Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 11 (12.3.1841)
- Date
- 1841-03-12
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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auf dieselbe bezüglicher Bibelverse; dann folgt ein kurzer nnt'i in hebräischer Sprache und ein längeres Lob Gottes (nb1? arabisch; hierauf wird, nach Angabe der Unterabtheilung und der Verszahl des Wochcnabschnittes, derselbe nebst seiner« Commentar durch die ersten Worte eingeführt. Das Ganze schließt ein hebräisches Gebet für die Ruhe Mosis und der andern Propheten, und ein Psalm. Das Zeitalter des Verfassers läßt sich aus dem folgenden Artikel beiläufig bestimmen. 3) Compcndium eines Sepher Mißwoth in 12 Abschnitten. Anfang und Ende fehlen, und mit ihnen der Name des Verfassers; aber es ergiebt sich aus mehreren Stellen des Compendiums, daß der Verfasser des größeren Werkes, aus welchem uns hier ein Auszug vorliegt, R. Samuel hieß. Im 7ten Abschnitt, Cap. 9 wird desselben Verfassers 1^X22^ (Commentar in Fragen und Antworten) angeführt; er ist also kein Anderer als der Arzt R. Samuel Al Maghrebi, Verfasser der Mokaddanisith. Der Compendiator, welcher im Jahre 5322 (1562) schrieb, nennt den R. Samuel seinen Lehrer; dieser mochte also in der ersten Hälfte des 16ten Jahrhunderts geblüht haben. Doch stimmt dies nicht ganz mit den in Geigers Zeitschrift Hl. 442 unter Nr. 2 angegebenen Jahreszahlen, wenn anders der dort erwähnte Samuel Das an der Westländcr mit unserem Sam. Al maghrebi identisch ist. Es soll ja aber jener (wie dort unter Nr. 6 gesagt wird) ein Sohn des Israel Dajan gewesen sein, und der Vater unseres Samuel hieß Mose b. Je sch u ah. — 4) "VnD Ritual des Magisters Fadhel, ein aus zwei Abtheilungen bestehendes Handbuch. Die erste könnte man mit unserem cpt; mitf vergleichen; Fadhel giebt hier die unentbehrlichsten Ritualgesetzc, nach älteren Quellen, um, wie er sagt, dem Vorwurfe der Rabbaniten zu begegnen, als hätten die Karäer keine bestimmte Ritualien und Gebelordnungen, und wäre alles der Willkühr Preis gegeben. In der zweiten Abtheilung werden einige schwierigere Gegenstände behandelt, wie z. B. die Lehre von der Einheit Gottes, die Opfer und ihre Eintheilungu. s. w. Auch wird hier eine kurze hebräische Grammatik gegeben, und die Traditionskette dis auf An an nach Japhet b. Zair mitgelheilt. Fadhel lebte in Kahira; denn in den vom ihm gegebenen Contrakts-Formularen heißt es immer rnriN'p^N TJJ3 rotsno "in: bv "wa onso MLb n3i£2n (Zoan ist hier das am Nil liegende M i ß r oder Alt-Kahira, vormals Fostat genannt. So übersetzt auch Japhet 4. Mos. 13, 22 durch EN'222)- Ich glaubte auch die Zeit, in welcher Fadhel lebte, durch jene Formulare bestimmen zu können, denn es heißt darin wbw 'n "p) “p) rnS‘D also nach 1540, oder noch bestimmter zwischen 1589 und 1610, denn es wird hinzugefügt nw "idd^ -pi -pi mNo pB’m n:w doch läßt mich eben dieser Zusatz vermuthen, daß ein Abschreiber die Zahlen geändert hat, da da das Jahr 1900*) der Seluciden im Herbst 1588 beginnt, und Fadhels Siddur schon in dem öden genannten, im Jahre 1562 geschriebenen Compendium mehrmals citirt wird. Es bedarf also' dieser Punkt noch einer nähern Untersuchung. — (Schluß folgt.) Will na. — Dem Vernehmen nach hat das Kaiser!. Ministerium nun die Gründung vieler Schulen aller Arten beschlossen, und sehen wir einer völlig neuen Epoche entgegen. **) *) Einmal steht niN‘2 im Widerspruche mit dem angegebenen Jahrhundert der Schöpfung. Sollte hier etwa der Abschreiber zu ändern vergessen haben, und 600 die von Fadhel geschriebene Zahl sein? M. **) Der Redaktion sind aus St. Peterburg direkte Nachrichten zugegangen, und wir hoffen bald zur Freude aller, die das Gute wollen, ein mehres darüber veröffentlichen zu dürfen. Böhmen. — Zustände in Prag. (Aus einem Privatbriefe eines Polen vom Ende Januar.) Sehr vieles ließe sich über die Gemeinde dieser Stadt, eine