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Israelitische Annalen · 1841-01-19 · Heft 8 (19.1.1841) · p. Seite 62

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 8 (19.1.1841)
Date
1841-01-19
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 von getragen und eine kirchliche Handlung in einer angemessenen, ansprechenden Form im rechten Geiste verrichtet wurde. — Das wäre denn ein einzuschlagender Ausweg, so lange die Rabbinen sich nicht; entschließen können, das „Hundert-Sousstück" von dem Trauhimmcl zu entfernen. Und dagegen würde vielleicht die krasseste Orthodoxie nichts einzuwenden haben, da die Trauung auf die beschriebene Weise selbst hier seit jener Zeit unangefochten geblieben ist. _ Nachrichten und Correspondenzen. Aus Odessa wird folgendes gemeldet: Bei dem hiesigen Comite ist von Seiten der jüngcrn Männer aus Wilna ein Gesuch eingegangen, worin ersteres gebeten wird, gleich dem Wilnaer Comite, ein günstiges Gutachten über die unmaßgeblich bei hoher Regierung eingereichten Vorschläge abzugeben. Diese sollen zum Theil sehr beachtenswcrth sein, als: Einführung deutscher Kleidertracht, Einsetzung eines Consistoriums, Errichtung von Seminarien, und Sckulen in jeder Stadt auf Staatskosten. Das hiesige Comite soll jenes Gesuch kalt ausgenommen haben. Die Wilnaer haben sich dadurch nicht abschrecken lassen, sondern eine passabel hebräisch abgefaßte Aufforderung an alle Gemeinden ergehen lassen, worin sie die Zeitgemäßheit ihres Vorhabens darthun, und hauptsächlich auf die jüngere Welt zu wirken suchen. Uedrigens hat das hiesige Comite bereits sein Gutachten abgegeben; von dessen Inhalt bei dem ängstlichen Stillschweigen, welches die Mitglieder beobachten, nichts verlautet. S. Frankreich. — Die Archives israelites vom Januar c. enthalten einen Theil des Verze.ichnisses der unsre Literatur betreffenden Manuskripte, welche Herr Munk aus Aegypten mitgebracht hat; sie sind fast alle arabisch, in hebräischen Lettern. A. Karaitische Werke. 1) Mehrere Stücke eines weitläufigen*) Bibelcemmentars *) Man sieht, daß der Verfasser des Mibchar (im Jahr 1284 beendigt) wohl recht hatte, über die entsetzliche Breite seiner Vorgänger zu klagen. In der Einleitung zum Pentateuch sagt er: „Wenn die Weisen unsrer Sccte übermäßig weitläufig sind, und ungemein viel Worte machen, bis sie zum Ziel gelangen, so weißt du sehr wohl, daß die Weitläufigkeit den Leser ermüdet und träge macht, und man es lieber aufgiebt, sich so weit zu vertiefen; daher habe ich mich bemüht, auf alle Weise mich kurz auszudrücken ..." Vor Josua sagt er noch mehr, und deutet zugleich an, daß seine Vorgänger keinen hohen kritischen Werth haben. „Ich habe mit meinem Commentar zu den Propheten nicht nach Ruhm gestrebt, sondern nur 2 Gründe haben mich dazu bewogen, 1) sind unsre Lehrer bis zur Ermüdung weitläufig, was höchstens für Müßiggänger gut ist, nicht aber für Leute, die ihre Sorgen haben; wie sollen sie denn dabei noch andere Wissenschaften treiben? 2) sind auch ihre Erklärungen nicht nach den Sprachgesetzen. (Grammatik.) Die übrigen Fehler von Japhet ben Ali, genannt Abu Ali AlBasri. Dieser lebte im 10ten Jahrhundert, war daher nicht Aben Esra'6 Lehrer, wie man geglaubt hat. Hbrr Munk hat in Kahirah 20 Bände dieses Commentars gefunden, die jedoch nicht zusammenhängen. Sie enthalten die «eoesis, von Exod. den 3. 4. und 5. Wochenabschnitt, vom Lev. den 5. 6. 7, Numeri von 4 an bis zu Ende; ferner die Psalmen, die Proverbien und die 5 Megilloth. 2) Arabische Uebersetzungen des Pentateuch für die Karaiten. Diese stimmt fast überall mit der im vorigen Commentar cilirten. 3) Einleitungen zu allen Abschnitten des Pentateuchs von Samuel Al Magrebi (im loten Jahrhundert). 4) Ein Abriß der Gesetze, Anfang und Ende fehlen, dem Anscheine nach aus einem größer» Werke des Vorhergenannten. 5) Gesetzbuch des Lehrers Fadhel, aus dem 16. Jahrhundert, ein kurzer Inbegriff aller Satzungen. 6) Gebetbuch, hebräisch, 5 Hefte. 7) Desgleichen für den Versöhnungstag, 2. B. 8™. 8) Gesänge der Karaiten, hebräisch nebst einem Auszug der Paraphrase von Esther türkisch. 9) Abhandlung Japheth ben Sair's über die verbotenen Verwandtschaftsgrade. (Fortsetzung folgt.) Schwerin (Mecklenburg), 10. Januar 1841. (Schluß.) Nachdem er noch einiges an den Lehrer zugefügt, dann die Kinder zu Fleiß und Ordnung vermahnt, wandte er sich an die Gemeinde: „Ihnen, geehrte Mitglieder, empfehle ich diese Anstalt, die als Heiligthum Ihrer Pflege anvertraut ist. Sie ist noch ein junges, zartes Bäumchen, dass der Pflege und Sorgfalt gar sehr bedarf, um einst ein fruchtreicher Baum zu werden. Wie Gott das große Schöpfungswerk mit den Worten: „es werde Licht" begonnen, so soll auch dieses, unser erstes Werk, ein helles Licht verbreiten und unsere allgemeinen Zustände beleuchten. Diese Schule soll der Grundstein sein, worauf das Gebäude des verbesserten israelitischen Jugendunterrichts in diesem Lande errichtet werde. Nur der Veredlung des Erziehungswesens kann ein veredeltes Geschlecht entwachsen, nur diese kann unsere irdische und sittliche Wohlfahrt fördern, und nur diese kann und wird Heil und Segen in unsere menschlichen und göttlichen Angelegenheiten bringen." Hierauf betrat Herr Fränkel die Bühne und sprach mit sichtlicher Rührung Worte, die uns über seine Pflichtwill ich nicht rügen, denn sie sind ursprünglich arabisch geschrieben, und von einem Uebersetzer, der nicht beide Sprachen gut verstand, in's Hebräische übertragen worden, so daß manche seiner Fehler auf ibre Rechnung kommen könnten." Dieser Uebersetzer hieß Tobiah. Die ältesten Commentatoren waren: Anan, im Jahr 136 Hgr. (— 754 Chr.) Sein Sohn Saul und dessen Sohn David. Nach diesen Sahal, genannt Abul Sari, und Joseph Haroeh u. a. Später Japheth und sein Sohn Levi. Ferner (im 10. Jahrh.) Salmon b. Jerucham und Josua das große Licht. — Anmerk, des Herausg. der Annalen.

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