Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 13 (26.3.1841)
- Date
- 1841-03-26
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Nachrichten und Correfpondenzen. London, 15. März. — Sir Moses Montefiore ist mit seinen Reisegefährten Hieselbst wohlbehalten angekommen. Er ward nicht bloß von allen Israeliten hiesigen Ortes freudig begrüßt, sondern fand auch eine unzählige Menge Briefe aus allen Theilen Europa's vor, welche ihm die vielseitigste Theilnahme an den Tag legen. Unter den Erzeugnissen der begeisterten Muse, welche seine Mission besang, verdient besonders bemerkt zu werden rfcnn Jeshurun’s Praise (Israels Danklied) a hebrew poein in houor of Sir Moses Moutefiore^ Kut F. R. 8. (Ritter, Mitglied der Kön. Gesellschaft (00 bis return from his nüssion to the east, translated into English and gernmn, eilt schönes hebräisches Gedicht, verfaßt von einem hochbelaglcn, noch jugendlich rüstigen Greise, mit englischer und deutscher Uebersetzung, erstere metrisch, letztere frei. *) — (Wir halten es für geeignet, hierbei auch des schönen hebräischen Gedichtes unter dem Titel rmr6 TiETE/ zu gedenken, welches Hr. L. H. Löwen stein hieselbst dem Gefeierten nebst seinem Buche Damascia übersandt hat. —) Am 9ten dieses, dem zweiten Tage des Purimfestes, ward eine gottesdienstliche Dankfeier in der portugiesischen Synagoge abgehalten. Gebete und Hymnen! waren eigends dazu, meist in italienischem. Styl, mit Akroftichen, verfaßt; Herr De Sola sprach eine angemessene! Rebe. Die Synagoge war nur gegen Eintrittskarten zugänglich, und bot ein glänzendes Auditorium dar. Männer und Frauen festlich geschmückt, alle tief gerührt von der I erhabenen Feier.! Am Sabbath den 13ten fanden auch in den deutschen Synagogen Dankgebete statt. Diese sind jedoch nur eine Eomposition aus Psalmen und andern herkömmlichen Liedern. Frankreich. — Herr Adolph Franck, Professor der Philosophie zu Paris, wird vom April an öffentliche Vorlesungen über Psychologie in der Sorbonne halten. Ungarn. — Der Bibelübcrsetzer Bloch ist von der Akademie der Wissenschaften zu Pesth einstimmig zum Mitglied ernannt worden, und wird in dieser Eigenschaft öffentliche Vorlesungen halten. Bereits hat er einen Cursus über Linguistik, eröffnet, welcher von einem sehr zahlreichen und zum Theil hochstehenden Auditorium besucht wird. Rheinpreust en. — Hier noch einige Ergänzungen zu den schon gegebenen Notizen über die diesseitigen Gemeinden. 1) Im Kreise Wandel wohnen etwa 500 Seelen, vertheilt auf die Gemeinden: Baumholder, Weierbach, Grum- *) Da einmal unter der Uebersetzung bemerkt ist, daß ein Gelehrter in Frankfurt sie verfaßt hat, so will der Herausgeber der Annalen sich wohl dazu bekennen, muß jedoch hinzufügen, daß dieselbe von ihm nur behufs einer treuen Grundlage zur englischen verlangt worden ist, daß er daher lediglich eine wortgetreue Uebertragung gab, die, wenn sie zum Abdrucken gewünscht worben wäre, wohl manche Veränderung erheischt hätte. bach, Offenbach, Hochwciler und andere. Mehrere standen früher unter den Rheingrafen zum Stein, welche in Grumdach ihren Sitz hatten. Ein Schutzbrief vom Jahr 1156 zeigt, daß man damals 15 fl. Schutzgelb zahlte, und mit Handschlag an Eidesstatt geloben mußte, sich ehrbar zu halten und den christlichen Bewohnern an Feiertagen nicht durch Gewerbsbetrieb ein Aergerniß zu geben. In geistlicher Beziehung wendeten sich die Juden gewöhnlich an den Rabbiner zu Kreuznach. Zur Zeit der französischen Occupation kamen sie unter das Consistorium zu Trier. 