Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 16 (16.4.1841)
- Date
- 1841-04-16
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Königsberg nicht unbedeutende Summe, da es gar keine oder doch sehr unbedeutende Legate giebt, demnach das Meiste durch jährliche Beiträge der Gemeindemitglieder gewonnen wird, außerdem aber noch ein großer Verein für Krankenpflege und Todtenbestattung, ein besonderer für Unterstützung von Hauskranken, eine Casse zur Unterstützung von armen Durchreisenden bestehet, und noch sehr häufig in außerordentlichen Fällen der Sinn für Wohlthätigkeit in Anspruch genommen wird, der laufenden, sehr viel fordernden Gemeindeausgaben nicht zu gedenken. Das Stiftungsfest der wohlthätigen Gesellschaft fand in dem schönen Locale der israelit. Ressource statt. Nach Ansicht der ausgelegten Schriften, die Berichterstattungen über die Einkünfte und Ausgaben des verflossenen Jahres enthielten, verfügte man sich, eingeladen durch eine geschmackvolle Tafelmusik, zu einem fröhlichen Mahle, das in zarter Rücksicht für eine leider sehr geringe Minorität so eingerichtet war, daß auch die in Bezug auf die Speiscgesetze gewissenhaftesten Mitglieder ungescheut an demselben Theil nehmen konnten. Das erste Lebehoch wurde von Herrn Minden, dem Vorsteher der w. G., dem Könige, das zweite von dem Herrn vr. Saalschütz, Prediger der Gemeinde, im Namen der Gesellschaft, den edcln Männern und Frauen dargebracht, die die dargebotenen Mittel durch ihre eben so sorgsame als liebevolle Verwaltung und Verwendung erst eigentlich segensreich machten, wobei derselbe zugleich Gelegenheit nahm, sich in anregenden Worten über die Wirksamkeit des Vereins überhaupt auszusprechcn. Dieser Toast wurde von dem Secretär der w. G., Herrn Gabriel, erwiedert, worauf noch eine Reihe anderer passender Trinksprüche von verschiedenen Anwesenden ausgebracht wurden. Die hochherzige Fröhlichkeit, die bei diesem Feste waltete, gründete sich auf das schöne Bewußtsein, so manche Thräne der Nothleidenden im Laufe des verflossenen Jahres getrocknet zu haben, wie gewiß diese jährlichen Zusammenkünfte aller Mitglieder des Vereins viel dazu beitragen, die persönliche Theilnahme derselben zu beleben, auch Gelegenheit geben, der Gesellschaft, in eingeladenen Gästen, neue Mitglieder zuzuführen. Zn Rücksicht auf das Ehrengeschenk, das in London Herrn Montefiore*) dargebracht werden soll, circulirthier eine von Hrn. Schönlank in Umlauf gesetzte Aufforderung zu Beiträgen, zu welchen man sich allgemein bereit finden läßt. Uebrigens hat am Sabbathe des Weihefestes Herr vr. Saal schütz am Schluffe der Predigt, im Festgcbete, auch des Märtyrerthums gedacht, dem einzelne Israeliten im verflossenen Jahre sich ausgesetzt sahen, und der Rettung, die Gott den Uebcrlcbenden durch seinen Diener Montefiore und Cremieur gesendet, für welche, wie für Alle, die an dem Werke der Gerechtigkeit Theil genommen, einige Worte des Segens gesprochen wurden. *) So eben empfangen wir aus London noch interessante Berichte, welche wir im nächsten Blatte liefern. D. H. Leipzig. — vr. Julius Fürst hat bei Gelegenheit der Vollendung seiner Concordanz von S. M. dem Könige von Sachsen eine goldene Medaille erhalten. Aus Bayern. — Im Allgemeinen läßt sich jetzt wenig Erfreuliches über die israelit. Angelegenheiten aus unserm Lande mittheilen, da die freie Bewegung des