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Israelitische Annalen · 1841-03-05 · Heft 10 (5.3.1841) · p. Seite 74

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 10 (5.3.1841)
Date
1841-03-05
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 daß ich sie nicht berührt, ja daß ich sie auch nicht gesehen, und nicht einmal davon gehört habe, obgleich ich in Kahira sehr viel mit Juden verkehrte, und nach allerlei Antiquitäten umherfragte. Die dortigen Rabbinen sind so dumm nicht, wie sie in des Beobachters Erzählung aussehen; keiner von ihnen will eine Bibel aus dem Salomonischen Tempel kennen; oder sollte ihnen vor meiner Ankunft die imposante Scene der entweihenden Berührung ihren Wahn benommen haben? Ich bin aber eher zu glauben geneigt, wenn nicht die ganze Scene eine schöngeistige Ausschmückung ist, daß irgend ein Synagogendiener unserem Reisenden etwas weis gemacht hat. — Wohl aber kennt die Sage einen von Esra hcrrührenden Pentateuch, welcher sich ehemals in einer uralten Synagoge zu Mißr befunden habe, und der aus Aberglauben dort soll eingemauert worden sein. Schon gegen Ende des Ilten Jahrhunderts erwähnt Makrisi jener Sage, und obgleich sie an sich wenig Werth hat, so führte sie mich doch auf eine interessante Entdeckung, nämlich auf die der palästinischen Synagoge ) zu Mißr, deren Benjamin von Tudela erwähnt. Makrisi in seiner vortrefflichen Beschreibung von Mißr und Al-kahira spricht von dieser Synagoge folgendermaßen: „Dje Kanißet-Al-Schamijjin in der Stadt Mißr, in der Straße des Kaßr Al-Schema (Kerzenpallaftes) ist eine alte Synagoge'. Uebcr dem Eingänge findet sich eine hebräische in Holz gegrabene Inschrift, welche besagt, daß sie im Jahre 336 nach Alexander erbaut wurde; d. h. ungefähr 45 Jahre vor der zweiten Zerstörung des Tempels durch Titus und etwa 600 Jahre vor der Hedschra. In dieser Synagoge befindet sich ein Exemplar des Pentateuchs, welches sie, (die Juden) einstimmig für die Handschrift des Propheten Esra anerkennen, der arabisch Al-Oseir heißt." — Ich ritt mehrmals hinaus nach Mißr, welches, wie Sie aus Maimonides Briefwechsel wissen, zwei Sabbatherwege von Kahira entfernt ist, und ich dachte dabei an unfern großen Lehrer, welcher jahrelang täglich desselben Weges dahinritt. Mißr liegt jetzt größrenthcils in Ruinen; dort steht noch jetzt eine alte verlassene Synagoge, und eine genaue topographische Untersuchung überzeugte mich bald, daß die Straße, in welcher sie liegt, vormals nach dem K a ß r A l - S ch e m a führen mußte. Dieser Umstand, verbunden mit der noch jetzt verbreiteten Sage, daß sich in jener Synagoge das Exemplar des Esra befunden habe, ließ mich in ben mit Gewißheit die NO'22 wieder finden. Die von Makrisi erwähnte Inschrift ist leider verschwunden, da das Portal, durch einen Brand vernichtet, später reftaurirt wurde; doch fand.ich im Innern solche in Holz eingegrabene, sehr alte und dauerhafte Inschriften in großer Anzahl; sie enthalten aber nichts als Bibelverse. Der aufmerksame Beobachter israelitischer Zustände, i welcher in Mißr' Kirche und Gewölbe kennt, worin Christus sich Jahre lang aufhielt, ist an jenem jüdischen Monumente, dem einzigen in Aegypten, vorübergegangen, ohne nur etwas davon zu ahnen. Es ist ein schönes, zwar nicht großes, aber, hohes Gebäude. An der Oftseite befindet sich! der Hechal, welcher sich mit seiner Wölbung und! den mit Bibelversen durchzogenen Arabesken bis an! die Decke erhebt. Die drei andern Seiten zerfallen ' in zwei Geschosse oder Chöre, von denen der untere von 12 Marmorsäulen (6 auf der Nord- und 6 auf j der Südseite) und einer Granitsäule (an der Weftj feite, dem Eingänge gegenüber) getragen wird; der! obere oder der Fraucnchor wird gleichmäßig von 13 > kleineren Marmorsäulen getragen. Im Ganzen zählt j man 26 Säulen und 26 Fenster, rnn pOD, wie j die Juden dort sagen. In der Mitte des Schiffes j steht die oder das 12:0^, dessen Schnitzwerk! größtcntheils noch gut erhalten ist, obgleich manches! davon nachzearbeitet'und die Symmetrie vernichtet j ist. Weiter nach Westen, gegen den Eingang hin, j befindet sich ein einfaches Denkmal aus Backsteinen, i den Ort bezeichnend, wo einst, wie die Sage be-! Häupter, der Prophet Jercmia gebetet haben soll.! In den Säulen erkennt man zwar bei'm ersten Ani blick die griechisch-römische Kunst; aber bei genaue-; rer Betrachtung fand ich, daß sie einander nicht! gleichen, und daß sie also nicht eigens für dieses j Gebäude verfertigt, sondern wahrscheinlich aus nahe? gelegenen Ruinen hiehcr gebracht wurden, so daß sie für das hohe Alter des Baues nichts beweisen. Hingegen gehört die Wölbung des Hech als offen-! bar der arabischen Periode an. Wie mir ein fran-! zösischer Architekt sagte, den ich dahin führte, kann z das Gebäude in seiner jetzigen Form bis in's 10le I oder 9tc Jahrhundert hinaufreichen. Die von Ma- > krisi erwähnte Inschrift, wenn sic ächt ist, könnte j sich allenfalls auf die erste Gründung beziehen; je- J den falls ist das Gebäude später mehrmals restaurirt

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