1815 wurden sie durch die neue Regierung von diesem wieder getrennt und schlossen sich dem Rabbinat zu Godenbach an. Seit dem Eintritt der preußischen Regierung gehören sie wieder zu Trier, von wo aus jedoch nichts für sie gethan wurde, indem der Rabbiner ohnehin umhätig, sich um diese entfernte Provinz gar nicht bekümmerte. Daher baben die zu Offen bach schon seit 1836 um die Erlaubniß nachj gesucht, einen eigenen Rabbiner anzustellen. Bis jetzt ist aber diese Sache noch nicht erletigt. Inzwischen feblr es hier keinesweges an Männern, die sich ernstlich bemühen, die traurigen Zustände zu verbess'rn, insbesondere erwirbt sich der Lehrer, Herr Benjamin Fels nthal, welcher der seit mehreren Jahren zu Offenbach errichteten Elementarunb Religionsschule mit vorzüglichem Eifer vorsteht, große Verdienste um die künftige Generation. Die dortige Gemeinde zählt 21 Familien. Aber auch die zu Hvchweiler hat seit mehreren Jahren für Unterricht gesorgt, obwohl die Schule noch nicht gesetzlich festgestellt ist und einer bessern Einrichtung entgegensieht. Die übrigen Gemeinden sind im Reltgionsunterrlchc nod) schlecht versorgt. — Hie und da betreiben einzelne bereits Ackerbau. Ich habe einen Vorsänger gesprochen, der seinen Äcker selbst bestellt. Hoffentlidt wird das mit der Zeit noch allgemeiner. Handwerker findet man selten. — Uebrigens sind alle Beamten in dieser Gegend von lebhaftem Eifer beseelt, das Beste dieser Gemeinden wahrzunehmen, und unterstützen alle guten Anregungen mit edler Humanität. Die Aussicht auf eine bessere Stellung derselben abseiten der Gesetzgebung sinder dort überall freundliche Theilnahme. 2) Kr. Ottweiler, bis 1777 durften hier und in Saarbrücken keine Juden wohnen. Für den täglichen Aufenthalt zahlt jeder 12 kr. ober für ein Jahr 2—4 Friedrichsd'or Leibzoll. Damals gestattete der humane Fürst Ludwig den Juden im Fürstenthum, mit Ausnahme is a a r b ü ck e n selbst, welches Privilegien hatte, keinen Juden zuzulassen, die Aufnahme. Der Magistrat von Ottweiler wollte dagegen ramonstriren, da aber auf dessen Reise zum Fürsten der Wagen umstürzte und einer der Herren ein Bein brach, nahm man dies für cir^Oinen und so unterblieb der Antrag. Ein mir vorliegender Lchutzbrief vom 1. Januar 1777 gestattet dem Inhaber freien Handel, jedoch Abschließung von Verträgen nur unter Aufsicht oder Bescheinigung der betreffenden Ortsbehörde; ferner den Gottesdienst nur privatim zu halten, jedod) für hohe Feierlichkellen jüdische Männer dis zur Zahl 10 aus der Nähe zum Gottesdienste einzuladen, ohne für diese Zeit Zoll zu entrichten; der Rabbiner hatte kein Sdjutzgeld zu zahlen. Audi hatten sie in allen innern Angelegenheiten Autonomie. Aehnlich waren die Verhältnisse in Illingen, wo die Gemeinde jedoch älter ist, deren Geschichte manches Intereyante dardictet. — Hier war der Sitz eines Rabbinen für das ganze freiberrliche Gebiet. Die Gemeinde zäblt 40 Familien und enthält die trefflichsten Elemente zu Verbesserungen. Sie haben eine sehr gut eingerichtete Gemeindeordnung, und eine öffentliche Elementar- und Religwnsschule unter dem Lcdrer Herrn Pfeffer. Cs sind hier nidjt weniger als 5 Wohlthätigkeitsvereine. —