Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 9 (26.1.1841)
- Date
- 1841-01-26
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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66 bare Bahn zu bereiten und dereinst einer Familie vorstehen zu können; sie werden an Verhältnisse gekettet, die, wenn auch anfangs bisweilen erfreulich, — ja einigen Publiciften zufolge, die Sittlichkeit fördernd — erscheinen, doch fast durchweg zum Unheil aller Umschlägen. — Wenn die Wahl getroffen ist, die übrigens nur von Seiten der Eltern verabredet wird, so pflegt man den versprochenen Knaben oder die schon verehlichten Kinder noch ein Paar Jahre unter Aufsicht der Eltern heranreifcn zu lassen, in welchen sie gemeinhin dem Müßiggänge fröhnen, bis etwa der Mangel sie nöthigt, an einen Lebensbetrieb zu denken. Von Vorkenntnissen kann die Rede'nicht sein; höchstens wird der junge Mann in fremden Handelsgeschäften gebraucht, mitunter gemißbraucht, bis er sich Gewandtheit genug zutraut, seine Kunst weiter zu üben. Und doch ist er noch glücklich, wenn ihm die Mittel zum Gewinn seiner Subsistenz sich darbieren, und nicht zugleich häusliche Leiden schon alle Thatkraft gelahmt haben. Aber weit trauriger ist das gewöhnliche Verhältniß. Die ersten Freuden einer noch so vergnügten und zufriedenen Ehe schwinden dahin, ehe das Gemüth stark genug ist, manche Widerwärtigkeit, die eine zunehmende Familie mit sich bringt, mit Ergebung zu tragen; cs treten auch wohl Erfahrungen hinzu, welche Reue über den zu früh geschlossenen Bund erzeugen; — dann ist das Erwachen eines noch in den Jünglingsjahren stehenden Ehemannes furchtbar. Mißstimmung, Zwist, und vollendete Abneigung gegen das Hauswesen folgen bald einander, und eine Auflösung der Ehe ist noch das geringste Nebel! Dann aber wehe den armen Kindern, die unter solcher Häuslichkeit ihre ersten Lebensjahre verbringen, und jetzt fast ganz verlassen sind, oder tyrannischen Stiefeltern zu Theil werden, die öfters aus ähnlichen Verhältnissen zu der neuen Verbindung gekommen sind! Daß nun solche Kinder auch in Betreff der Gesundheit und jeder Pflege vernachlässigt werden, ist natürlich, und besonders dann häufig, wenn ein seines Verhältnisses überdrüssiger Hausvater —und der Beispiele sind Legion—den Wanderftab ergreift! Und da wundert man sich , wenn so vielartigc Verwahrlosungen sich zeigen, und Krankheiten aller Art sich mehren, und ein großer Theil der Bevölkerung frühzeitig dahin welkt!" Diese Darstellung, die wir nur in kurzem Auszuge liefern, dürfte wohl geeignet sein, die Aufmerksamkeit der Legislatur auf einen Umstand hinzulenken, welcher dem Allgemeinen Wohl zu sehr verwändt ist, als daß man ihn billig der eigenen Entwickelung überlassen sollte. In mehreren Staaten sind, so lange es nöthig war, heilsame Verordnungen eingeführt worden, welche die Concessionen zu Verheirathungen von einem gewissen Alter und von bestimmten Nachweisen über die muthmaßlichen Erwerbsquellen abhängig machten, und es scheint nicht, daß dieselben, besonders da einzelne Fälle immer noch Modificationen zulassen, irgendwo unzweckmäßig befunden worden wären; und wenn wir nicht irren, bestehen solche in einzelnen Gegenden noch, hie und da die Freiheit des Einzelnen beschränkend, aber sicherlich von wohlthätigem Einflüsse auf die Communcn, in welchen ohne solche Vorsicht, die Armuth und das Elend überhand nehmen würde, wie es in Polen leider überall anzutrcffen ist.- Das Schullehrer-Serninarirrm in Berlin. > (Fortsetzung.) Wir betrachten es mit dem Redner als ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß eine solche Anstalt in Berlin errichtet werden konnte, wo von außen und innen bisher so wenig günstige Substrate sich zeigten, während, wie wir schon früher es angedeutet haben, alle äußerlichen Verhältnisse für Seminaristen sehr erwünscht erscheinen. Hier nämlich ist die Wissenschaft in alle Familien eingedrungen, so daß junge Männer, die sich derselben widmen, überall Hülfsmittel und befreundete Seelen finden; hier sind Schulen und Seminarien in solcher Blüthe, daß nur tüchtige Leistungen ein neues Institut empfehlen können, so daß Lehrer und Schüler Vorbilder zur Nacheiferung haben, und Erschlaffung nicht zu befürchten ist; hier endlich ist die Zahl der Wohlhabenden und der Mildthätigen bedeutend genug, um durch Hcrbeiziehung und Unterstützung manches jungen Mannes zu einem so edeln Berufe, keinesweges allzusehr belastet zu werden. Gleichzeitig bietet die Hauptstadt den besten Centralpunkt für alle Gemeinden der Monarchie dar, und den Committenten, die etwa ihre Jünglinge zur Vorbereitung dorthin senden, wird es leicht, sich von deren Verhalten sichere Kunde zu verschaffen. Es leidet keinen Zweifel, daß auch aus andern Gegenden