Israeliten im religiösen, wie im bürgerlichen Leben mehr Hemmung als Förderung findet. Indessen glaube man ja nicht, daß unter den israelit. Gemeinden, in welchen einmal der Geist frommer Aufklärung oder aufgeklärter Frömmigkeit geweckt wurde, ein Verlangen nach Rückschritten sich zeige. Nein, das ist die göttliche Kraft und der himmlische Segen der Wahrheit, daß sobald sie einmal den Boden des menschlichen Herzens eingenommen — wie schwer und langwierig auch gegen den Irrthum gekämpft werden mußte — sie festen Fuß faßt, und daß sie durch ihre Beseligung leicht behauptet und erhält, was sie mühevoll erkämpft und errungen hat. Daher kommt es, daß bei Besetzung der Rabbinatsstellen an vielen Orten die Gemeindeglieder einen in der Schule der Wissenschaft gebildeten Candidaten einem bloß mit Thalmudkenntnissen ausgerüsteten Manne vorziehen; daß ferner in keinem Rabbinatsdistrikte, in welchem wissenschaftlich gebildete, nach Licht und Wahrheit ringende Rabbinen wirken, Beschwerden und Anklagen gegen den Geistlichen erhoben werden, obwohl vielleicht mancher Antrag jetzt höhern Orts Gehör fände, welcher früherhin abgewiesen wurde. Nur Fürth macht hiervon eine traurige Ausnahme, indem dort der schrecklichste Fanatismus, welchem keine Waffe zu unheilig ist, noch haust und von pharisäischer Hand getrieben wird. Man wende nicht ein, daß die Ruhe in andern Gemeinden nur eine Art Lethargie sei; gewiß nicht, es ist vielmehr die Frucht der fortan sich bewährenden Erfahrung, daß unter der Wirksamkeit tüchtiger Volkslehrer die väterliche Religion gegen äußere Anfechtungen geschützt und vor innerer Verflachung gewahrt werde. Je weniger die weltliche Behörde der geistigen Wiedergeburt Israels die Hand bietet, desto stärker dringt die Ueberzeugung durch, daß die nach lichter Erkenntnis' und nach Veredlung des Kultus strebenden Rabbinen von einer Liebe zur Religion geleitet werden; gegentheils taucht leicht da, wo die Regierung auf Reformen dringt, die Meinung auf, und die Heuchelei benutzt sie zur Aufreizung und Anfeindung, daß die eine Läuterung der Dogmen und Hebung der Formen wünschenden Rabbinen nur nach Beifall und Belobung der Behörden trachten. Ucberhaupt wird der Geist der Religiosität öfter unter den unzeitigen Umarmungen der weltlichen Macht, als unter der hartdrückenden Hand erstickt. Der Aufsatz in Nr. 11 Dieser Zeitschrift, über jüdischen Aberglauben, welchen man, in so weit er das Dorurtheik betrifft, zur Zeit des abnehmenden Mondes keine Ehen zu schließen, auch christlichen Aberglauben überschreiben könnte, mit dem wesentlichen Unterschiede jedoch, daß bei den Christen der Vvlkswahn nicht zur Vorschrift sanktionirt wurde, verdient alle Beachtung. Die Nachweisung, daß mancher Aberglaube, wie das in diesem Aufsatze geschehen, und daß manches Gesetz, wie das rücksichtlich der Trauergebräuche in der Geiger'schen Zeitschrift durchgeführt wurde, aus dem Heidenthume in das Iudenthum sich eingeschlichen habe, ist für die Läuterung und Feststellung der israel. Religionsbegriffe von großer Wichtigkeit, uTiö der Forschungsliebe steht hier ein weites Feld offen. Doch darf nicht übersehen werden, daß die Superstition, zur Zeit des abnehmenden Mondes, keine Ehen zu schließen, keine Wohnung zu beziehen rc. den Worten des R. Akiba im Tr. Sanhedrin foi. 65, b. geradezu widerspricht, welcher erklärt: p^o „Ein Zeichendeu-