Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 6 (5.2.1841)
- Date
- 1841-02-05
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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L iteratur. Eliah (,) der hochbegeifterre Prophet des Herrn, der Kämpfer für Licht und Wahrheit. Ein heiliges Lebensgemälde. — In neunzehn Kanzelvorträgcn, gehalten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg von Dr. Gotthold Salomon. Hamburg 18-10. Bei Perthes, Besser und Mauke, gr. 8. XU. 298 S. Mit Vergnügen unterzieht sich Ref. dem Geschäft, diese neueste Sammlung der homiletischen Arbeiten seines ehemaligen langjährigen Mitarbeiters in dem Weinberge des Herrn den Lesern der Annalen anzuzeigen. Denn nur auf eine Anzeige, keinesweges aber auf eine genau eingehende Kritik wollen diese Zeilen Anspruch machen. Herr Dr. S. ist nicht nur der Zeit nach, in welcher er lehrt, sondern auch dem Gehalte seiner Vorträge nach einer der ersten unter Israels Volkslehrern und Kanzelrednern; seine Predigten sind von der segenreichsten Wirkung, nicht nur bei seinen unmittelbaren Zuhörern, sondern haben auch den Weg gefunden zu den entferntesten Herzen und Seelen, im deutschen Vaterlaude, wie außerhalb desselben, da eine Auswahl derselben unlängst in's Englische übertragen wurde. Für diese Wirksamkeit in der Nähe und Ferne giebt die Thcilnahme des Pubikums, die ihn aufmuntert, so schnell eine Sammlung der andern folgen zu lassen, den sichersten Maßstab; bei der Anzahl von gedruckten Predigten, die in den letzten Jahren erschienen sind, findet sein Wort, so oft es auch anklopfe, freudigen Anklang und Eingang als das eines beliebten Redners. Die Vortragsweise Salomon's ist durch die bisher erschienenen Sammlungen hinlänglich bekannt, also baß bei Kritikern sowohl als Laien längst ein festes Urtheil sich gebildet haben muß; und auch diese theilen mit den früher» ihre Vorzüge, wie ihre Mängel. — Gegenwärtige Sammlung soll, nach dem kurzen Vorworte, mit dem „Moses, der Mann Gottes" und David, der Mann nach dem Herzen Gottes" ein dreifaches Band bilden, bas so schnell nicht reißen könne. — Aber gerade weil der Herausgeber selbst sie mit jenen beiden als einen ' (trifolium) betrachtet wissen will, muß Ref. an diesem Eliah dieselbe Ausstellung machen, die auch an den beiden frühern, wenn er nicht irrt, mehrfach gemacht wurde, und diese Ausstellung betrifft den Titel. Dieser ist bei jedem Bucke eben nicht das Unwesentlichste, eine richtige Wahl desielben daher nicht so leicht. Nach dem Titel sind wir berechtigt, eine genaue, tief eingehende, ja erschöpfende Charakteristik dieses hochbegeisterlen Propheten zu erwarten, zu verlangen, baß aus dessen Leben, Reben und Handeln das „heilige Lebensgemälde," wie es der Titel angiebt, auf das Anschaulichste und Kenntlichste hervortrete, durch seine überirdische ^Erscheinung unser Inneres ergreife, und, je fortgesetzter wir es betrachten, um so vollständiger auch in uns auftauche und zum Bewußtsein komme. In jedem Vorträge, der doch ein Theil dieses Gemäldes sein soll, mußte der Prophet die Hauptperson sein und den Vordergrund einnehmen; die Umgebung mußte nur m so weit stärker oder schwacher beleuchtet werben, als sie dazu beitragen kann, ihn in das rechte und volle Licht zu stellen; jede Darstellung, hier das Thema, mußte sich natürlich, wie von selbst, aus des Propheten innerem oder äußern Leben ablösen und immer dasselbe Bild in klarerer, vollkommenerer Gestaltung zurückstrahlen, nicht aber zufällig daran sich knüpfen und Gegenstände behandeln, bei denen Eliah im Hintergründe steht, auch wohl gar nicht sichtbar wird.' Dieser Forderung aber, die wir an die Sammlung als an ein Ganzes, an ein Lebensgemälde machen müssen, ist in keinerlei Weise genügt. Von den 19 Vorträgen sind, genau genommen, nur der erste: „Elias erste Erscheinung, der sechste: „E. Sieg auf dem Berge Carmel" und der letzte: >,E. Erhebung gen Himmel" bas, was sie sein sollen, bezeichnend und ihm entsprechend; die übrigen verbreiten sich über Nebenpersonen und Nebendinge fast mehr als über den Helden; ja, der I4te mit der Ueberschrift: „der Prophet auf dem Felde" hat. wider alles Vermuthen, Nicht den Eliah, sondern dessen Nachfolger Elisa zum einzigen Gegenstände. — Dagegen ist eine der Hauplstellen im Leben des E. die Erscheinung auf Horeb (1. B. d. K. 19. 