Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 15 (9.4.1841)
- Date
- 1841-04-09
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133890--1105-3135317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
117 keine Kunstpoesir, ohne Originalität, ohne Idee ic." Man vergleiche nun die Zeitschrift B!c. hait. und überzeuge sich, daß Erter damals nichts weiter herausgegeben hatte, als das eine bpWQ ^1X2, welches in Sprache und Inhalt alles, was jene Zeitschrift darbietet, an Geschmack und Vollendung übertrifft. Wenn nun Herr vr. D. S. 108 Jeitteles und Schlesinger als die bedeutender» Dichter dieser Gattung und Schule, den Erter aber als einen geringern aufführt, so hatHr. vr.D. offenbar sehr übereilt und aus Unkunde geurtheilt. Man kann sich dieß iticht anders erklären, als dadurch, daß der Kritiker, welcher auch das Buch □'Wlftltfiin 'D (S. 88) sehr lobt, während es ein wahres Muster des schlechten Ausdrucks ist, nur nach dem äußern Umfang der Schriften sein Urtheis gebildet hat, ohne den Inhalt gehörig'zu prüfen. Da aber von Erter nur die eine in Rede stehende Schrift damals vorhanden war, so ist klar, daß dessen Name nur auf diese hindeuten und das Urtheil über ihn nur diese Schrift treffen könne. O-s. Anm. d. H. — Auf den Schluß-Galimathias jener Erwiederung zu antworten, wird man uns gern erlassen. Wir werden stets mit der größten Unpartheilichkeit wissenschaftliche Fragen erörtern, unbekümmert um das Religionsbekenntniß eines Verfassers; wir wüßten auch nicht, wie fern ein Religionsbekenntniß vorzugsweise vor andern das Recht haben soll, unsre g a l l i z i s ch e n Correspondenten nach Hamburg oder Berlin zu setzen. Uebrigens berührt uns die Sache weiter nicht, und zu religiösen Controvcrsen mangelt uns die Muße und die Lust. I- Ungarn. — Herr Prof. Moritz Bloch in Pesth (s. Nr. 11) hat ein Circular an alle israelitischen Gemeinden des Landes ergehen lassen, um dieselben aufzufordern, gemeinschaftlich zur Errichtung eines israelitischen Seminars beizutragen. Dem Verdienste seine Kronen. Bayern. — Der unlängst zu München verstorbene, durch seinen großen Reichthum weithin bekannte Hofbanquier Iakob von Hirsch hat sich durch seine Legate und Vermächtnisse ein ehrendes Denkmal in den „israelitischen Annalen" gesetzt, das ihm denn auch in diesen errichtet werden möge. Er bestimmte nämlich in seinem Testamente: A. Stiftungen. fl. 24000 zu einer Stiftung für seine und seiner seligen Frau arme Verwandten, und es sollen die Zinsen daraus zu jährlichen Unterstützungen und zu Zuschüssen bei Etablirung oder Verheirathung von Kindern verwendet werden. fl. 2000 Für dessen arme Grundholden zu Gereuth, fl. 2000 Für dessen arme Grundholden zu Planegg. Aus den Zinsen dieser und der vorigen 2008 fl. sind die armen Grundholden namentlich zum Ankauf von Saamengetraide und Zugvieh zu unterstützen, fl. 2800 Zur Unterstützung armer Kinder und Iünglinge israelitischer Religion in Bayern, welche von den Eltern zur Landwirthschaft erzogen werden, oder sich derselben widmen. j fl. 2000 Für arme israelitische Gemeinden, um zur Erhal- ' tung guter Lehrer Beihülfe zu leisten. | fl. 2000 Um Beiträge zum Bau von Synagogen und Schuli Häusern in armen israel. Gemeinden des Königreichs Bayern zu leisten. fl. 2000 Zur Unterhaltung der Armen seines Geburtsortes Königshofen beiOchsenfurt in Unterfranken, ohne Unterschied der Confession, namentlich zur Anschaffung von Heitzungsmaterial im Winter, fl. 2000 Zur Erlheilung von Stipendien an arme Rabbinals-Candidaten in Bayern. Die sämmllichen obengenannten Kapitalien dürfen nie angegriffen werden. Die Stiftungen über diese fl. 38,000 sollen für ewige Zeiten den Namen Iakob von Hirsch'sche Stiftung tragen. B. Als Segate vermachte er: fl. a) dem allgemeinen Krankenhause zu München . 1000 d) dem Julius-Hospitale zu Würzb'urg .... 1000 o) dem Blinden-Jnstitute zu München .... 500 ä) Taubstummen Institute daielost ..... 500 s) den christlichen Armen daselbst. 500 t) den christlichen Armen in Würzburg. . . 50t» 8) den christlichen Armen in Königshofen . . . 201» h) der Kleinkinder-Bewahr-Anstalt zu München . 300 i) dem sogenannten allgem. Holzvcrein das. . . 100 k) dem israel. „Frommen-Verein" daselbst . . 100 l) dem Rabbiner daselbst. 100 m) dem israelitischen Lehrer in Königshofen . . 100 n) für arme Israeliten zu München und Würzburg in gleichen Theilen. 200 o) der israel. Cultusgemeinde zu München. . . 1000 P) den nächsten Anverwandten seiner Gattin zum ehrenden Andenken. 15500 q) seinen eigenen Anverwandten. 12000 r) seinem Dienstpersonale . 1800 fl. 35400 In Summa drei und siedenzig Tausend vier Hundert Gulden. Wir glauben diese Mittheilung nicht schließen zu dürfen, ohne auch zugleich von dem Leben dieses so wohlthärigen Mannes einige Notizen beizufügen. Jakob Hirsch war zu Königshofen, einem Städtchen in der Nähe Würzburgs im Jahr 1164 geboren. Anfangs zum Thalmudstudium von seinem Vater bestimmt, gab er dieses bald auf und widmete sich dem Geschäfte seines Vaters. Seine Erziehung war die nach derartiger Zeit unter Juden gewöhnliche. Natürlicher Verstand und Glück brachten ihn vorwärts, aber was ihn am meisten förderte, waren nicht diese beiden, sondern vorzüglich seine Offenheit und Redlichkeit. Diese Eigenschaften erwarben ihm das Vertrauen hoher Beamten, die ihm umfassende Geschäfte übertrugen, durch welche er zu großem Reichthum gelangte. Auf diesem lastet nicht der geringste Vorwurf, vielmehr nahm mit seinem Reichthum auch das Vertrauen und seine Ach-