Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 16 (16.4.1841)
- Date
- 1841-04-16
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 So fand ich die jüdische Bevölkerung in den beiden großen Städten Aegyptens, hie und da einige Männer von dem Wunsche nach Verbesserung beseelt, aber ohne Beistand, ohne Einfluß auf ihre Mitbrüder. Es schien mir, meine Herren, daß meine Mission ihren Wirkungskreis würdig erweitern dürfte, wenn sie, nach Rettung der schändlich verfolgten Unschuldigen, unsere unglücklichen Brüder in eine bessere Lage versetzte. Während Sir Moses sich nach Constantinopel begab, um den Akt der Gerechtigkeit, welchen wir von Mehemct Ali erlangt hatten, zu vollenden, widmete ich dem Aegyptcrlande einige Wochen; ich forderte die Juden dieser Gegenden zu einer Reform ihrer Gewohnheiten und Lebensweise lebhaft auf. Ich gab mir Mühe, ihnen die Wichtigkeit des Unterrichts, die Vortheile der Arbeit einleuchtend zu machen; ich zeigte ihnen die Schätze, welche die Gcistesentwickelung verschafft. Unterstützt von dem gelehrten Herrn Munk, dessen Thätigkeit nicht einen Augenblick nachließ, und welcher in Deutschland so viele treffliche Ideen über die Erziehung der Kinder gesammelt hatte, beschloß ich in Kahira und Alexandrien Schulen für die Israeliten beiderlei Geschlechter zu gründen. Der Erfolg hat meine Erwartung übertroffen: ich schreibe mir die Ehre nicht zu, ich verdanke sie der heiligen Mission, mit welcher ich beauftragt war. Sie gab mir in den Augen der morgenländischen Juden einen gewissen' Charakter der Weihe; die Religion bestimmte den schwankenden Willen. (Ich kann nicht genug den Eifer und die Thätigkeit der beiden Oberrabbinen zu Alexandrien und Kahira loben; beide sehr verständige, ehrbare und einflußreiche Männer haben sich an die Spitze eines Vereins gestellt, um die Schulen zu gründen.) Vier Schulen sind jetzt in voller Thätigkeit, zwei zu Kahira, zwei zu Alexandrien. Sie glauben kaum, meine Herren, was die drei Monate des ersten Versuches gewirkt haben. Die letzten Nachrichten, welche ich aus Kahira empfangen habe, sind vom 24. December. Der Präsident des Comite, Herr Jakob Adda, schreibt mir folgendermaßen : „Kaum war der Vertrag mit dem Director und der Directrice abgeschlossen, als die Lectioncn ihren Anfang nahmen, und schon nach einigen Wochen hat man in einer Prüfung sich von dem heilsamen Einfluß des Unterrichts auf die Gesittung überzeugt, was uns große Hoffnungen für die Zukunft schöpfen läßt. Sie wünschten zu erfahren, welchen Eindruck es auf die Kinder machte, als man ihnen die Bücher und die Schiefertafeln in die Hand gab. Sie schienen sehr vergnügt, ja begeistert, die ungewohnten Mittel zu ihrem Unterrichte zu empfangen. Die Disciplin wird jetzt, bei der Lenksamkeit der Kinder, sehr leicht. Sauberkeit herrscht in der Anstalt selbst bei kleinen Kindern. 300 Schüler besuchen die Schule, 80 Arme, 60 die nicht zahlen können, 150 zahlen Schulgeld." Der Präsiden: des Comite's von Alexandrien, Herr Valensino, schreibt mir unterm 21. Januar: „Es wäre für Sie ein herrlicher Anblick, unsre jungen Araber zu sehen, wie sie so lernbegierig sind, und den Nutzen der Sauberkeit einsehen, auf welche wir die höchste Sorgfalt verwenden, und deren sie so sehr bedürfen. Die Kinder kommen sehr gern in die Schulen, und dienen bereits den Eltern zum Sporn. Ich kann Ihnen unmöglich den Wetteifer aller unsrer Glaubensgenossen, die allgemeine Theilnahme, welche das neue Institut erregt, beschreiben; jeder eilt, seine Kinder in die Schule zu schicken, jeder bemüht sich, den Eifer des Comite's zu loben, und zum allgemeinen Besten mitzuwirken. In den Augenblicken, da ich Ihnen schreibe, kennen schon alle Kinder ihre Buchstaben; eine gute Zahl derselben kann schon die verschiedenen Sylben zusammenlesen. Wir lassen sie auch im Arabischen, Hebräischen und Italienischen Sprechübungen machen, was das Erlernen dieser Sprachen sehr erleichtern wird." „Mehrere Katholiken und Griechen haben uns ersucht, ihre Kinder aufzunehmen. Wir haben in einer allgemeinen Versammlung beschlossen, diesen Antrag anzunehmen, sobald der Gang der Schule erst vollständig .geregelt sein wird. Uebrigens gehen unsre Schulen kräftig vorwärts." Unterm 22. Febr. setzt Hr. Valensino hinzu: „Ich habe das Vergnügen Ihnen anzuzeigen, daß unsre Schulen ganz erwünscht-fortschreiten. Die moralische Entwickelung übersteigt allen Glauben,, die Eigenliebe jedes Schülers steigert sich, man fängt an, auf Sauberkeit des Körpers viel zu halten. Die Disciplin, obwohl noch nicht ganz gut, ist schon bedeutend besser. In dem provisorischen Lokale haben wir 56 Schüler, von denen 14 geläufig lesen; sie wissen eine ansehnliche Zahl italienischer Vokabeln; mit einem Alphabet setzen sie die ihnen vom Lehrer dictirten Wörter zusammen. Alle diese bisher in schmählicher Behandlung und unter schrecklichen Schlägen ausgewachsenen Kinder, gehorchen mit Freuden auf den Ton eines Glöckchens und auf ein Zeichen des Lehrers. Kurz es geht alles zum Bewundern." So, meine Herren, steht es jetzt mit unfern Instituten, von denen die Zukunft so große Vortheile verspricht; allein, wie Sie leicht denken können, die Correspondenzen, von denen ich hier Auszüge liefere, rufen die Mitwirkung der abendländischen Israeliten inständigst an, und diesen Beistand habe ich Ihrerseits versprochen, und nehme ich jetzt in Anspruch. Juden Deutschlands und Italiens, die Ihr'in denjenigen Gegenden, die ich durchreiste, mich mit den rührendsten Beweisen Eurer Achtung überhäuftet; auch Ihr, meine Glaubensbrüder alle, welche §u besuchen mir nicht vergönnt war, aber deren Deputationen und Briefe mich während der Dauer jener Mission so lebhaft gerührt haben; Euch alle ersuche ich um Liesen erfreulichsten Beweis Eurer Theilnahme, um eine Sammlung für dke jüdischen Schulen zu Alexandrien und zu Kahira *) *) In Triest, Venedig, Wien. Fürth und Frankfurt a. M. habe ich die Israeliten voller Eifer gefunden, für dies Werk der Menschenliebe, dessen ganzen Werth sie würdigten, Sammlungen zu veranstalten. Zu Athen hat die Frau Herzogin von P.die Gnade gehabt, als die Erste zu unterzeichnen.