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Israelitische Annalen · 1841-04-09 · Heft 15 (9.4.1841) · p. Seite 118

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 15 (9.4.1841)
Date
1841-04-09
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 tung bei den höchsten Staatsbeamten zu. Unter Hardenberg's Ministerium erhielt er die Erlaubniß, in der preußischen Provinz Ansbach wohnen zu dürfen, wo er im Zähre 1804 sein Banquiergeschäft begann. Auf Veranlassung des damaligen General-Landescommissär im Großherzogthume Würzburg, von Thürheim, zog er jedoch nach Würzburg, wo er bis zum Zahre 1819 sich aufhielt, vielleicht auch geblieben wäre, hätten ihn nicht die im Jahre 1818 in Würzburg vorgekommenen Mißhandlungen der Juden, — wo 'auch er, der sich gegen die Bürger stets wohlthäiig gezeigt hatte, veranlaßt war, aus Würzburg nach Ansbach zu flüchten-bestimmt, Wüvzburg zu verlassen und seinen Wohnsitz in München zu nehmen. Jakob von Hirsch hatte in der frühesten Zeit schon, neben seinem Banquiergeschäfte, derOekonomie sich zugewendet und erhielt, auch zu der Zeit, als noch kein Jude ein Grundstück erwerben durfte, vom Großherzog die Erlaubniß, Realitäten zu besitzen. Er zeigte sich dieser Begünstigung würdig, indem er dem Staate die größte Theilnahme widmete und sogar 1813 auf seine Kosten 15 Mann für den Befreiungskrieg ausrüstete. Der erbliche Adel wurde ihm von unserm Hochseeligen Könige Mar im Jahre 1816 verliehen, und dabei ihm auch eine besondere allerhöchste Bestimmung ertheilt, daß die in dem Edikte von 1813 enthaltenen Beschränkungen und Ausnahmsgesetze auf ihn und seine Nachkommen keine Anwendung finden sollen. Für das Loos seiner Glaubensgenossen war er nicht gleichgültig, so oft auch der Vorwurf ausgesprochen werden mag, daß er für die Gesammtheit nichts zethan habe. Wer für die Gesammtheit wirken soll, der muß diese über- und durchschauen, er muß mit überlegener Geisteskraft unter seinen -Zeitgenossen hervorragen und auch in intellektueller Hinsicht die Mängel und Bedürfnisse, so wie die rechten Mittel zur Abhülfe kennen. Dazu »fehlten ihm die geistigen Mittel. Aber es ist wahrlich besser, für die Gesammtbeit nichts zu thun,- als unberufen und unverständig sich zu ihrem Repräsentanten aufwerfen und seine verkehrten Wünsche als die der Gesammtheit darstellen, wie das in neuester Zeit ein gewisser M. R. aus Z. gethan hat. Jakob v. Hirsch aber hätte viel mehr thun können und vielleicht auch gethan, wenn das Glück ihm einen wissenschaftlich gebildeten Mann an die Seite gegeben hätte, der, weniger eigennützig, für seine bayrischen Glaubensgenossen aufrichtige Sympathie gefühlt hätte. Nach einem solchen Manne muß sich der Reichbegüterte umsehen, wenn er bei seiner Stellung und mit seinen Mitteln für die Gesammtheit wirken will. München wird jedenfalls sein Hinscheiden sehr beklagen , so wie auch sein Verlust für alle Juden unseres Vaterlandes sehr groß wäre, wenn nicht seine beiden Söhne, besonders aber sein ältester Sohn, Joel von Hirsch, ihnen verblieben. Von den Tugenden dieses edlen Mannes zu sprechen ist.hier nicht der Ort, aber soviel kann man sagen, daß selten ein Reicher so viele Tugenden in sich vereinigt, und zu so vielen frohen Hoffnungen'berechtigt als Joel von Hirsch. Großherzogthum Baden. — Jeder Zug von fortschreitender Humanität gehört der Geschichte an, und was auch an und für sich klein und unbedeutend erscheint, enthält oft einen liefern Sinn und dient zum bessern Belege für die Macht des Lichtes als manche größere Thatsache, denen nicht immer die edleru Antriebe als Motive dienen. So möge es sich rechtfertigen, wenn wir hier einen Umstand berichten, dessen Werth nur derjenige gehörig würdigen kann, dem die alten Concilienbeschlüsse vorliegen.— Ja Randegg praklicirt nämlich jetzt eine sehr geschickte isr. Hebamme, welche seit einigen Jahren auch das Zutrauen mehrerer christlichen Familien genießt. Wie natürlich zu erwarten war, erregte dies die Eifersucht einer christlichen Gewerbsgenossin. Diese hoffte durch Vermittelung des Ortsgeistlichen zu bewirken, daß jener die Praxis bei christlichen Familien untersagt würde. Allein der Geistliche scheint sich nicht für befugt gehalten zu haben, in dieser Angelegenheit einzuschreiten, und zog es vor, sich an das Erzbischöfliche Ordinariat zu Freiburg zu wenden. Zu Gunsten eines zu erlangenden Verbotes führte er an, daß wohl auch Fälle Vorkommen könnten, in denen bei der Geburt eine Nothtaufe erforderlich sein dürfte, welche eine Israelitin nicht ertheilen kann. Das hochwürdige Ordinariat fand jedoch in diesem Bedenken keinen Grund, ein Verbot ergehen zu lassen, und erklärte sich dahin, baß wenn die israel. Hebamme in artistischer Hinsicht das Zutrauen besitze^ gegen ihre Praxis bei Christen kein Anstand zu erheben sei, indem im Fall einer Nolhtaufe eine bei der Geburt anwesende Christenfrau dieselbe vollziehen könne. — Oberschiesische Zustände.— Noch gar nicht, oder kaum so en passaut, haben Sie, geehrtester Herr Redakteur, in Ihren würdigen Annalen, Oberschlesien berührt, und fast könnte man darum den Argwohn zu hegen sich verleiten lassen, daß es allda, dem russisch-polnischen Grenzlande nahe, eben so düster als in dem armen Polen selbst — die Hauptstadt Warschau abgerechnet — aussehen möge. Sie werden daher diesem Referat die Aufnahme um so weniger versagen, als es vielleicht in so mancher Beziehung Ihren Lesern Interesse abgewinnen dürfte. So will ich denn die kirchlichen und religiös-sittlichen Zustände, wie das bürgerlich-practische Leben unserer oberschlesischen Brüder schildern. Wenn es schon nicht zu leugnen ist, daß im Allgemeinen noch ein Obscurantismus ganz eigener Art —insofern er mit dem religiösen Obskurantismus sehr wenig gemein hat, und während er einerseits hyperorthodox sich äußert, andererseits dünkelhaft in verderblichen Jndifferentismus ausartet, oder mit einem Worte, an der Inkonsequenz der Außenfrömmigkeit kränkelt — hier und da bald mehr bald weniger anzutreffen ist; so dürfte denn doch nicht in Abrede zu stellen sein, daß eben so allgemein und in mehreren Gemeinden besonders ein Hang und ein Streben sich kund giebt, dessen Ziel unbedingt ein besseres, so daß es nur einer geschickten Leitung bedürfte, um es wirklich realisirt zu sehen. Aber leider, d a ist man mit sich selbst nicht recht einig, was man

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