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Israelitische Annalen · 1841-01-19 · Heft 8 (19.1.1841) · p. Seite 58

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 8 (19.1.1841)
Date
1841-01-19
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 zeigt, wie die meisten Anstalten der Mildthätigkeit, so trefflich auch an sich, keinesweges die Träger des eigentlichen Geistes sind, welcher die Gesammtheit der Gemeinde Hurchdringt und durchdringen muß, und daß Seminarien zur Bildung der Volkslehrcr dringend erfordert werden, wenn organisches Leben in ihr sein soll. Folgende Stelle aus dieser Rede finden wir besonders geeignet, der allgemeinen Aufmerksamkeit anzuempfehlen. „Es muffen Seminarien angelegt werden, Lehrer für die Schule, für das Haus, für die Synagoge zu erziehen. In früherer Zeit und noch bis in das vorige Jahrhundert hinein, gab es unter den jüdischen Gemeinden in Deutschland keine öffentlichen Schulen, wie wir sie heutigen Tages haben. Für die damaligen Bedürfnisse waren die Rabbinerfitze, die sogenannten Jeschibot, völlig ausreichend. Die Synagoge war die Schule, die Thalmud-Akademie das Seminar; in beiden galt der Rabbiner als der Vertreter des, allem Nitchjüdischen abgewandtcn, Geistes der Gemeinde. Dem Himmel sei Dank, diese zwiefachen Ketten sind zerbrochen. Jetzt soll der Schulunterricht die sittlichen Kräfte stärken, für die verschiedensten Lebensbestimmungen die Fähigkeiten deS Geistes bilden; unsere Aufgabe als Religionsgenossen soll die Schule uns theuer, die Synagoge uns immer deutlicher machen. In beiden wird das Glück des Menschen und des Bürgers bereitet, und diejenige Uebereinstimmung, diejenige Harmonie unter den Tönen der Seele geschaffen, die von wahrhafter Erkenntniß unzertrennlich ist. So müssen wir uns denn nach Bildnern umsehen, nach geschickten Erziehern, nach rechten Lehrern und rechten Predigern. Länger dürfen wir unser besseres Selbst nicht vernachlässigen. Sorgen wir für die Kranken, daß sie gesund werden, so lassen Sie uns auch für die Gesunden Sorge tragen, daß sie gesund bleiben : für den Anbau so vieler brach liegenden Kräfte, für die Vermehrung der uns zu Gebote stehenden Fähigkeiten, für die Sicherstellung unserer bereits vorhandenen Institute. Vermittelst guter Seminarien werden die Schulen tüchtige Lehrer erhalten, die einen gleichmäßigen Bildungsgang zurückgelegt, und nicht ihr Geschäft als ein gelegentliches Gewerbe betreiben. Dann muß nach und nach der Uebelstand schwinden, daß der Unterricht verschiedener, schnell einander ablösender Lehrer, auf Stückwerk gebauet, durch unzusammenhängenden Stoff, durch sich widersprechende Principien, sich gegenseitig schwächt und stört. Dann werden, insonderheit die minder zahlreichen Gemeinden mit größerem Vertrauen der Berufung eines Lehrers entgegensehen, ihm bei seiner Anstellung bereitwilliger die Hand bieten; die Achtung gegen jüdische Schullehrer wird zunehmen; vielleicht daß alsdann auch Söhne bemittelterer Familien sich unserm Stande widmen, und die Lehrer weniger häufig dem wohlhabendern Theile der Gemeinde fremd gegenüber stehen. Gewiß aber wird durch sie und durch das von ihnen herangebildere Geschlecht, ein Geist ächter Cultur und sittlicher Ordnung sich unter uns ausbreiten, und überall der Religion der Pfad geebnet werden, aus dem bloß Aeußerlichen in die Tiefe des Gemüthes zurückzukehren. Das werden die Tage sein des religiösen Fortschrittes, nicht aber der Gleichgültigkeit. Das Wort der Lehre, welches der Volkslehrer bei den Feierlichkeiten der Familien oder öffentlich an Festtagen verkündet, wird getragen sein von einem kräftigen allgemeinen Bewußtsein, wird durch seine Klarheit erleuchten, durch Innigkeit beseelen; die Kraft eines einzigen geistig durchgebildeten Gemüthes wird Tausende veredeln. So müssen die rechten Anstalten die rechten Lehrer, und die rechten Lehrer die rechten Gemeinden erziehen; da wie dort ist es die Pflege des gleichen Geistes,, der Schlag des gleichen Herzens." (Forts, folgt.) Leises Bedenken eines Rabbiners über die gegenwärtigen Hauptrichtungen in der Entwickelung des Judenthums. (Schluß.) Die entgegengesetzte Richtung finden wir in den Cultusverbesserungen mehrerer deutschen Gemeinden, und vornämlich in den Anordnungen der würtembergischen Oberkirchenbehörde, deren Aufgabe, eine rein praktische, nur durch äußere Institutionen, durch Feststellung und durch Veredlung der Formen zu lösen war. Und betrachtet man, was diese Behörde in so kurzer Zeit für die Synagogen und Schulen Würtembcrgs geleistet hat, so kann man in der Thar nicht umhin, rer ausgezeichneten Einsicht und Thätigkeit, so wie dem Eifer und Muthe derselben Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; ja man wird in

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