der ältesten bemerken. Hier einige Notizen, die nicht uninteressant sein dürften. Man findet in dieser Gemeinde alle Schattirungen und Nüancen des jüdischen Lebens, vom 14ten Jahrhundert herab bis auf die neuern Gestaltungen. Hier erblickt man noch die alten Morenu mit ihrem mönchischen Anzuge und dem 3eckigen Hute, dahingeschiedene Zeiten repräsentirend; ihnen ist, wie Rap. in einem Vortrage bemerkte, der Staub des Mittelalters lieber als die lebendige Gegenwart mit ihrem Reichthum an Wissenschaft. Wie wahr dies ist, bezeugt die grauenhafte, sogenannte Allneu sch ule (eine uralte Synagoge in golhischem Style, man glaubt im Ilten Jahrhundert erbaut, I.) ein düsterer Raum, unheimlich, eher eine Geisterhöle als ein Gotteshaus zu nennen; *) die Wände kohlschwarz von 800jährigem, nie abgekehrten Staube, den man nicht antastet, weil angeblich Namen Gottes auf die Wände geschrieben sind; die Fenster schmal, auch deren zu wenige, um selbst am Tage Licht genug zu gewähren, ein Zeichen, wie wenig man das Licht in der Synagoge liebte, oder wie wenig man ihnen auch nur das Tagesltcht gegönnt hat. Diese ist nun noch immer die Hauptsynagoge, und ihr Vorrang wird noch so allgemein zuzestanden, baß am Versöhnungstage am Schluß des Gottesdienstes in keiner andern geblasen werden darf, bevor es hier geschehen ist, daher um die Zeit aus allen anderen in der Nähe dieser Synagoge Boten stehen, um den Schall der Posaunen zu vernehmen, und die Nachricht, daß man bereits geblasen habe, schnell zu verbreiten! — In derselben Synagoge ist von dem Freudenfeste bis zum Chanuca eine Fahne aufgesteckt, von welcher man aver- I lei Mährchen erzählt. — Außer dieser Synagoge sind noch j 6 andere. I Deutsche Predigten läßt man sich schon gefallen, wenn sich jemand findet, der predigen will. Obwohl die Leute zum Theil orthodoxer sind als in Polen, so haben sie doch das voraus, daß sie die Wissenschaft nicht mehr als Ketzerei betrachten, und wenn einer nur streng religiös lebt, so haben sie nichts dagegen, wenn er auch auswärtige Kenntnisse besitzt! 1>r. Sachs ist von allen Partheien geliebt und hochgeachtet. Ich bin nicht wenig froh darüber, daß ich in Prag diesen ausgezeichneten Mann kennen gelernt habe. Seine Persönlichkeit hat mich mit den deutschen Doktoren ausgesöhnt; bewundert aber habe ich im höchsten Grade sein Rednertalent, das sich im freien Vortrage, mit Feuer und Kraft, so ohne alle Affectation und Schauspielerei, wie solche in Leipzig öfters bemerkt worden, in so herzlichem Ergüsse entfaltet, daß alle Zuhörer hingerissen wurden. Da ist es kein Wunder, daß es ihm gelang, den vor seiner Ankunft fast ganz zerfallenen Tempelverein wieder zu sammeln und zu befestigen. Ja, die frommsten Leute gehen jetzt in das Bethaus um ihn zu hören, und tragen zur Erhaltung des noch jungen Institutes bei. Ich hörte ihn am Sabbath Vajigaseh und bin noch entzückt davon. Er hält jetzt jungen Leuten Vorträge über die Psalmen, die er kritisch beleuchtet; er beginnt auch die Erläuterung des maimonidischen Moreh. Er übersetzt gegenwärtig den Philo und wird ihn mit Anmerkungen begleitet, wobei auch von Rapaport eine Abhandlung über die Essäer, erscheinen lassen. Ich bin überzeugt,! daß die Prager Gemeinde unter der Leitung und Obhut solcher Männer, wie die genannten, die auch mit einander sehr gut stehen und nach einem Ziele streben, ein Muster für ganz Deutschland werden wird. Bei allem Obscurantismus ist der allgemeine Fortschritt bereits sichtbar, und hier erkennt man erst recht den Krebsschaden der bei uns herr- *) Dies ist nicht übertrieben. Ich selbst habe den Gottesdienst daselbst am Tage der Zerstörung Jerusalems besucht, und kann nicht ausdrücken, welch schmerzliches Gefühl sich meiner in diesem finstern traurigen Raum bemächtigte, das die Art der Feier noch verstärkte. Ein jammervolles Bild der Zerstörung Jerusalems, des irdischen wie des himmlischen! I.