Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 12 (19.3.1841)
- Date
- 1841-03-19
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133887--1080-3135289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
95 beledigen Auswahl gedient. Wir möchten fast glauben, daß die Herausgeber ohnehin besser thäten, sich auf eine Auswahl zu beschränken, da ja nicht alle Psalmen sich für den Kirchengesang eignen, und bei manchen die allzu große Länge und der Inhalt selbst Hindernisse darbieten, so daß sie nur durch vielfältige Abweichung von dem Plane dem Zwecke sich fügen könnten. Die Musik ist eingerichtet für 4 Männerstimmen, nämlich Sopran, Alt, Tenor und Baß, auch für zwei Männerstimmen, 2 Tenore und 2 Bässe mit einfallendem Chor; ferner für Begleitung jeder Art. Die Ausgleichung der Uebersetzungen mit dem Metrum des Originals bietet große Schwierigkeiten und berechtigt wie natürlich zu mancherlei metrischen Freiheiten, so weit solche dem Sinne nicht Eintrag thun. Die vorliegende Probe genügt den Ansprüchen der Kritik auch in dieser Hinsicht. Wir dürfen hinzusetzen, daß der Bearbeiter der Texte ein Mann von sehr ausgezeichneten Talenten ist, dessen linguistische Werke, vorzüglich die alten Klassiker betreffend, in Holland sehr geachtet sind, und von dessen vortrefflichen Leistungen wir selbst sprechende Beweise in Händen haben. Da seine Bescheidenheit uns das Vergnügen versagte, ihn namhaft zu machen, so möge wenigstens diese unsere Versicherung das aus der Probe gewiß schon erwachende Vertrauen auch im Auslande befestigen. D. H. Böhmen (Schluß). — Ich habe auch Gelegenheit gehabt, bei Rapaport manche der Kreisrabbinen kennen zu lernen, welche größtentheils Männer von Bildung sind, deren Amtsthätigkeit für die Zukunft nicht spurlos vorüber gehen wird. — R's. Hauptbeschäftigungen bilden die Vorträge, deren er seit seinem Antritte schon mehr als 12 gehalten hat. Ein großer Theil seiner Zeit wird indeß durch vielfältige Besuche in Anspruch genommen, und die verschiedensten Farben finden sich oft bei ihm zusammen, Conservative, Radicale, Hyperorthodoxe, Gemäßigte, Juristen, Aerzte; denn Alles steht hier noch in engerer Verbindung. Selbst ein Arzt, der jüngst mit einem hohen Orden decorirt worden, besucht ihn öfters, und interessirt sich gleich vielen Andern um das Wohl der Gemeinde. Solch ein Eifer ist wohlthuend. Jüngst wollte Landau sein Vorsteheramt, welches er nun schon eine lange Reihe von Jahren führt, niederlegen, allein man erhöhete seinen Gehalt und bestimmte ihn zu bleiben. Der Gubernialrath umarmte ihn öffentlich vor der Versammlung. In der Thal verdient er die allgemeine Achtung durch die unermüdliche Thätigkeit, welche er seinem Amte widmet. — R. trägt den jungen Studirenden — welche alle zugleich die Universität besuchen, dreimal wöchentlich den Thalmud und Zubehör vor; viele Hausväter finden sich dabei mit ein, und jedes Wort wird mit Begierde aufgefaßt. Wenn dem R. öffentlich zum Vorwurfe gemacht worden, daß er das neue Bethaus lange nicht besuchte, geschieht es mit Unrecht; denn ks hat andere Gründe, als angeblicher Obscurantismus, wie hier jedermann weiß. Die Verhältnisse gestalten sich für ihn immer günstiger, und selbst sein Hauptgegner, der Rabbiner S. Fr., ist jetzt mit ihm, wenigstens äußerlich, völlig ausgesöhnt. — R's. literarische Arbeiten haben ihren Fortgang. Die wichtigste Erscheinung wird ein höchst merkwürdiges Schreiben über den verstorbenen Nachman Krochmal im 6ten Bande des Kerem Chemed darbieten, der unter der Presse ist.-Ich freue mich wirklich, daß Herr Dr. Jost den letzten Band dieser Sammlung so ausführlich recensirt hat, es muß einmal alles öffentlich und gründlich besprochen werden, wenn ich auch etwas mehr Unparthcilichkeit, entschuldigen Sie den Ausdruck, von ihm verlangen könnte; aber die Menschen sind doch keine Engel. *)- Uedrigens erscheint hier gegenwärtig noch eine interessante Schrift von S. D. Luzzato, eine Sammlung denkwürdiger Grabschriften, unter dem Titel p-OT 'ODN*- — Noch verdient bemerkt zu werden, daß Gescnius jüngst Rapaport besucht hat, und dieser ihm versprechen mußte, ihm zur neuen Auslage seiner Geschichte der hebräischen Sprache mehrere Biographien zu liefern. Auf jeden Fall wird die Beziehung, in welche diese beiden Männer getreten sind, für die Wissenschaft Früchte tragen. Berlin. — Der schon erwähnte Culturverein wird bald seine Statuten der Oeffentlichkeit übergeben, und seine Wirksamkeit wahrscheinlich mit einer zu stellenden Preisaufgabe beginnen.' — Der Vorstand desselben besteht aus folgenden Mitgliedern: Dr. Zunz (Director); Dr. Stern (Protokollführer): L. Lesser (Secretär); Kommerzienrath I. W. Meyer (Kassirer); Buchhändler C. Hey mann (Kassencontrolleur); A. Reben stein (Bibliothekar), und aus folgenden Assessoren: Dr. Auerbach, Dr. Bruck (dem eigentlichen Gründer des Vereins), Ph. Hellborn, Dr. Joel, I. Lehmann, I. Muhr, Dr. Rubo, Dr. Steinthal und Dr. M. Veit, sämmtlich Männer von auch sonst bereits bewährten Wirkungskreisen, so daß sich allerdings von ihrer gemeinsamen Thätigkeit vorzüglich Gutes erwarten läßt. Württemberg. — In Folge des im Jahr 1836 verabschiedeten allgemeinen Schulgesetzes sind nun wirklich viele bisher provisorisch bestandenen israelitischen Elementarschulen, da die israelitische Familienzahl des Ortes weniger als 60 betrug, aufgehoben, und die israelitischen Kinder verpflichtet, resp. berechtigt worden, die christlichen Ortsschulen zu besuchen. (Es versteht sich übrigens bei uns von selbst, daß für den geordneten Religions-Unterricht *) Diesen Passus habe ich absichtlich mit abdrucken lassen, weil ich daraus sehe, daß Mancher in meiner Beurtheilung Partheiisches wahrnimmt. Ohne aber im Mindesten auf Engelsnatur Anspruch zu machen, bitte ich doch jeden Sachkenner, die Beurtheilungen durchzulesen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß dort alles rein objectiv dargestellt ist, und fast kein Anlaß zur Parteilichkeit sich findet. — Sollte aber dennoch ein der-! artiges Urtheil sich eingeschlichen haben, so wolle man j mir es Nachweisen, und ich bin gern bereit, enrgegenstehende Ansichten zu veröffentlichen. I. .