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Israelitische Annalen · 1841-01-26 · Heft 9 (26.1.1841) · p. Seite 69

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 9 (26.1.1841)
Date
1841-01-26
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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69 volle Seiten als sein Eigenthum hinzustellen, obwohl er sie Wort für Wort aus dem ungedruckten und ihm zugänglich gewesenen Theil der bekannten Schrift Thora <Sf Philosophie» von Reggio, abgeschrieben hat. In dieser Schrift nämlich hatte ein nach S. 130 folgender Abschnitt nicht das imprimatur erlangt, und ist daher nur einigen Freunden, die den Vf. eigends darum ersucht hatten, in Mscr. bekannt geworden. Herr Reggio ist zu bescheiden, um dieses, an sich nicht sehr wichtigen Stückes wegen, sein Eigenthum vom Plagiator zu reclamiren, zumal derselbe es durch Incorrectheit und einige kleine Stylverderbungen öfters unkenntlich zu machen Sorge getragen hat; inzwischen darf man doch solche Dreistheit nicht ganz ungerügt lassen, und der berühmte Verfasser jener 6 enggedruckten Seiten verdient allerdings so viel Rücksicht, daß diese Art des schamlosen Ausbeutens öffentlich bekannt gemacht werde. Doch für heute genug von diesem Thema, obgleich noch mehrere ähnliche Thatsachen vorliegen, und lassen Sie uns auf etwas Erfreuliches kommen. Die Gazetta di Venezia 23. Gennajo berichtet folgendes: Der großherzige Giuseppe Ventura (JosephV.), welcher in seinem Leben beständig die Oowmissione Generale di pnbliea Benefieenza (Allgemeine Commission der öffentlichen Mildthätigkeit) unterstützte, hat außer den in seinem letzten Willen getroffenen edeln Verfügungen zu Gunsten der B'raterna Generale di Rito e Benefieenza auch, noch jene Commission mit einem Legate von 20,000 österr. Lire bedacht, mit der Bedingung, daß diese Summe als Capital bleiben solle, deren jährliche Zinsen an die Armen zu vertheilen seien. Solche Züge großmüthiger Freigebigkeit werden hiermit zur Kennmiß des Publikums gebracht, theils als Ausdruck der Anerkennung gedachter Commission, theils zum Nutz und Frommen der trefflichen Anstalt." Zur genauern Verständigung über diesen Artikel, muß man wissen, daß die Commissione generale &c. die unter den Christen für christliche Arme bestehende Behörde, dagegen Fraterna generale &c. die jüdische Gemeinde in Venedig bezeichnet. Die Summe beträgt 6666% fl. C. M. und wie hieraus zu ersehen, hat der verstorbene Ventura sich nicht auf dies Legat beschränkt. Vom Neckar. — Mit Freude vernehmen wir, daß in unserm badischen Vaterland, unter der Aegide des Oberraths-Collegiums und insbesondere des Herrn Oberraths Epstein und des Herrn Rabbinen Elias Wilstädter ein Verein zur Versorgung armer israelitischer Waisen errichtet werden soll, ähnlich dem, der in unserem Nachbarland Württemberg schon seit Zähren besteht, dessen segensreiche Wirksamkeit, zur Genugthuung aller Theilnahmer und aller Menschenfteunde, mit jedem Tage zunimmt. — Möge der Waisenverein in Baden recht bald zu Stande kommen. Gewiß ist, daß derselbe bei einer größer» und durchschnittlich vermöglicheren Population, einen eben so großen, vielleicht noch größeren Wirkungskreis finden wird. Auf die thätige Theilnahme der Rabbinen, Lehrer und Synagogenräthe und vieler andern Menschenfreunde, darf im Voraus mit Gewißheit gebaut werben. R. Württemberg. — Da es schon vorgekommen, daß die Schneider-, Schuster-, Metzger- und Beckerhandwerke erlernt und gewählt werden, um unter deren Aegide den Handel mitbetreiben zu können, so ist von unfern hohen Landesdehörden eine Verordnung dahin erlassen worden, daß nur solche Handwerke künftig von den israelitischen Jünglingen sollen ergriffen werden, die tüchtige körperliche Thätigkeit erfordern. Diese Verordnung ist aus mehreren Gründen sehr heilsam. Denn einmal muß die stärkere körperliche Thätigkeit auch eine stärkere Leibesconstitution befördern, zweitens wird das so wohlthätige Recht der Uebersiedelung, oder wie es sonst genannt wird, das Freizügigkeitsrecht, dessen Wohlthätigkeit bei uns noch nicht recht gewürdigt zu werden scheint, mehr benutzt, und werden alsdann nicht alle Handwerker auf einen einzelnen Ort zusammen gebannt, und endlich werden die jungen Leute dadurch ihrem Handwerksberuf nicht entfremdet. Denn es ist ein wahrhaft trauriger Anblick, so eine Zwittergestalt von halb Händler, halb Handwerker. Wie soll und kann eine solche bei den Erfordernissen der Kunst, die heutzutage sogar an die Gewerbe gestellt werden, etwas Tüchtiges zu leisten, oder der so starken Concurrenz, die sich in der gegenwärtigen Zeit in allen Gebieten des menschlichen Schaffens kund thut, zu begegnen vermögen. Da die Vermöglicheren ihre Söhne in der Regel entweder dem Kaufmannsstande oder einem wissenschaftlichen Fach widmen, und nur die minder Vermöglichen und Armen Handwerke wählen, die dann von unserer K. Oberkirchenbehörde entweder das ganze Lehrgeld oder doch den größten Theil desselben als Unterstützung erhalten, so wird obiger wohlthätigen Veordnung schon dadurch heilsamer Vorschub geleistet, indem jene hohe Behörde zu der Erlernung jener zuerst genannten und mit Recht verpönten Handwerke kein Lehrgeld mehr zu bewilligen entschlossen ist. (Uebrigens müssen schon in der Mischna- Abfassungszeit schwere Handwerke von den Israeliten erlernt worden sein, da wir in Beraehotl, eap. n. 4 Andeutungen davon finden (und nach meiner freilich unmaßgeblichen Meinung waren diese psw* Schreiner und Zimmerlcute (wegen und Maurer (wegen — r. Buchau. — Am 3. Febr.starb in dem nahe gelegenen Kappel der Rabbinatsverweser M. H. Landauer, dem literarischen Publikum durch mehre Schriften bekannt, im 33sten Jahre seines Lebens. Das kurze Dasein dieses Mannes war eine eigenthümliche Erscheinung, die dem Menschenfreunde betrübend und erhebend zugleich sein mußte. Wenn die Behauptung, daß das Wohl der Gesundheit das Gefühl des Lebens bedingt, richtig ist, so hat er nicht eigentlich gelebt, denn er kränkelte von der Stunde seiner . Geburt an, und ein hartnäckiges Nebel des Unterleibes wurde durch die Lebensart, die dem Studienderuf eigen ist, vollends zum Elemente seines frühen Todes. Zu diesem Beruf aber widmete ihn sein frommer Vater, Vorsänger Elias Landauer, aus Pietät, wie dies

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