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Israelitische Annalen · 1841-02-12 · Heft 7 (12.2.1841) · p. Seite 50

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 7 (12.2.1841)
Date
1841-02-12
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Padua in herrlicher Blüthe stehet. Und es kann auch nicht anders als erfreulich und herzerhebend für jeden Freund und Verehrer des Judenthums und der Wissenschaft fein, wahrzunehmen, daß dort in der That beide würdig vertreten werden, daß die tiefe Ehrfurcht vor dem väterlichen Glauben eine freie Forschung, eine besonnene Kritik des Ueberkommenen nicht ausschließt, daß die angeftellten Meister nach allem, was wir von ihnen vernommen, die Männer sind, von denen sich die Bildung denkender und begeisterter Religionslehrer erwarten laßt. Das dort herrschende Streben, die jüdische Theologie aus sich selbst heraus, auf ihren eigenen heiligen Grund und Boden anzubauen, ist gewiß höchst lobenswerth und verspricht die schönsten Resultate für die Wissenschaft, wenn auch die ersten Versuche nicht genügend erscheinen sollten, und Manche darin (seltsam genug!) einen Rückschritt zu gewahren vermeinen. Was ich dagegen befremdend finde, ist, daß die praktische Theologie dort keiner Pflege genießt, daß man wenigstens bei Fortbildung derselben dem Zeitgeiste jedes Stimmrecht abspricht, daß die Einführung neuer gottesdienstlicher Formen perhorrescirt, und jede dadurch erzielte Verbesserung als tadelnswürdige Nachgiebigkeit und Nachahmung fremder Sitte behandelt wird. In diesem Sinne spricht sich wenigstens Herr Professor Luzzato über die Bestrebungen der gebildeten deutschen Israeliten aus. Und doch ist diese nicht bloß unumgänglich nothwendig, wenn dem Jndifferentismus gesteuert und die Menge der Weltkinder der Religion wieder gewonnen werden soll, sondern auch ganz und gar jüdisch und mit dem Streben, die Eigenthümlichkeitcn Religionsprincipien zu bewahren, sehr wohl vereinbar. Muß nicht eine und dieselbe Idee, soll sie anders lebenskräftig in ihrer freien natürlichen Entfaltung in die Erscheinungswelt treten, zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Ländern, auf verschiedenen Bildungsstufen sich verschiedentlich ausdrücken, andere Formen annehmen? Dies hat mit der Unveränderlichkeit des Gesetzes nichts zu schaffen. Wer weiß nicht, welche Veränderung der jüdische Gottesdienst, und formell selbst die Religionsgesetze trotz ihrer Stabilität nur bis zum Abschluß des Thalmuds erfahren haben! Bekennt dieser nicht unumwunden, daß die Rabbiyen oft mosaische Einrichtungen abgcänderr? Und waren sie sich auch der fremden Einflüsse, die sie dazu vermochten, nicht bewußt, so waren diese darum nichts desto weniger thätig, und kann der Forscher, namentlich in ihren Rechts- und Ehegesetzen, die häufige Nachahmung des römischen Brauchs nicht verkennen. Warum sollten wir überhaupt anftehen, was wir anderswo in Sitten oder öffentlichen Einrichtungen, im Leben oder in der Wissenschaft als schön, wahr und zweckmäßig erkennen, bei uns aufzunehmen und cinzuführen? Selbst die Furcht, durch Abänderungen im Rituale Spaltungen herbeizuführen, ergiebt sich bei näherer Betrachtung als unbegründet, dahierin von jeher die größten Abweichungen ftattgefunden, und die Erfahrung unserer Zeit sattsam bewiesen, daß die öffentlichen Cultusverbesscrungen überall, wo die Einführung ohne Zwiespalt vor sich gegangen, die religiösen Partheien einander näher gebracht. Ich glaube daher zweifeln zu dürfen, ob aus jenem Institute auch praktisch-tüchtige Geistliche hervorgehen werden, wie sie unserer Zeit besonders Noch thun, Männer, die mit den geistigen Volksbedürfnissen eben so vertraut sind, wie mit den Satzungen und Brauchen der Religion, und den Muth haben, jene zu befriedigen und diese zeitgemäß fortzubilden. Gewissenhafte und selbftdenkende Gottesgelehrte, wird man sagen, werden im Amte aus dem Leben selbst am besten erfahren, was zur Belebung und Befestigung des religiösen Glaubens zu thun sei, und gewiß die nöthigen Vorkehrungen nicht verabsäumen. Dagegen ist aber zu bemerken, daß nicht jeder helldenkende Kopf, ja nicht einmal jeder scharfsinnige Kritiker sich von der frühe eingesogenen Verehrung alles Bestehenden, wenn es auch offenbar sein schädliches Bestehen nur einem alten Mißverständnisse zu verdanken hätte, loszumachen vermag, daß der Mangel an einer bestimmten praktischen Anleitung diese Aengftlichkeit noch vermehren muß, an der auch, sicherm Vernehmen nach, manche Zöglinge des Collegiums wirklich leiden. Mit desto größer» Schwierigkeiten werden dann die Thatkräftigcrn zu kämpfen haben, die nöthigenfalls das Herkommen dem wahrhaft religiösen Zeit- und Volksbedürfnisse zu opfern bereit wären, und jedenfalls ist dann bei den Anhängern derselben Schule an einem gemeinschaftlichen Plan und an gemeinsame Maßregeln in der praktischen Amtsführung und in den öffentlichen Einrichtungen nicht zu denken. Wird aber nicht dadurch die ungelehrte Menge in ihren Ansichten

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