Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 16 (16.4.1841)
- Date
- 1841-04-16
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Wenn es wahr ist, daß ich in meiner Laufbahn durch meinen Eifer aus allen Kräften die heilige Sache Eurer Emancipation zu unterstützen eurerseits einige Liebe verdient habe, kommt und leistet den jüdischen Schulen im Oriente Beistand. Traget mit dazu bei, jenen einst durch Wissenschaften und Kenntnisse blühenden Gegenden die Wohlthat der Civilisation wieder zu geben. Aus dem Morgenlande stammt die Religion, die uns mit so engen und edeln Banden umschließt. Die Juden, welche auf ägyptischem Boden leben, wo Moses einst unsere unterdrückten Väter befteiete, erbitten von den Israeliten Europa's ihre moralische Erlösung. Von Kahira und Alerandrien aus wird sich das heilige Feuer bald nach Damask und Jerusalem verbreiten. Das Morgenland wird wieder aufleben, und einst wird die Geschichte sagen: „In den ersten Zeiten der Welt, verbreitete die Religion, welche Moses gab, vom Morgenlande ins Abendland die reinste Moral mit der Erkcnntniß des einigen Gottes; viertausend Jahre nachher verpflanzte dieselbe Religion aus dem Abendlande die Gesittung ins Morgenland, und warf die Strahlen jenes großen Lichtes dahin zurück, welches aus der Mitte der Gottheit selbst geflossen war. Zum zweiten Male hörte man an der Wiege der Welt die großen Worte: Gott sprach: es werde Licht und es ward Licht." Ad. Cremieur. Advokat am Königl. GerichtSbofe zu Paris. Vice - Präsident des Central - Consistorium« der französischen Israeliten. Zur Beseitigung einiger Einwendungen gegen die neuere Methode des Bibelunterrichts. *) Viele Eltern klagen gegen die neuere Methode, welche bei'm Uebersetzen der Bibel stets die grammatische Analyse mit berücksichtigt. Sie meinen, man sei früher werter gekommen, man habe die Thora jährlich durchübersetzt, und die Wiederholung dieses Verfahrens habe den Kindern den Inhalt besser eingeprägt, als der langsamere Weg der grammatischen Analyse, bei welcher es kaum möglich ist, den Pentateuch auch nur einmal zu beenden, und die Jugend *) Wir sind erstaun?, daß einer der intelligentesten Rabbinen (Verf. obigen Aufsatzes) es nöthig findet, hierüber seine Landsleute in Bayern zu belehren, nachdem dieser Punkt schon bis zum Uederdruß besprochen und praktisch fast in ganz Deutschland erledigt schien. Da er es aber so findet, haben wir gern diese Bemerkungen ausgenommen. Es ist'übrigens schlimm, wenn man zur Empfehlung einer Lehrmethode sich erst auf alte Quellen berufen muß. Gesetzt man hätte vor 14V0 Jahren ein anderes Verfahren gut geheißen, kann dies der Gegenwart als Norm dienen? Die Lehrmethode hat sich in allen Stücken den Anforderungen der Pädagogik zu fügen, und das genügt für die Lehrer. Die Eltern werden wohl selten zu beftiedigen sein, wenn sie nicht der Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit ihrer Lehrer vertrauen. I. im Uebersetzen des Wochenabschnittes nicht geübt ist. Diese Einwendung ist in der ersten Grundlage unrichtig; denn die nach der ältern Methode unterrichteten jungen Leute hatten, obwohl fast der ganze Unterricht dem Uebersetzen des Pentateuchs angehörle, bald die Wortbedeutungen vergessen; wofern nicht sabbathlich — der alten Vorschrift der Rabbincn gemäß — zweimal der Text, und einmal die Uebersctzung (versteht sich in der Landessprache) wiederholt ward. Diese schöne Sitte wäre auch jetzt denen zu empfehlen, welche den Sabbath bisher nur durch Müßiggehen heiligem Die Erwachsenen würden dabei an Kenntniß und religiösem Sinn gewinnen, und den Jüngern ein aufmunterndes Beispiel geben. Der Vortheil des grammatischen Unterrichts würbe sich aber alsdann erst recht bewähren; denn er wird mindestens vor oberflächlichem und falschem Auslegen schützen. Die Wichtigkeit des gründlichen Verfahrens für die ganze Geistesbildung brauchen wir hier nicht barzustellen; aber wir wollen alle Lehrer und Eltern darauf aufmerksam machen, daß dasselbe auch den ehemaligen thalmubischen und radbinischen Anforderungen entspreche. (Vcrgl. »»du Bathra 21a de Jore Deah 245.19.) Sic empfehlen überall Gründlichkeit, nicht ein bloßes Durchgehen der Bibel, womit man sich so lange begnügt hat, und welches jetzt, da die Unterrichtszeit anderweitig stark in Anspruch genommen wird, spurlos verloren ginge, wenn nicht das Eingehen in den Sprachbau einen bessern Grund legt. Freilich sind höhere syntarische Regeln und grammatische Subiilitäten nicht für die Volksschule, aber die Elemente der Formenlehre sind unentbehrlich und bilden die Basis zur gründlichen Interpretation. A. Nachrichten und Correspondenzen. Königsberg im März. — Vor einigen Wochen ging hier ein schönes wahrhaft israelitisches Fest an uns vorüber, das jährliche Stiftungsfest der „wohlthätigen Gesellschaft." Die Bestimmung dieses Vereines ist die Unterstützung von Armen, von Studirenden und Handwerkslehrlingcn, und namentlich waltete bei der ersten Bildung dieser Gesellschaft auch der Wunsch, für Todtenbestattungen ein anständiges Gefolge zu schaffen, welcher Pflicht, die jedoch nur den Unvcrheirathetcn Mitgliedern der Gesellschaft obliegt, mit Treue und ordnungsvoller Liebe nachgekommen wird. Außer diesem Verein besteht noch ein Frauenverein für Wohlthätigkeit, so wie auch der Vorstand der Gemeinde jährlich eine bedeutende Summe für diesen Zweck verwendet. Seit einigen Jahren sind diese früher dreifach getheilten Mittel zu einer „Central-Armen-Verwaltung" vereint worben und als erfreuliches Monument dieser Thatsache steht bereits eine Armenschule für Mädchen und Knaben da (über welche nächstens ausführlicher berichtet werden soll), denn nur ausnahmsweise werden Knaben und Mädchen auf Kosten der Gesellschaft in Gymnasien und höhere Bürger- Schulen geschickt. Die gesammten Mittel des dreifachen Vereins betragen jährlich etwa zweitausend Thaler, eine für