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Israelitische Annalen · 1841-01-19 · Heft 8 (19.1.1841) · p. Seite 63

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 8 (19.1.1841)
Date
1841-01-19
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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63 liebe keinen Zweifel übrig lassen. Obwohl seine wissenschaftliche gründliche Bildung ihn für einen, höhern Berus als künftigen Volkslehrer qualifizirt, so erkannte er doch an, daß es für das Heil seiner künftigen Gemeinde von nicht geringem Vortheil sein würde, wenn er mit der praktischen Ausbildung als Iugendlehrer seine Laufbahn eröffnet, und daß die auf diesem Felde zu erwerbende pädagogische Einsicht seiner künftigen Stellung von mehrfachem Nutzen sein dürfte. Eine Wahrheit, in der wir vollkommen mit ihm übereinstimmen, und wir glauben sogar,# daß die Gemeinden bei der Wahl ihrek Rabbiner, wenn diese von umsichtigen Männern geleitet wird, ein großes Gewicht darauf legen werden, daß der angehende Volkslehrcr sich vorher als Iugendlehrer in einer Gemeinde bewährt hat. Zwar sprach er sein inniges Bedauern darüber aus, daß die kirchlichen Verhältnisse in seinem Vaterlande, dem er so gerne seine Kraft weihen möchte, noch immer von Seiten der Behörden keiner Berücksichtigung sich erfreuen, so daß dem jüdischen Theologen in seinem eigenen Vaterlande noch wenig Aussicht eröffnet ist, die erworbenen Kenntnisse zum Heil seiner Glaubensgenossen anzuwenden. Eine Klage, in die wir ebenfalls einstimmen müssen. Jedoch wollte er hoffen, daß das großherzige Beispiel unserer humanen Regierung auf manchen Nachbarstaat nicht ohne wohlthätigen Einfluß bleiben werde, welcher obwohl in allen andern Kreisen der höhern Kultur, und zumal der höhern Iugendbildung, für die größten Staaten als Vorbild und Muster dastehend, es doch in dieser einzigen Angelegenheit, die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten betreffend, in welchen man hinter allen andern zurückgeblieben und in einer Richtung verharret, die den übrigen Richtungen des Staates durchaus ungleichartig ist, nicht verschmähen werde, dem wackern Beispiel unsers Großherzogthums eine ernste Berücksichtigung zu gewähren. Gebe Gott, daß er mit prophetischer Ahnung, wie den innigsten Wunsch aller Gutgesinnten, auch die Wahrheit ausgesprochen haben möge! Großherzogthum Baden. Großherzoglich Badischer Oberrath der Israeliten. Earlsruhe, den 26. Nov. 1840 Das Dorschen der Hinterviertheile von geschlachtetem Vieh betreffend. In Erwägung der großen Nützlichkeit, welche sowohl für die israelitischen Metzger als das gesammte israelitische Publikum, zumalen auf dem Lande, daraus entstehen würde, wenn der Genuß des Fleisches von dem Hintertheile des geschlachteten Viehes, durch die Religionsgesetzmäßige Absonderung (n2^n TU möglich gemacht wird, haben wir die Veranstaltung getroffen, daß ein israelitischer Glaubensgenosse aus dem Königreiche Würtemberg, ein Mann von zuverlässig religiösem Charakter , welcher jene Fertigkeit bei Sachkundigen in der berühmten israelitischen Gemeinde in Livorno in Italien erlernt, und von dem dortigen Rabbinats-Evllegium die Approbation (r6sp) zur Ausübung derselben und desfallsigen weiteren Unternchts-Ertheilung erlangt hat, sich hierher begebe, um den fraglichen Unterricht und die erforderliche praktische Anleitung an hierländische Israeliten zu ertheilen. Die Bezirks-Synagoge wird hiervon mit dem Anfügen in Kenntniß gesetzt, den dortigen Bczirksgemeinden zu eröffnen, daß es ihnen frei gestellt werde, etwa in Gemeinschaft mit den Bczirksgemeinden einer benachbarten Bezirkssynagoge, ein dazu geeignetes Subjekt, das bei seiner Hierherkunft über seine Tauglichkeit hierzu ein Rabbinatszeugniß vorzulegen hat, zur Theilnahme an dem erwähnten Unterrichte ans ihre Kosten hierher zu schicken. Wir bemerken übrigens, daß wir demnächst den Tag bezeichnen werden, an welchem jener Unterricht beginnt, welcher eine Zeit von ungefähr 8 —10 Wochen erfordert. Der Ministerial-Commiffär Bauer. Epstein. L iteratur. Vorträge bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Reilingen, gehalten am 13. November 1840. Von S. Fürst, Großh. Bad. Bczirksrabbiner zu Heidelberg. (Das. bei Groos.) Mit einem herzlichen Vorworte, wo. in der schöne Eifer des dortigen Schullehrers Aron Bessels in Förderung des Choralgesanges gerühmt wird, werden diese Vorträge eingeführt, deren einer das Verlassen des alten Gebäudes, der andere die Einweihung des neuen feiert. Wir bedauern, daß wir diese Rede erst so spät lesen konnten, und machen alle unsre jungen Theologen auf diese salbungsreichen, kräftigen Predigten aufmerksam, die eben so populär als gefühlvoll ausgedrückt, jeden Kenner ansprechen müssen, auch einen erfreulichen Beweis von dem Streben des Verfassers darbieren. (Aus Hamburg eingesandt.) Uebersicht aller wohlthätigen Anstalten und Vereine, so wie auch aller milden Stiftungen der deutsch¬ und der portugiesisch - israelitischen Gemeinde in Hamburg. Nebst zwei Tabellen. Hamburg 1841. Druck und Verlag von I. I. Halberstadr. VII und 160 S. gr. 8. Es ist dies unsers Wissens der erste Versuch einer statistischen Darstellung der Wohlthätigkeitsanstalten irgend einer israelitischen Gemeinde, und verdient daher um so größere Beachtung. Die wahrhaft seltene Fürsorge der Israeliten für ihre Armen tritt hier in einem glänzenden Beispiele hervor, und der Herausgeber hat gewiß mit allem Recht meist die Thatsachen allein reden lassen, weil es keiner weitern Bemerkung bedarf, um den, der lesen kann, sogleich auf den richtigen Standpunkt zu versetzen. Selbst für die Mitglieder der hiesigen Gemeinde hat die Zustammensrellüng Werth und Jnieresse, denn nicht leicht möchte ein Einzelner von allen diesen Anstalten gewußt haben. Es ist daher dem Herausgeber, der nicht ohne viel Mühe und Zeitaufwand die Materialien vereinigt und überall, wo es ihm nicht verweigert wurde, — was nur in wenigen Fällen geschah — aus officicllen, gedruckten und ungedruckten Mittheilungen schöpfte, aufnchngen Dank dafür zu zollen. Auch auswärtigen Lesern dürfte ein gedrängter Auszug aus dieser Schrift nicht unwillkommen sein, und wir lassen denselben, hin und wieder von unfern Bemerkungen begleitet, hier folgen. In dein Buche selbst sind nur mitunter eigene Ansichten des Herausgebers, größtcntheils lodend, eingestrcut, besonders bei Instituten, die in Hambug allem oder nur noch an wenigen anderen Orten gefunden werden. Nach einer nur ganz äußerlich gehaltenen Uebersicht der Entstehunng und Organisation der Gemeinde,

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