9 u. ff.) unbezweifelt das Seitenstück zu der ähnlichen Erscheinung, die vor Mose an demselben Orte vor» überzieht (2. B. M. 34. 1—7), und dort wie hier GotteS Herrlichkeit in der Liebe offenbarend, nur im Vorübergehen gleichsam berührt im 12ten Vorträge; im Ilten, die denselben Text hat, wird ihrer gar nicht einmal erwähnt. Ref. halte gerade diese Stelle und die Worte: „nicht im Feuer ist der Herr" rc. als den Hauptaugenpunkt angenommen, aus welchem der Feuereifer, den dieser hochbegeisterle Prophet, dieser Kämpfer für Licht und Wahrheit mit seinem Vorgänger Mo>es theilt, und, wie zu wünschen wäre, recht viele wieder mit ihm theilen sollten,! betrachtet, und bas Charaktcrgemälde eines solchen, von heil ligcm Eifer getriebenen Gottesboten ausgenommen und ausgetührt werden muffe. — ES scheint baß der geschätzte Redner nicht von Anfang an nach einem wohl überdachten und entworfenen Plane gearbeitet, sondern daß E. nur die gele-! gentliche Veranlassung zu den Vorträgen gewesen und diese erst später, um das Dreiblatt vollzählig zu machen, als ein Ganzes an einander gereiht worden sind; ganz gewiß wür-! den sonst andere Themata zur Behandlung gekommen sein, als wir sie hier in Vortrag 3. 5. 7. 8. 14. rc. antreffen: die meisten derselben ließen sich an dem Leben andrer Personen, z. B. der Patriarchen, ober aus andern Te.rten eben so gut,; vielleicht noch vollständiger, entwickeln. — Abgesehen indeß von dem, was. sie hier gerade sein sollen, gehören diese 19 1 Vorträge, jeder für sich, unstreitig zu den besten geistlichen ij Gaden, die der Verf. uns dis jetzt gespendet hat. Zu den | früheren anerkannten Vorzügen einer bilderreichen Sprache,! eines lebendigen Ausdrucks, einer bedeutenden Kenniniß des 1 menschlichen Herzens und einer geschickten, ja kunstreichen Anwendung der alten Verhältnisse auf das Leben der Zeitgenossen , gesellt sich diesmal noch eine prägnante Kurze, welche die Wirkung zu erhöhen geeignet ist. S. bleibt nicht 1 stehen, sondern schreitet rüstig noch immer vorwärts, davon giebt vorliegende Sammlung wiederum sichtbares Zeugniß. und der Wunsch des Vorwortes. die gute Aufnahme betreffend, i dürfte sicher in Erfüllung gehen. Wie aus der Literatur j überhaupt, aus den Reben insbesondere, der Geist einer Zeit j und eines Volkes uns entgegen tritt, wie namentlich in den Reden der Propheten ein getreues Bild vom alten Israel |! sich darstellt, so dürfte einst das neue Israel, wie es ist, '! und was ihm Noth thut, auf baß eS besser werde, von der Nachwelt aus den Schriften und Reden der Jetztzeit erkannt;| werben; und unstreitig liefert S. zu diesem Bilde die ireue-!! sten Zuge m den lebendigsten Farben; wahrlich, kein gerin- |j gcs Verdienst, um befiwillen ihm mancher Mangel an logi-! scher scharfe, manche Schwäche in der mnern Anlage gern! zu gut gehalten wird. — § Die äußere Ausstattung des Buches ist splendid, fast! splenider, als es dem geistlichen Gewände gemäß ist; denn die allzulangen Terte, die oft zwei enggedruckte Seiten und! darüber füllen, so wie die Mittheilunz ganzer Lieder von mitunter 7 achtzeiligen Strophen batten besser wegdleiden können, da sie zum bessern Verständniß des Inhalts nichts beitragen und den Umfang des Buches, also auch den Preis, i ohne Noth vergrößern. — Eine englisch geschricdenene Zu-! eignung an Sir Moses Montesiore dürfte in den bekannten! Zeildeziehungen hinlänglich ihre Rechtfertigung finden; nicht so die Auslassung des Inhaltsverzeichnlyes, das Ref. mindei stcns willkommener als das Subscriptlons-Verzelchniß gewesen wäre. _ Dr. Kley. Damascia von L. H. Löwenftein. Diese zeitgemäße Schrift haben wir in der letzten Nummer des vorigen Jahrganges vorläufig kurz angezeigt und nach unserer Ueberzeugung charakterisirt. Zur Vermeidung einer daraus zum Theil bereits entstandenen Irrung, wollen wir hier eine etwas detaillirtere Analyse geben, damit der Standpunkt dieses auf jeden Fall anziehenden Buches richtig gewürdigt werden könne.