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Israelitische Annalen · 1841-04-16 · Heft 16 (16.4.1841) · p. Seite 124

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 16 (16.4.1841)
Date
1841-04-16
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 rnung lächerlich bei ganzen Massen, die seit Jahrtausenden einem Lande durch Geburt und Mitwirkung zum Allgemeinen angehörcn, zumal da viele oder alle Germanen selbst keine Autochthones sind. 2) Beruft man sich auf die Religion, welche die Ausübung der Bürgerpflichten hindere. Zur Beseitigung dieser Einwendung wird ein Lehrbuch der Religion, und zwar das von der Württemb. israel. Oberkirchenbehörde sanctionirte beigelegt, und auf die betreffenden §§ hingewiesen. 3) Wird die Beschäftigung der Juden, der Handel, eingewendet, indem man sie als ausschließlich dem Schacher und Wucher ergeben darstellt. Dies ist aber ungerecht, denn bis vor 30 Jahren blieb ihnen keine Wahl außer zwischen diesen Erwerbsquellen und dem Hungertode. Schon jetzt stellt sich das Verhältniß anders. Seit 1825 besteht eine Schule, aus welcher 33 Jünglinge in's Leben getreten sind, von diesen gehören 14 dem Handwerke an, 7 den Wissenschaften, 9 dem'geregelten Kaufmannsftande, einer dem nicht streng erlernten Handel, und die jüngsten 2 sind noch unentschieden. (Ein ähnliches in größerm Maaßftabe ausgeführtcs Resultat haben wir in Berlin im Jahre 1833, in dem „Offenen Sendschreiben an Hrn. G. O. R. R. C. Streckfuß" dargelegt.) Dabei hat man noch die Schwierigkeiten, die der Neid erzeugt, mit in Anschlag zu bringen. 4) Einige behaupten, es müsse erst eine gewisse Reife zum Bürgerthum abgewartet, oder heranerzogen werden. Allein die Erfahrung der Länder, wo die Gleichstellung schon exiftirt, beweist am besten die Unwahrheit der sogenannten Unreife, wie dies noch besonders aus den öffentlichen Erklärungen der Stimmberechtigten in mehrern Staaten ersichtlich. Die deutschen Juden sind fast überall auf der Höhe der Zeit, und doch müssen sie an manchen Orten die unerträglichsten Zurücksetzungen erleiden. Den Staatsbürgern dort wird z. B. das Ortsbürgerrecht und selbst die Verehelichung dermaßen erschwert, daß ungeachtet des Absterbens von 11 Familienvätern und Auswanderung einer Familie, innerhalb 20 Jahre doch nur zwei es durchsetzen konnten, sich einen eigenen Heerd zu gründen; bei'm Eide herrschen noch die verletzendsten Vorkehrungen; Verträge mit Christen sind nur gültig, wenn sie gerichtlich gemacht sind rc. Das alles dient nicht zur Förderung der Bildung; und dennoch haben die Juden in dieser mit allen Landeskindern gleichen Schritt gehalten. Selbst wenn der Einwand wahr wäre, ist es ja die größte Ungerechtigkeit, daß gerade die Würdigen durch die Ausschließung am Meisten leiden. 5) Will man behaupten, der Staat als christlicher dulde keine Gleichstellung der Juden. Auch dies ist bereits durch die neueste Geschichte widerlegt. 6) Das sogenannte allgemeine Vorurtheil dagegen ist jedoch augenscheinlich nur an erzogen und hat gar keinen wahren Grund, wie ebenfalls in andern Völkern nachzuweisen. — Alles dies ist kurz und klar in würdiger Haltung durchgeführt. Hiernach wird nun ein angemessener Antrag gestellt; über dessen Erfolg wir seiner Zeit berichten werden. ,_■ Crernieux-Schrrlerr. Rundschreiben des Herrn Ad. Cremieux an die abendländischen Juden. Paris, den 20. März 1841. Meine Herren und geehrte Glaubensgenossen! Ich rufe Ihre Mitwirkung in einer großen und heiligen Sache an. Während meines Aufenthaltes in Aegypten, behufs der schönen Mission, welche unfern Brüdern im Morgenlande die warme Theilnahme ihrer abendländischen Brüder darlegte, war ich von dem Anblick der unglücklichen Bevölkerung, die sich meinen Augen darbot, innigst bewegt. Seit so vielen Jahrhunderten mit Füßen getreten, haben die Trümmer der jüdischen Nation, einst in diesen selben Gegenden so mächtig, die Energie verloren, welche allein dem Menschen einen Aufschwung giebt und ihn erinnert, daß er ein Werk Gottes ist. Die Quelle, welche alle Fähigkeiten unserer Denkkraft belebt, der Unterricht, ist in diesem vor einigen Jahrhunderten durch das Licht israelitischer Weisen und Lehrer glänzenden Alexandrien, jetzt nicht einmal dem Namen nach bekannt. Kinder wachsen heran und werden groß, Männer leben und sterben, in einer entsetzlichen Unwissenheit, welche Herabwürdigung mit sich bringt, in einer verderblichen Unthätigkeit, welche gänzliche Stumpfsinnigkeit mit sich führt. Zu Kahira ist die Lage der Juden noch schrecklicher, weil hier die Beweglichkeit des Seewesens fehlt, das in Alexandrien die Bevölkerung beschäftigt. Bei diesem tiefen Elende sind die Familien zahlreich! Aber welche Familien! Die Kinder werden von Krankheiten verzehrt, die aus der Armuth, dem Stumpfsinn, dem gänzlichen Mangel körperlicher Sauberkeit hervorgehen. Die jungen Mädchen sind wo möglich noch ärger verwahrloset als die Knaben, und der Tod rafft fortwährend viele Opfer mitten aus dieser trägen Menge fort, die ihm preisgegeben wird.

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