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Israelitische Annalen · 1841-02-12 · Heft 7 (12.2.1841) · p. Seite 54

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 7 (12.2.1841)
Date
1841-02-12
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 art in Ansehung des Rabbiners gespalten sind, zu einer friedlichern Uebereinstimmung gebracht werden. Ein Uebel, von welchem sogar kleine Gemeinden angesteckt sind. Die großen Gemeinden sollten ein Beispiel an Pesth und Raab nehmen und die kleinern werden bald Nachfolgen. 3) Daß das Rabbinat nicht ausschließlich an Verheirathete vergeben werde. Es ist unbegreiflich, wie dieser Mißbrauch sich eingeschlichen und so fest gewurzelt hat, daß ein Hausvater, der eine armselige Hausführung mit einem Halbdutzend nackter Kinder besitzt, gerade hierauf seinen ersten Anspruch gründet und um so leichter zum Rabbiner gehoben wird, während ein heller Kopf, der sich mühsam gediegene Kenntnisse erworben, bloß weil es ihm an Mitteln gebricht zu heurathen, zurückstehen muß.—Sobald das Erste in Erfüllung geht, daß eine Synode in Funktion tritt, werben diese zwei andern Punkte sicher in Anregung kommen, weil das Emporblühen der ungarischen Israeliten darauf beruhet, daß rationell denkende Männer in Wirksamkeit gesetzt werden und jeder durch Verdienst und Leistungen, und nicht durch Weib und Kinder zu einem Religionsamt gelange.— Ich bin von den guten reinen Gesinnungen der meisten Israeliten überzeugt, und weiß, daß es ihnen weder an Willen und Einsicht noch an Muth und Geist fehlt. Sie besitzen eine richtige Urtheilskraft, nur einer thatsächlichen Aneiferung bedurften sie, um mit vereinten Kräften Hand an's Werk zu legen. Durch solches Fortschreiten aber wird der sicherste und beste Weg gebahnt, das Wohlgefallen, die Gunst und Liebe unserer Magnaten und Herrschaften auf immer zu erhalten und der gütige Allvater wird das gute Streben gelingen lassen und mit dem schönsten Erfolg krönen. Prag, 29. Dec. 1840. (Schluß.) — Der letzte Theil, die Agava, bildete ein gerundetes Gayze. Als Text wurde die letzte Mischna in Ebujoth zu Grunde gelegt, deren dunkler Sinn vollkommen beleuchtet wurde. Rapaport sprach sich über die Zerwürfnisse der Zeit, den Kampf zwischen der altern und jüngern Generation vermittelnd aus. „Die Alten sollen nicht stehen bleiben, die Iüngern aber nicht zu sehr voreilen," hieß es in dem als Einleitung vorangeschickten Verse, einem rein poetischen Produkt. Der Geschichts- und Alterthumsforscher stellte 3 Perioden in der isr. Geschichte auf, wo immer dieserKampf zwischen dem alten und neuen Geschlechte sich unter derselben Gestalt wiederholte, und jedesmal durch die hierdurch sich bildende Reaction Rückschritte gemacht wurden. Die erste dieser Perioden zur Zeit des Königs Achas (schwierige Stellen Jcsaias 8, 3—17 den Zeitereignissen gegenüber, in's klarste Licht gesetzt); die Zweite zur Zeit des Tempelbaues, und/hier wurde Jesaias (Cap. 44 1 — 6), als Beleg angeführt, daß jeder, der sich Israelit nennt, dem allgemeinen Brüderbunde angehöre, und ist auch seine Denkweise in etwas verschieden, dennoch nicht ausgeschlossen werden dürfe. (Die Prophezeihungen im Jes.u. beziehen sich nach den meisten Commentaloren auf die Zeit des zweiten Temvels.) Die Zeit der Hasmonäer füllt nur die dritte Periode, wo jene Zwistigkeiten so stark wurden, daß die verschiedenen jüdischen Seelen bald darauf entstanden. Und so möge bei demselben Zustands der heutzutage auch bei uns eingelreten, die Geschichte uns zur Lehrerin dienen, nicht die Spaltung weiter einreißen zu lassen, und lieber Friede und Eintracht unter uns herzustellen, ein jeglicher bemüht sein. Beide Partheien dürften vorsichtiger zu Werke gehen. Die Alten in ihren Anathemen über jeden Fortschritt einhalten, und anstatt die Wissenschaft zu verdammen, sie vielmehr begünstigen. Es wurde auf die Vorfälle im Morgenlanbe hingewiesen, wo eben der intelligente Theil unserer Glaubensdrüder sich am wackersten und biedersten im Kampf bewiesen. Wiederum sollte aber auch die Iugend nicht gar zu eilig Vorbringen und sich dem Neuen, Frenidarligen kopfüber in die Arme werfen, sie dürste sonst auf ihrer Bahn irre werden, und den Weg in bas Mutterland nicht wieder finden. Wer, der auf der Warte der Zeit steht, wäre so blind, nicht einzusehen, wie nothwenbig der Fortschritt mit der Zeit sei, wer aber könnte es auch gleichgültig mit ansehen, wie unsere Fugend, ohne zuvor festen Boden gefaßt zu haben, unbedächtig davon läuft, gar leicht den Boden verliert, und sich die Leiter unter den Füßen wegziehen läßt. Einen Centralpunkt müssen wir haben, um welchen unsere Bestrebungen alle sich kreisen, und dieser müsse sein: Bewahrung des heiligen Erbes der Väter, bas von allen Schätzen als theuerstes Kleinod uns geblieben. Hierzu sei ein zweckmäßiger Iugendunterricht unumgänglich nothwenbig. Die Jugend werde von der Hand redlicher, für das Jubenthum glühender Männer in die Volksgeschichte eingeführt, ihr bei Zeiten Liebe für unfern Glauben eingeprägt! Die Lehrer der Jugend wurden mit den in der Nacht hellschimmernden Sternen verglichen, die als hellleuchtende Sonnen ihre Kreise beleuchten; und wie bas Licht, welches jene aussenben, bereits vor vielen Jahren von ihnen ausgegangen, bevor es unser Auge trifft; so auch die weisen Lehren verständiger Erzieher dem empfänglichen Gemüthe der Jugend anverlraut, schießen im Mannesalter erst als gedeihliche Saat empor, wo jene Lehren erst reife Früchte tragen. So wir nun unsere Jugend dazu erziehen, festzuhalten an der Lehre Gottes, und so wir der Wissenschaft immer ein weiteres Feld in unserer Mitte einräumen, wird der Gott der Väter uns stets beistehen, und die Ehre unsers Glaubens sich immer mehr heben in den Augen der uns umgebenden Völker, und an uns erfüllt werden das Wort Gottes. Alles dies, belegt mit rührenden Stellen aus der Schrift, den Propheten, Midraschim und Thalmuben, ergriff tief die Anwesenden; und ein jeder verließ den zweistündigen Vortrag innigst erbaut, über wichtige Dinge unserer Religion und Dolksgeschichte belehrt, an mannichfaltig schönen Ideen bereichert. Wie groß der Fortschritt sei, den dieser Vortrag bethätigte, weiß nur der zu würdigen, welcher die bisherigen vernommen hat, deren ganzer Zweck eine Darlegung aberwitziger Deutungen und chaotischer Schrlfterklärungen war voll Sophismen und lächerlicher Einfälle, die bas Heiligthum entwurdigien und dem Volke einen ganz verkehrten Begriff von dem Inhalte unserer Religionsquellen gaben. Die traurigen Wirkungen sind noch sichtbar, aber nunmehr ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß sie endlich verschwinden werden.

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