Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 9 (26.1.1841)
- Date
- 1841-01-26
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Februar. N" 9. 1841. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rtblr. 3 — fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Die frühe Verebelicknng in Polen, eine Quelle trauriger Mißstände. — DaS Sckullebrer-Seminarium in Berlin (Fortsetzung). — Literarische Erörterungen. — Nachrichten u. Eorrcspondcnzcn: Triest; vom Neckar; Würtemberg; Buchau; Bergen. — Literatur. — Literarische Notizen. — Vermischtes. Aufforderung. Die frühe Verehelichung in Polen, eine Duelle trauriger Mißstände. Schon zu Anfänge dieses Jahrhunderts erinnern wir uns, über die gar zu frühzeitige Verehelichung der Israeliten in allen Gegenden Polens, viele und ernste Bemerkungen gelesen zu haben, und wir hatten geglaubt, daß rine Zeit von mehr als einem Menschenaltcr, in welchem eine völlig neue Generation herangereift ist, wohl genugsam, zumal durch den seit dem vervielfältigten Verkehr mit der Außenwelt, zur Würdigung der Lcbensverhältnisse beigctragen hätte, um in Beziehung auf Verheirathung der Kinder einige Veränderung hervorzubringen, welche dann auch auf manche andere sociale Zustände entschieden einwirken müßte. Um so erstaunlicher ist es, daß die Gewohnheit nach wie vor ihre Macht ausübt, und daß von keiner Seile her etwas geschieht, was dem Uebel auch nur allmählich steuern könnte. Und doch darf man mit Zuverstcht behaupten, daß die meisten bedauerlichen Zustände, welche Reisende aus Polen berichten, und deren Wahrheit zum Theil auf Messen und Märkten sich auch auswärts kund giebr, gerade jenem höchst verderblichen Herkommen zuzuschrciben sind. Ein von sehr zuverlässiger Hand herrührender Bericht bestätigt es vollkommen, und schildert uns nur in allzugrellen Farben die Wirkungen, welche, von den fremden Beobachtern beschrieben, oft noch dazu in ein falsches Licht gestellt, als Folgen des religiösen Bekenntnisses erscheinen, so daß sie diesem zur Last legen, was es nicht verschuldet; während eine wohldurchdachte Verordnung welche der frühen Verheirathung steuerte, binnen 10 —15 Jahren eine völlige Umgestaltung erzeugen würde. „Unter den vielen äußerst schädlichen Vorurrheilen, sagt unser Berichterstatter, den sich der diesseitige Israelit sklavisch unterwirft, ist keines so naturwidrig und unheilbringend, als die Art, wie die Eltern über ihre Kinder in Hinsicht der Ehe verfügen. Kaum beginnt die Knospe sich zu entfalten, kaum fängt das unter der verkehrtesten und ungünstigsten Behandlung Heranwachsende Kind an, sich selbst zu empfinden, und eine freiere jugendliche Kraftentwickelung zu zeigen, als schon die Eltern .derselben durch die Wahl einer Ehehälfte und Aufbürdung schwerer Pflichten und noch schwererer Sorgen hemmend entgegen treten. Knaben von vierzehn Jahren, die bei Büchern fern von allem socialen Verkehr ihre ersten Jahre verseufzct haben, weil der Ehrgeitz der Väter glaubt, durch gelehrte Kinder — und welche gelehrte Unwissenheit! — Befriedigung zu finden, werden plötzlich auch der Hoffnung beraubt, nunmehr in der Welt die nöthigen Erfahrungen zu sammeln, um sich selbst eine acht-