Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 10 (5.3.1841)
- Date
- 1841-03-05
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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im Gesang höchst wünschenswerth finden, denn das ist gewiß die schwache Seite unsers Gottesdienstes. Jedenfalls muß über diese Angelegenheit eine Beruhigung gegeben werden, wenn auswärts fich ein festes Vertrauen begründen soll. Wie schwierig es auch sein möge, in dieser Hinsicht durch Erklärungen alle Welt ^befriedigen, so verlangt die Idee eines jüdischeWSeminars für Lehrer und besonders zur weitern Ausbildung für Prediger und Rabbinen die Aufstellung fester Prinzipien, damit jeder Jüngling und jeder Committent im Voraus wisse, welche Richtung cingeschlagcn wird. Eine völlige Gleichgültigkeit abseiren des Seminars oder eine Enthaltung von jeder Einmischung in das formell-religiöse Verhalten des Seminaristen würde den ganzen Zweck des Seminars vereiteln; die Schüler selbst würden demselben abwendig werden, und alles! Zutrauen verscherzen, selbst wenn sie voller Gelehr- > samkeit zurückkommen. Endlich wird eine Bestimmung erforderlich, durch welche dem Uebelstande vorgebeugt wird, daß die Seminaristen etwa viel P^Mtunden in Familien geben, oder sich des ErwcWRvegen manchen von der Hauptsache abziehenden Beschäftigungen überlassen, wozu in Berlin die Gelegenheit sehr günstig ist, und dessen Nachtheile oft erst zu spät bemerkt werden. Es mag dreist erscheinen, daß wir uns erlau- > ben, so frühzeitig einige Andeutungen zu geben; allein das lebhafte Interesse an der Anstalt, wie am Erziehungsfache überhaupt, muß das entschuldigen. Manches sieht man aus der Ferne besser als in der Nähe, und auf keinen Fall schadet cs, einzelne Punkte von besonderer Erheblichkeit scharf! in's Auge zu fassen, und in verschiedenem Lichre darzustellen. Die Praxis findet dann das Richtigere desto leichter heraus. — Werden diese Bemerkungen freundlich ausgenommen, so finden wir wohl noch außerdem Veranlassung, einige Beobachtungen mitj zutheilen. i Nachrichten und Correspondenzen. Paris, 14. Februar 1841. — (Schreiben des Herrn Munk.) Meine Manuscripte sind endlich angekommen, und ich mache mir ein Vergnügen daraus, Ihrem Wunsche gemäß, etwas Näheres über dieselben mitzutheilen. Die karaitischen Schriften sind, mit Ausnahme der Gebete, sämmtlich in arabischer Sprache abgefaßt. Den größeren Theil bilden die Vibelcommentare des Iapheth ben Ali, von denen ich aber nur einzelne Thcile aufgefunden habe. Diese enthalten vom Pentateuch die Genesis und mehrere Abschnitte des 2ten, 3ten und 4ten Buchs, zusammen 3 sehr starke Octavbändc, und zwei mäßige Folianten; ferner die Psalmen in 4 Ouartbänden, die Sprüchwörter in 1 Bd. und die fünf Megilloth. Dem Commentar, welcher sehr weitschweifig ist, gebt immer der hebräische TM Liebst arabischer Uebersetzung voran; die Erklärungen sind meistens dogmatisch, oft verliert sich der Verfasser in polemische Abschweifungen, doch kommen hie und da gute sprachliche Bemerkungen vor. Ich gedenke später eine ausführlichere Beschreibung dieser Commentare zu geben, und zwar an einem Orte, wo sich arabische Citate beibringen lassen; doch will ich Ihnen einige interessante Ergebnisse nicht vorenthalten, welche die jüdische Literaturgeschichte um manche Data bereichern. Iapheth ben Ali, dessen vollständiger arabischer Name Abu-Ali Haßan ben-Ali Al-Baßri*) lautet, blühcte im zehnten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung, war also ein Zeitgenosse des Saadia, den er überlebte, und nicht, wie man irrig behauptet hat, der Lehrer des Ibn-Esra. Ob er aus Baßra gebürtig war, oder den Zunamen Alb aßri von seinem Vorfahren geerbt, kann ich nicht entscheiden; doch lebte er ohne Zweifel in Palästina, und zwar in Jerusalem, mit dessen Topographie er sehr vertraut ist. Ueber sein Zeitalter kann kein Zweifel obwalten; schon in seiner scharfen, oft sehr geistreichen Polemik gegen Alfajjumi oder (wie er ihn gewöhnlich nennt) den DN‘"i, erkennt man deutlich einen Zeitgenossen, aber in dem Commentar zu den Klageliedern (3, 6) sagt er ausdrücklich, es seien von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf seine Zeit 885 Jahre verflossen, und in den Psalmen zählt er 16 Jahrhunderte seit dem assyrischen Eril (-n&'N rrfe)- Es gab zu seiner Zeit schon zahlreiche karäische Commentare über die Schrift; er führt deren oft eine lange Reihe hinter einander an, jedoch ohne deren Verfasser zu nennen, und nur mit den Worten: „ein anderer Ausleger sagt" (-vjs* ^0*9 oder „ein Anderer sagt" (-£k\‘ ^pi). Auch Grammatiker | werden unter der Benennung pupl^S* ^“iN* erwähnt. Nur wenige karäische Schriftsteller werden namhaft eitirr, und zwar An an, von welchem ein nlSD "©□ und ein anderes Buch unter dem Titel “dHd (Summa) angeführt werden, beide, wie sich aus den Citaten ergiebt, I int thalmudisch-aramäischen Dialekte geschrieben; ferner die j nicht minder bekannten Alkerkeßani CüX2p"ip^dr) und j Benjamin Alnehawendi CH^Nn^N* pC^Z)* sDes! letzteren Name wird durch einen weit verbreiteten Schreibfehler gewöhnlich v-jyiNri geschrieben; doch hat die hiesige *) Unter dem Namen Abu Ali Al-Baßri erwähnt ihn auch der anönyme Verfasser der von Schnurrcr herausgegebenen Vorrede des hiesigen Cod. arab. Nr. I. s. Dissert. phil. crit. pag. 204, wo noch zwei andere (karäische) Commentatorcn genannt werden. Nur hat Schnurrer fälschlich Aldo tri gelesen, da das Manuscript deutlich Albaßri har.