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Israelitische Annalen · 1841-03-12 · Heft 11 (12.3.1841) · p. Seite 88

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 11 (12.3.1841)
Date
1841-03-12
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 schenden Pietisterei, die den ganzen Mittelstand in Fesseln hält. Eben jetzt will der Sohn des Synagogcndicners der Allneuschule, ein sehr gelehrter junger Mann, als Dr. philos. promoviren; was wird in unsrer Heimath aus dem Sohn eines Synagogendieners? Ein roher Chassid. Auch hier stehen die Partheicn schroff einander gegenüber und viele beobachten die abenteuerlichsten Gebräuche mit frommer Strenge, aber doch ist man versöhnlicher, und die Zugend genießt durchweg eine gute Erziehung. Die Wohllhätigkeit, welche hier herrscht, ist kaum zu schildern. Es war mir eine wahrhaft erfreuliche Erscheinung, daß die Reichen aller Farben zum allgemeinen Besten gern beitragen. So bestehen denn hier 40 Brüderschaften, welche sehr viel Gutes wirken. In der Thal muß man diese Einrichtung mildthätiger Vereine in ganz Deutschland als die trefflichste Nachlassenschast unsrer Väter ansehen, die noch dazu sich immer mehr nach dem Geiste der Zeit umbildet; während bei uns keine Spur mehr von solchen Znlstitmen vorhanden ist. Sollten dort dergleichen nie gewesen sein? Warum denn gerade in Deutschland? (und England, Frankreich, Italien, Türkei re.? I.). — Die Beerdigungsgesellsckaft besteht aus 000 Mitgliedern; sie bezweckt eine ehrenhafte Bestattung auch der Aermsten, denen mindestens 2 Wagen zur Begleitung mitgegebcn werden. Zch sah einen solchen Conduct eines Reichen, ohne Pomp, aber wohlthuend durch Ordnung und Anstand. *) Sic werden erstaunen, zu vernehmen, daß selbst Herr Leopold Jerusalem, welcher unlängst mit einem Besuche von Sr. K. H. d. Erzhz. Franz Carl beehrt worden, und mit dem Oberst Burggrafen Director des Zndustrie-Vereins für Böhmen ist, sehr oft zur Leichenwaschung eines Armen persönlich hingeht, weil es die Statuten so vorschreiben. Eben so viele andere sonst ganz indifferente reiche Leute. (Schluß folgt.) Morgenland. — Zm Magazin für Literatur des Auslandes 1640, Nr. 135 schreibt ein französischer Beamter der Gesandtschaft aus Persien folgendes: Zn Ham ad an sind die Juden sehr zahlreich, wahrscheinlich weil Esther und Mordechai hier begraben sein sollen. Mitten unter den Ruinen eines Stadtviertels, das man ihnen eingcräumt hat (wer? und wann? Denn schon Benjamin von Tudela redet von 50,000, so wie von dem Grabe Mordechai's und Esthcr's vor einer Synagoge) befindet sich das Monument, welches über der Ruhestätte beider errichtet worden ist. Die Kuppel und der innere Raum sind ganz im Muselmanischen Style und den Monumenten der großen Zmame sehr ähnlich. Man tritt durch eine sehr niedrige Thür, die ein steinerner Flügel aus einem Stück verschließt, in ein kleines dunkeles Gemach mit vielen Lampen, die an hohen Festtagen angezündet werden; aus diesem Gemache gelangt man durch eine andere, noch niedrigere Thür, auf den Knieen rutschend, in ein zweites nur wenig größeres und helleres, das zwei Sarkophage aus schwarzem geschnitzten Holze beherbergt. Beide sind einander sehr ähnlich, nur der der Esther etwas kürzer. An den Wänden sahen wir mehre hebräische Inschriften (Schabe, daß man diese nicht copirt hat, und es wäre zu wünschen, daß es noch geschehe.) Ueber der Kuppel befindet sich ein Storchnest, das schon Morier vor 30 Jahren hier bemerkte. Jedes Jahr wird dies Heiligthum von jüdischen Pilgern aus dem ganzen (?) Orient besucht. Welche Verkettung von Ereignissen (setzt der Schreiber hinzu) mag aber die Königin von Susa,'die Gemahlin des Ahasverus, bestimmt haben, sich in Ckbatana (Hamadan) begraben zu lassen? Darüber ertheilcn die Rabbinen keine Auskunft. — Wir sind schon oft in dem Fall gewesen, die Berichte der Reisenden für sehr unvdllständig zu halten. Bei dem obigen scheint wohl so viel wahr zu sein, daß die dortigen Juden die Sache glauben. Auch ist das Bedenken des *) Ein Lob, das man, ähnlichen Feierlichkeiten mancher in der Bildung viel höher stehenden Gemeinde leider noch nicht ertheilen kann. Schreibers nicht sonderlich wichtig. Es ist ja nicht bewiesen,-daß Esther dis an ihren Tod Königin war, und vielleicht zog sie als Wittwe sich mit ihrem Oheim nach Ekbatana zurück. Schwieriger ist der Umstand, daß Juden sollten ein bedecktes Mausoleum gebaut haben, oder wenn sie es vorfanden, daß man nicht weiß, wie sie dazu gekommen seien. Benjamin redet von keinem derartigen Baue. Anzeige. Israelitische Festgebete oder Synagogal-Gebete (Machsor) der drei Feste: (Polnischer Ritus) Sueoth (Laubhütten), Pesach (Passah) und Schebuoth (Woche n). Mit einer neuen hochdeutschen Uebersetzung zunächst für Frauen. Von vr. I. Heinemann in Berlin. 3 Bände. Preis für jeden Band einzeln: auf Druckpapier Rthlr. 1%, auf Schreibpap. Rthlr. 2, alle 3 Bände zusammen auf Druckpap. Rthlr. 4, auf Schreibpap. Rthlr. 5, auf feinem Velinpapier Rthlr. 0l/2. Seit den frühesten Zeiten hat es Uebersetzungen des s. g. Machsor gegeben; diese sind in neuerer Zeit — als die Kenntniß der rein deutschen Sprache unter den Israeliten allgemeiner wurde — in soweit verbessert worden, als man an die Stelle der veralteten Ausdrücke und der grammatischfehlerhaften Construktionen bessere und richtigere wählte. Alle aber, von der Heidenheimischen an bis aus die neuesten Ausgaben, haben den Zweck der Bearbeitung durchaus verfehlt; denn, erstens haben sie die. Hauptgebete (die s. g. alltäglichen) ganz unüdersetzt gelassen, und die Hebräisch- Unkundigen, insbesondere die Frauen, vermissen den wesentlichen Theil des Machsor in deutscher Uebertragung — wenn sie sich hierzu nicht andrer Eremplare der übersetzten Gebetbücher bedienen wollen, was aber große Unbequemlichkeit hat,'da man die einzelnen Stücke, wo sie im Machsor Vorkommen, erst aufsuchen und zuiammenlragen muß. — Zweitens haben sie die s. g. Pijutim fast wörtlich übersetzt, da doch diese in den Festgebeten durchaus nur frei übertragen werben dürfen, wenn sie verständlich sein und den Charakter der Erbauung an sich tragen sollen. Heidenheim halte vieles ganz unüdersetzt gelassen, konnte sich indessen von der alten Manier aus guten Gründen nicht losmachen, daher alle wirklich übersetzten Stücke dem Kenner mißfallen und den Unkundigen ohne Kenntniß von der Tendenz lassen. Was nützt eine solche Arbeit? Für wen ist sie bestimmt? Da ich in dieser Beziehung auf meine Vorrede zum ersten Bande (Sueoth) verweise, so bedarf es hier keiner ausführlichem Erörterung. Unpartheiische Sachkenner haben sich darüber ausgesprochen, daß mein Bemühen nicht fruchtlos, bleiben könne, daß namentlich den Frauen ein großer Dienst in dieser Bearbeitung geschehen sei. Dr. I. Heinemann. Den Vertrieb der vorstehenden Festgebete, die ich in jeder Beziehung empfehlen kann, habe ich übernommen, und können solche zu den oben angegebenen Preisen durch jede Buchhandlung bezogen werden. Privatpersonen, welche bei ' dem Herrn Verfasser subscribirt haben, werben ihre Eremplare durch diesen erhalten. Es ist die Einrichtung getroffen, daß bei zeitiger Bestellung jeder Band noch vor dem Eintritt des betreffenden Festes in die Hände der geehrten Abnehmer kommen kann, weshalb man damit nicht säumen wolle. Berlin, im Februar 1841. Carl Heymann. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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