeben; so sind auch ihre Nachkommen im zwölften Jahrhunderte der damals blühenden aristotelischen Philosophie mit Vorliebe nachgegangen; so hat ja zu jeder Zeit der forschende Geist der Israeliten getrachtet, die außer dem Judenthume emporkommenden Systeme sich anzucignen, und mit der jüdischen Lehre so viel als möglich in Einklang zu bringen. Der Hang also nach theologischen Subtilitäten, die, wie gesagt, die ganze christliche Welt im fünften Jahrhunderte beschäftigten, und in mehrere Sekten (als: Phrhanolatrer, Aphthartodoketen, Aftisteten, Kristolatrer rc.) trennten, hatte nun zur Folge, daß auch bei uns ein Witz rege gemacht wurde, der in der Commentirung des Mischnaischen Werkes und in den darin mit eingeflochtenen Disputationen einen reichhaltigen Stoff zu seiner Nahrung gefunden. Dazu kam noch der Umstand, daß je mehr Zeit, Kraft und Anstrengung auf solche Erörterungen verwendet wurde, desto mehr auch das Ansehen des Stoffes stieg, der dazu Anlaß gegeben hatte; andrerseits um die Wichtigkeit des Geschäftes immer mehr darzuthun, mußte man es in ein heiliges Gewand hüllen; um recht viele daran zu fesseln mußte das Verdienst jener Beschäftigungen sehr hoch gepriesen, und dem ganzen Gegenstände ohne Unterschied eine göttliche Abstammung angewiesen werden. Dieß wirkte wiederum auf die Vervielfältigung der Glossen, Distinktionen und Streitigkeiten vortheilhast zurück, und Ließ spornte endlich die zwei berühmten Lehrer R. Asce und R. Abina an, alle vorhandenen Materialien zu sammeln, zu ordnen, und so den Thalmud in der Form, wie er vor uns liegt, zu verfassen. Wer sich von der Richtigkeit der hier vorausgesetzten Motive überzeugen will, der braucht nur auf die ungeheueren Werke einen Blick zu werfen, die in der Folge über den Thalmud selbst mit beispiellosem Fleiße und Zeitaufwande geschrieben wurden, und die Analogie wird lehren, daß überall die nämlichen Ursachen da sein mußten, wo ähnliche Wirkungen zum Vorscheine kamen. Denn eben dasjenige Verfahren, welches die Thalmudisten in Rücksicht auf die Mischnah beobachtet haben, ist auch von den Tosaphot, rücksichtlich des Thalmuds, von Tur und Caro über die Tossaphot, von den Possekim gegen Tur und Caro, und endlich von den spateren Rabbaniten in Betracht der ftüheren Possekim beobachtet worden. Ich überlasse es denjenigen, die sich solchen Untersuchungen gern widmen, diesen Gedanken weiter zu verfolgen, und alle die Schlüsse daraus zu ziehen, an welchen er mir fruchtbar scheint. Uebrigcns kann die in meinem ersten Aufsatze vorgebrachte Meinung über die Grundlage, worauf der Thalmud beruhet, auch nach den hier aufgestellten Hypothesen, ihre Richtigkeit noch in so ferne bcibehalten, daß jene Ansicht nicht als die einzige, sondern in Verbindung mit den hier angegebenen als eine witwirkende Ursache betrachtet werde, die zur Entstehung des Thalmuds nicht wenig beigctragen hat. Oie Nothwendigkeit isr. Kleinkinderfchulen. Von Abraham Koh«. Einer der größten pädagogischen Fortschritte unserer Zeit ist unstreitig die immer allgemeiner werdende Ueberzeugung, daß sämmtliche dem Menschen inwohnende Kräfte und Fähigkeiten schon in ihrer erflen Entfaltung einer sorgsamen Aufsicht und Leitung nicht entbehren können, daß daher, wenn die Volksschulen in Wahrheit Hebel der geisti- 17*

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