Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 8 (19.1.1841)
- Date
- 1841-01-19
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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60 nicht einmal nach palästinischem, sondern nach babylonischem Brauch; s. R. Ascher zu Thaanith f. 10 a. Gerügt wird dies schon in D’jDIH DjIDD 'D Wien 1823. S. 36.) Wie rechtfertigt sich r6t"tt mSD 'D an Fasttagen? (Ursprünglich wurde wirklich nur zur Zeit der Noth und der Verfolgung gefastet). Wer kann Ps. vi. immer als Gebet recitiren und auf sich beziehen? Für dies stille Gebet ist selbst im Schulchan Aruch keine Formel vorgeschriebcn, jeder sollte da frei in,den ihm geläufigsten Ausdrücken vor seinem Schöpfer sein Herz ergießen. *) Im Sohar wird der schöne, für Jedermann unter allen Lebcnsverhältnissen passende, 25. Psalm vorgeschlagcn, der jedenfalls hier geeigneter wäre. Darf der ärgste Bösewicht, der sich bekehrt, das Sündenbekenntniß im j^p y no (das nach Würtemb. Synagogenordnung am Vorabend des Neumonds Elul und Adar zu halten) ablegen ohne zu lügen? Es ist überdicß ein Privalbckenntniß und im Singular nicht im Plural, wie die Formeln für y. — Diese Unvollkommenheiten haften freilich nicht an dieser Synagogcnordnung allein; aber da dieselbe von einer unabhängigen, einsichtsvollen und thätigcn Behörde für ein ganzes Land festgesetzt worden, so wäre zu erwarten gewesen, daß nicht bloß äußere Momente berücksichtigt worden wären, und doch hat sie auch auswärts in der Nähe eine solche Autorität erlangt, daß der einzeln stehende Geistliche nicht wagen dürfte, weiter zu gehen. Nur von der Vermahlung einer acht-jüdischen Kritik mit dem europäischen Zeitgeiste in der Weise, daß jene für das Wesen, den Geist, dieser für die Form maßgebend wäre, haben lvir eine lebenskräftige Verjüngung der uralten Formen zu erwarten, eine Erscheinung, nach der wir uns überall vergebens umschen. K. *) Die Erfindung der Buchdruckerkunst hat, so parador dies auch klingen mag, bis auf die neuere Zeit, namentlich in Deutschland und Polen, der Entwickelung des Iudenthums mehr geschadet als genützt. Sie traf nicht nur mir der höchsten Blüthe der Kabbalah zusammen, deren verderbliche Frucht sie vollends reifte und in alle Welt versandte, sondern fixirte auch, was früher noch schwebend und freiLewesen, und verdoppelte somit die Nachtheile, die unsere weisen Alten vom Niederschreiben befürchtet. So wurden auch von ihr die Gebetbücher bis zum Uebermaß bereichert, da jeder Buchdrucker durch neue Zusätze seine Ausgabe empfehlen wollte. Dagegen ist mir noch keine bekannt, wo □'omn 2N JpT0 Dtp*1 u. dgl. unstatthnste Gebete, die in den niesten Synagogen, die einen geregelten Gottesdienst haben, nicht gesprochen werden, fehlten, was doch nothwendig wäre, wenn der gemeine Mann, bei dem alles Gedruckte Verehrung gemeßt, sich in die Weglassung finden sollte. Wäre es nicht an der Zeit, daß wissenschaftlich gebildete Rabbinen sich zur Herausgabe eines gesichteten Gebetbuches, das allenfalls andere zweckmäßige Zusätze erhalten könnte, vereinigten? Neueste Nachrichten über die karaitifchen Denkmäler. Schreiben aus Odessa an die Redaktion der Annalen. Odessa, '/>» Januar 1841. Ich hatte die Freude, aus Ihrem sehr achtbaren Journale Nr. 23 vom Jahre 1840 zu entnehmen, daß Sie die Nachricht von der Auffindung der Grabstätte des R. Isaak Sangari nicht für unwcrth hielten, in ihr Blatt aufzunehmen; ich nehme mir daher die Freiheit, nunmehr die von meinem karailischen Freunde abermals erhaltenen wichtigen Mittheilungcn unmittelbar an Ew. Wohlgeboren einzuschicken. Hier eine wortgetreue Abschrift vom Schreiben meines Freundes, und das Ganze sei Ihrem bewährten historischen Scharfblicke anheim gestellt. (Folgt die Abschrift des Briefes, den wir in getreuer Uebcrsetzung hierunten mittkeilen.) Sollten Sie zur Bildung eines Urtheiles noch einige Aufschlüsse für nöthig erachten, so bitte ich mir hierüber Ihre Erklärungen aus, und ich bin bereit, solche von meinem Freunde zu verlangen, re. B. Uebersetzung des Schreibens des Karaiten an Herrn B. ökaffa lThcodosta, auf der taurisckcn Halbinsel, oder Krimm.) Mittwoch, 9. CaSlcv. 601.*) „Zwei Monate bin ich bereits von Dir entfernt, wie zugleich von den Gelehrten in deiner Gegend, um meinen Geschäften nachzugehen. Letztere haben mich bisher abgchalten. Dir zu schreiben. Nun aber, werther Freund, empfängst Du neue Nachrichten, wie Du wünschest; widme ihnen eine aufmerksame Betrachtung und sende sie in die Ferne an den gelehrten Herrn Reggio, welcher sich an diesen Merkwürdigkeiten erfreuen möge! Vielleicht ist er so gefällig, mir seine Ansichten darüber zu eröffnen. Mein ganzes Streben geht nur dahin, von ihm Belehrung zu empfangen und an reiner Erkenntniß mich zu laben. Im I. 600 beschrieb ich Dir alle die alten Leichensteine, welche der Gelehrte Abraham Firkowitsch**) in Taurien (Krimm) aufgefunden hat, so auch die mit cigenthümlicher Punktation geschriebnen Gesetzrollen. Jetzt, da ich selbst in Kalä war, habe ich mit eigenen Augen den Grabstein des Isaak Sangari gesehen. Er ist sehr groß und dick, und! steht wie eine Säule in der Erde, und darauf in einer Zeile, mit großen Quadratbuchstaben, eingegraben ÜO 'tÜSD pnir mit drei liegenden Strichen über jedem Worte; die ersten 6 Buchstaben sind ganz klar und deutlich, die nachfolgenden *) Dies Datum stimmt nicht zum diesseitigen Kalender, in welchem der 0te auf Freitag (4. Dec. 1840) fiel. Wenn kein Schreibefehler obwaltet, ist hier also eine Verschiedenheit der Rechnung. D. H. **) Der Verfasser einer fulminanten Schrift gegen die Rabbaniten, betitelt rP3Dn omn und angehängt seinem gedrängten Commentar zum Iesaiah. Dieselbe befindet sich in unsrer Sammlung gedruckter karaitischer Werke. D- H.