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Israelitische Annalen · 1841-03-12 · Heft 11 (12.3.1841) · p. Seite 83

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 11 (12.3.1841)
Date
1841-03-12
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 noch vorhandenen Spuren des abergläubigen Mittelalters zu vertilgen suchen, daß wieder rein scheinen die Träger des göttlichen Worts? — Scheint auch manchem dieser Gegenstand in der gegenwärtigen Richtung der Zeit, die Fragen von größerem Belang zum Vorwurfe ihres reformistischen Treibens erkor, kleinlich und unerheblich, so verdient dennoch ein im Prinzip so verdorbenes System, das wie eine Giftpflanze Garten des Herrn schon so lange fortwuchert, ausgegätet zu werden. (Nachtrag.) Der Vers, des 8ev!rer Chassidim schreibt § 162 ff. „wenn du nachfolgendes liest oder so manches in diesem Buche findest, das dir nicht wie Worte der Gott ergebenen Frommen, sondern wie heidnischer Aberglaube scheinen mag, so gieb diesem Gedanken keinen Raum, denn dieses Buch heißt das Buch der Frommen, und wie der Titel so der ganze Inhalt. Gott beurkundet und vorbedeutet alle Zufälle und Ereignisse der Menschen an deren Gliedern, an denen die täglichen Begebenheiten wahrzunehmen sind.Jucken an den Füßen ohne äußere Ursache bedeutet eine Reise; Sausen in den Ohren eine zu erfahrende Neuigkeit; Kitzeln in den Händen, ungewöhnliche Verdienste rc.; und wer erzeugt , dieses Alles, wenn nichts Gott?" — Diese höchst unwürdige Lehre leitet der Verf. aus einer Stelle in der heiligen Schrift ab (Hiob 31, 3.) Aber trotz obiger Bevorwonung ist die Begründung dieser Vorbedeutungen eher unter den alten Aberglauben als in der heiligen Schrift zu finden. (Vgl. Abergl. der Deutschen 2 bei Grimm). Uebrigens huldigt der Verf. sonst keineswegs abergläubischen Gebrauchen, beklagt vielmehr tz 59, daß seine Zeitgenossen ganz gegen das mosaische Gesetz der heidnischen Zeichendeuterei anhingen; z. B. Sonnabends keine Eier zu essen; im Hause eines Kranken oder einer Wöchnerin nicht zweimal Feuer zu holen; aus der Flamme der Kohle die Ankunft eines Gastes und wenn solche durch's Wasser erlischt, dessen Ertrankung zu deuten (siehe Grimm a. a.O.) — Das in den Hexengeschichten so häufig vorkommcnde Neftelknüpfen findet sich inJerus. Sanhedrin und am Ende; im Paraphraft. Jon. B. Usiel zu veut. 24, 6, 8epker Chassidim 5, 2. Das Verfahren dieses Zaubers findet sich in Grimms Aberglauben der Deutschen auf folgende Weise erzählt: „Sind Hexen bei der Trauung eines Ehepaares zugegen, so kappen sie, während der Segen gesprochen wird, ein Schloß zu und werfen es in's Wasser; das heißt Neftelknüpfen; so lange das Schloß nicht wieder gefunden und eröffnet wird, sind die Eheleute untüchtig." Vergl. Nischmath Chajim Abschnitt 18. K a h i r a. Bemerkungen von S. Munk in Paris. (Schluß.) In dem, was der Beobachter über die Karaiten berichtet, ist kein Wort richtig; ausgenommen die Bemerkung, daß sie am Sabbath weder Feuer noch Licht brennen (lassen), und daß man kein Beispiel hat von Ehen zwischen arabischen (soll heißen: rabbinischen) und karaitischen Juden. Um dies zu wissen, brauchen wir nicht erst nach Kahira zu wandern; wohl aber um die Zahl der dort befindlichen Karaiten richtig angebcn zu können." Aber auch in dieser Beziehung war der Beobachter unaufmerksam; die Zahl der Karaiten wird in Kahira nicht auf 600, sondern nur auf etwa 100 Seelen angegeben, und von der Richtigkeit dieser Angabe konnte ich mich selbst überzeugen, da ich am Versöhnungstage (welchen die Karäer zu Kahira, gleichsam als wollten sie dem Beobachter einen Streich spielen, dieses Jahr zugleich mit den Rabbaniten am 7. October feierten) in der einzigen Karäersynagoge nickt mehr als 20 bis 25 Personen männlichen Geschlechts versammelt fand. Ein eigenes Quartier bewohnen sie auch nicht, sondern nur den elendesten Winkel des erbärmlichen Judenguartiers. Ihre Neumonde bestimmen sie noch immer nach den Phasen (n\snn 'S bp), und dies oft gegen alle astronomische Evidenz, wovon ich selbst, während meines Aufenthaltes in Kahira ein schlagendes Beispiel hatte. Die Karäer feierten nämlich provisorisch das Fest des 1. T i sch ri, 5601, am Sonntag den 27. September; da sie aber Abends bei angestellter Beobachtung den Neumond nicht gewahr wurden, so feierten sie das Fest von Neuem am Montag den 28sten, obgleich der Moled schon am 26. Nachmittag Statt gefunden hatte, und der 27. offenbar der eigentliche Ite Tischri war, welcher bei den Rabbaniten nur wegen der Regel m ab auf den 28ten verlegt wurde. Im mohamedanischen 11*

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