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Israelitische Annalen · 1841-02-12 · Heft 7 (12.2.1841) · p. Seite 53

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 7 (12.2.1841)
Date
1841-02-12
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 terstützt vom Recteur de l’Academie in 2lijr und den Behörden zu Marseille an auf Anstellung eines jüdischen Religionslehrers am College Royal zu Marseille, und verlangt einen jüdischen Restaurateur und einen Repetiteur für die Morgen-, Abend- und Tischgebete der jüdischen Eleven! — Mindestens wissen diese Portugiesen ihre Prinzipien besser zu behaupten, als Herr Fould mit seinem flachen Gerede in der Kammer! — Aus Ungarn. Jan. — In derkönigl.FreistadtEaschau in Oberungarn, wo früher nur eine einzige jüdische Famili wohnte, haben sich in Folge des 2». Artikels der letzten Landtagsbeschlüffe etwa 15 Juden niedergelassen. Der löbliche Magistrat dieser Stadt aber glaubt, ihnen dieses verwehren zu können, obgleich in genanntem Beschlüsse alle Städte, wo Juden die Niederlassung noch nicht gestattet ist, namentlich angeführt sind und Easchau sich nicht darunter befindet. Am 2. Januar d. I. kam nämlich der Herr Stadthauptmann von Haschke in Begleitung des Herrn Stadtlieutenants und eines städtischen Fiskals in die Wohnungen der meisten dortigen Juden — sogar auch in die eines gebornen Chaschauers — und eröffnete ihnen, daß er im Aufträge des löbl. Magistrates sämmtliche Juden aus der Stadt zu weisen habe, und daß sie daher binnen 5 Tagen Easchau zu verlassen hätten. Man hat natürlich die geeigneten Schritte gethan, um diesem Ansinnen zu begegnen, und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß die k. Statthalterei das Gesetz handhaben werde; immerhin aber sind derartige Vorfälle interessant genug, und verdienen schon darum veröffentlicht zu werden, weil sie einen neuen Beleg dazu liefern, daß die Engherzigkeit und das Vorurtheil, wenn sie durch das Gesetz besiegt sind, noch in den Schlupfwinkeln der Corporationen den letzten Widerstand versuchen. — Herr von Haschke, der mit der Ausführung jenes, den Beschlüssen des Landtags direct widersprechenden Befehles beauftragt wurde, war übrigens Dcputirter der Stadt Easchau bei dem letzten Landtage. N. S. Einer mir so eben zugekvmmencn Nachricht zufolge, hatte der Magistrat am 5. d. M. auf eine von den Juden eingereichte Bittschrift hin und, wie es heißt, auch in Folge einer Vorstellung des Herrn von Haschke seinen Beschluß zurückgenommen, und es sollten demgemäß nur einige Juden ausgewiesen werden, die es verabsäumt hatten, sich gehörigen Ortes zu melden. Am 9. d. M. aber ließ sich der Herr Stadtrichter von Fedak durch 30 Bürger, die hierüber zuerst dem Hrn. Stadthauptmann von Haschke und dann ihm ihre Unzufriedenheit bezeigt und auf die Verantwortlichkeit für alle Folgen hingewicsen haben, dazu bewegen, den Befehl zur Ausweisung aller Juden auf's Neue zu ertheilen. Denselben Tag wurde ihnen aufgegeben, bis zum 11. d. M. die Stadt zu räumen. — Ein anderes Schreiben aus Ungarn: Daß sich die Israeliten hier zu Lande, da wo sie Wohnsitze haben, einer ausgezeichneten Huld und Freiheit unter dem Schutze der hochherzigen Magyaren so sehr zu erfreuen haben, daß jeder, ohne Unterschied der Religion, an allen Zweigen der I Industrie, welche die mannichfaltigen Naturprodukte reichlich darbirten, Theil nehmen darf, daß die mosaischen Glaubensgenossen von dem hohen Adel reiche Begünstigungen und uuwidersprechliche Beweise von Humanität erhalten, baß der biedere Magyarensinn schon gegen tausend Jahre zum Wohl der Israeliten sich bewährt hat, indem diese nur einmal in der Mitte des 14ten Jahrhunderts über Verfolgungen zu seufzen hatten, daß wir endlich selbst von Magnaten uud von reichbegüterten Grundherrn zur Verbesserung •- unserer Schulen, zur Verschönerung unserer Anstalten und zur Erhebung unseres Gottesdienstes mit der herzlichsten Versicherung zu jeder nützlichen Beförderung auf die wohlwollendste Weise hülfreich beizustehen, so liebreich aufgefordert werden — verdient sicher in den Annalen bemerkt zu werden. Es ist wahrlich bewundernswerth, wie die ungarischen Israeliten, besonders in der jüngsten Zeit, zu einer zeitangemessenen Organisation religiöser Anstalten angeeifert werden, und welche große Hülfsmittel sie haben durch Eultur und kräftigen Aufschwung des Geistes sich zu einer der glücklichsten Gemeinden zu erheben und Gottes Wort zur Richtschnur ihres Lebens zu machen. Werfen wir nun unsere Blicke bei dem Anblick dieses Jahrzehend auf das vorige zurück, was waren wir 1831 und was sind wir 1841? Haben wir uns solcher Begünstigung und Freiheit damals wie jetzt seit dem jüngsten Reichstag zu rühmen? Waren solche Tcmpelschulen und Anstalten damals vorhanden, wie manche Gemeinden nun aufweisen können? War der Gottesdienst vor zehn Jahren so schön rein geordnet und so herzerhebcnd, wie er jetzt bereits gefeiert wird? Haben wir damals solche Rabbinen wie Herrn L. Schwab in Pesth und Hrn. I. Frey er in Raab gehabt, die mit ihren thalmudisch-theologischen Wissenschaften, keinem Rabbiner in Ungarn an scharfsinnigem Forschergeist nachstehen, und doch durch ihre zeitangemessenen rein moralischen Predigten thätig wirken und wegen ihres Eifers für Aufklärung und höhere Bildung allgemein gelobt und geliebt werden? Wenn nun fernerhin die Verbesserung unserer Zustände in unserm Vaterlande eine allgemeine und rationelle Verbreitung und Wirksamkeitgewinnen soll, sind drei Punkte noch unerläßlich nöthig: 1) Daß eine Synode, welche schon so lange vergeblich besprochen, obwohl als das allgemeine Wohl befördernd von jedem betrachtet wird, aus recht gebildeten Rabbinen und andern angesehenen Männern bestehend, zu Stande käme, wozu der hohe Adel nicht nur seine Einwilligung, sondern auch Beistand und Vorschub leisten will. Wenn auch manche! Rabbinen, welche jede Neuerung so gewaltig anfeinden, I dazu kommen, werden sie der Nothwendigkeit weichen, so- I bald ihnen durch allgemeine Diskussion die Augen geössi net werden; mindestens werden sie nicht als Fanatiker daj stehen wollen. 2) Das alle Gemeinden Ungarns zur Rabbinenwahl schreiten, damit mehrere tüchtige Männer in Wirksamkeit treten, denn es herrscht leider ein großes Ucbel iu Ungarn, daß es oft 5, ja auch 8 Jahre dauert, bis die Gemüther der Gemeinde, welche gewöhnlich durch verschiedene Dcnkungsr

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