Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 15 (9.4.1841)
- Date
- 1841-04-09
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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9 — 116 — rrwarmr, alsbald die Keime einer ganz veränderten Zukunft entfaltend, und in wenigen Jahren für alles Bessere empfänglich geworden. Schon finden sich einige Einheimische bereit, auf eine Regeneration kräftig hinzuwirken, und es brauchen nur noch aus Frankreich einige hinzuzutreten, um die Saat zu zeitigen. Herr Baude räth der Regierung, diesen Punkt geradezu im Interesse des französischen Staates im Auge zu behalten, und schlägt zu dem Ende vor, sofort ein Consiftorium zu errichten, und die innere Organisation so zu leiten, daß die übrige jüdische Bevölkerung Afrika's veranlaßt werden möge, sich gern unter den Schutz der Franzosen in die Residenzstadt zu ziehen, und sich nach europäischem Sinn auszubilden oder mindestens eine engere Beziehung mit denen der Regentschaft zu unterhalten, so daß daraus ungemeine Handelsvortheile für Frankreich entspringen müssen, während die weitverbreiteten Verbindungen der Israeliten in Afrika untereinander, zur Herstellung und Erhaltung des Friedens in diesem Lande beitragen werde. — Man darf nicht vergessen, daß hier von einem Lande die Rede ist, in welchem die ganze arabische Bevölkerung den Franzosen feindlich gegenüberfteht, und gewiß noch viele Jahre sich nur der Gewalt unterwirft. Aber darum will Herr Baude keineswegs die Israeliten als ein bloßes Staatsmittel angesehen haben, vielmehr verlangt er für sie die volle Gleichstellung mit den Franzosen, nur mit derjenigen Vorsicht, welche die politischen Interessen gebieten, um nicht den ganzen Zweck zu vereiteln. — Wir fügen noch einige statistische Notizen hinzu. Bei der Mangelhaftigkeit der Angaben muß man mit Wenigem sich begnügen. Die Seelenzahl betrug im Jahr 1839 in Algier 6065, Oran 3364, Bona 4SI, Bugia 10, Moftaganem 406, Conftantine3036. Nachrichten und Correspondenzen. Gallizien den 17. März. — Gegen meine kritischen Bemerkungen m Nr. 1 d. Jahres hat Herr vr. Delitzsch folgendes drucken lassen: Ein Wort über den Redakteur der israelitischen Annalen und seinen Correspondentcn. Oer gallizische Correspondent der israel. Annalen, unterzeichnet O—s, kündigt in der ersten Nummer des neuen Jahrgangs eine kleine Schrift Is. Erters an, und bemerkt, daß über die frühem Arbeiten dieses Schriftstellers bereits 3 Urtheile in Deutschland erschienen seien: „1) von Delitzsch, über die Abhandlung '»JTKO in der Geschichte der jüdischen Poesie (S. 109 Anm.), sehr übereilt und offenbar aus Unkunde tadelnd." Als ich dieses las, ward ich keineswegs unangenehm berührt; ich weiß nur zu gut, daß das erwähnte Buch, als ein durchaus jugendliches, seine Schwächen hat. Um mich zu überzeugen, schlug ich mein Buch nach, aber ich war erstaunt über die unerhörte Dreistigkeit jenes Ausfalls, als ich dort in einer alphabetischen Uebersicht der germanischen und germanisirenden Dichter nichts als den Namen Erters fand, kein Wort über bpW' kein spezielles Urthcil über diesen Schriftsteller, geschweige ein „übereiltes und offenbar aus Unkunde tadelndes Urthcil." Der Correspondent der Annalen dichtet also lügenhafter Weise einen angeblichen Fehler in mein Buch hinein, nur um ein Objekt seiner aller würdigen Haltung entbehrenden Tadelsucht zu haben. Ist das nicht die gemeinste Gemeinheit, gegen die man hinlänglich gekämpft hat, wenn ihr die Larve abgerissen ist? — Aber vr. Jost macht zu diesem auf Nichts gebaueten Nichts eine schulmeisterliche xrDDDX, bei der er sich wie der Alderman der jüdischen Literatur geberdet. Er spricht, auf mich (?) mit Fingern weisend, von „kleinlichen Mitteln, wodurch unerfahrene junge Männer oder die beleidigte Eitelkeit der Bcurtheilten die Wahrheit zu verdächtigen bemüht sind." Er sagt von sich und seines Gleichen: „Uns interessirt nur die Wissenschaft, nicht aber die Person." Daran knüpfe ich denn die herzliche Bitte, daß vr. Jost auch das erbärmliche Interesse, welches er an meiner Person nimmt, fahren lassen möge. Ich kenne jüdische Gelehrte, welche meine Arbeiten mit einer edlem Freimüthigkeit beurtheilen, als vr. Jost, der nun zum zweiten Male darauf ausgeht, meinen Charakter dem Pubikum zu verdächtigen, während er eine um die Person unbekümmerte Unpartheilichkeit heuchelt. Uebrigens bin ich ein Christ und erscheine nicht vor dem Forum einer kosmopolitischen Moral, die über ein Paar hohlen Begriffen den väterlichen Glauben verläugnet. „Dem Kenner genügen einige Andeutungen."- vr. Delitzsch. Unsre Leser wollen gefälligst in Nr. 1 Nachsehen, um zu erkennen, daß wir unsrerseits nur um die lügenhaften Insinuationen eines Anonymen und die durchaus ungegründeten Vermuthungen des, Herrn vr. Delitzsch abzuweisen, der Kritik noch eine Nota beifügten. Ton und Haltung der vorstehenden Erwiederung sind von der Art, daß sie uns jeder Bemerkung überheben. Sofern aber Herr vr. D. glaubt, es sei ihm Unrecht geschehen, halten wir es doch l für billig, unser Urthcil näher zu belegen; denn wir haben es nicht mit den Verfassern zu thun, sondern mit ihren Werken, welche der Welt angehören und welche dem Urtheile der Kenner unterliegen. Herr vr. Delitzsch schreibt in seinem Buche S. 105 ff. über die Dichter, welche mehr den deutschen Ideengang verrathen: „Ihre Gedanken sind trivial, ihre Bilder die bis zum Ekel wiederholten Favoritbilder der deutschen Schülers