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Israelitische Annalen · 1841-02-05 · Heft 6 (5.2.1841) · p. Seite 46

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 6 (5.2.1841)
Date
1841-02-05
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 Nachrichten und Correspondenzen. Prag, den 29. December 1840. (Forts.) — In der äußern Form unterscheiden sich die R.'schen Vorträge nicht von denen der altern Rabbinen. Auch R. beginnt mit einigen hebräischen Versen, worauf eine Halachische Dissertation folgt, und hierin wie in seinen thalm. Vorlesungen bewährt er sich als gründlicher scharfsinniger Forscher und Crläuterer der Halacha. Sachkenner, denen ein unpartheiisches Urtheil zuzutrauen ist, bewundern die Geistesschärfe, womit R. in die Tiefen des Thalmubs einzudringen vermag. Den Haupttheil des Vortrags bildet die Agada, durch deren Inhalt dieser Gelehrte wesentlich von allen seinen Vorgängern und Zeitgenossen sich unterscheidet. Auch hier bewährt sich der scharfsinnige Forscher. Der lichtvolle nur Wahrheit suchende R. verschmäht es natürlicherweise in seinen moralisch-religiösen Vorträgen, alberne abgeschmackte Witzeleien aufzusuchen, wo durch Verdrehung und Verrenkung der schönsten und heiligsten Bibelstellen die Wahrheit mit Füßen getreten wird. Sein Genie hat sich auf diesem Felde eine neue Bahn eröffnet, die noch keiner vor ihm betreten. Er entwickelt das zu behandelnde Thema nach allen Seiten hin mit erschöpfender Umsicht und einer großen Gedankenfülle. Er will den Zuhörer nicht bloß unterhalten, er will ihn belehren. Wenn daher auch solche Vorträge bei manchen noch nicht gehörigen Anklang finden konnten, weil Viele noch an witzige Eregese oder jämmerliche und barbarische Erclamationen gewöhnt sind: so hört der Verständige desto aufmerksamer dunkle oder sich widersprechende Stellen der alten Quellen klar und der Wahrheit gemäß auseinandersetzen und erläutern; und so läßt sich mit Gewißheit voraussehen, daß ein besserer Geschmack, zugleich mit besserer Einsicht, bei uns einheimisch werden wird. Dies beweist auch schon die größtentheils beifällige Aufnahme, deren sich die diesmalige Rebe zu erfreuen! hatte. Es wurde zwischen derHataeKa und Agada ein 4tes Stück eingeschaltet, nämlich eine kritische Forschung über den eigentlichen Grund des Anzündens der Chanuka-Lampen. Wie alle Geistesprodukte dieses hochgelehrten Mannes, zeichnete sich auch die Untersuchung aus durch treffende Combination, umsichtige Benutzung und kritisch-scharffinnige Sichtung der Quellen. Ist es auch wegen Beschränktheit des Raumes , nicht möglich, die mit reichen Belegen, ausgestattete Darstellung ihrer ganzen Fülle nach wiederzugeden, so erachte ich es doch als Pflicht, das durch schlagende Beweisführung gründlich erörterte Resultat dieser Forschung in möglichster Kürze anzugeben. Denn die neue richtige Ansicht, welche hier über die Feier des Chanuka-Festes aufgestellt wurde, verdient die weiteste Verbreitung, da hierdurch viele schwer zu hebende Widersprüche, als auch mehrere wichtige Fragen,! worunter die bekannte Karo'sche Nr. 670, als auch die > Creizenach'sche, in der neu erschienenen Zeitschrift Zion! Nr. 1) einfach und zwanglos gelöst wurden. Chanuca und < Succoth stehen in innigster Beziehung auf einander; denn! letzteres, außerdem daß es als ein von Moses eingesetztes i Fest galt, wurden zur Zeit des Tempels auch als Erinnerungsfest der einstigen salomonischen Tempelweihe, welche um! diese Zeit stattgefunden, angesehen; und so erkläre sich die überj große Freude, welche alljährlich nach Erzählung des Thalmuds j an diesem Feste laut wurde, daß auch wir es noch heutzutage in unfern Gebeten Zeit der Freude heißen. Bei jedem Freudenfeste der Hebräer fanden Beleuchtungen statt (Esther VIII. 16); daher mit Sicherheit (?) zu schließen, daß während der 8tägigen Feier des Suceotli Jerusalem jeden Abend illuminirt wurde, und zum Beschlüsse die dem hellsten Tageslichte gleichkommen de Beleuchtung der ,"DK12'n rP2 nnDi5^ (More Nebuchim ii. 29.) Im selben Jahre als die Hasmonäer in's Feld zogen, konnte Succoth nicht gefeiert werden; als daher! diese den Tempel wieder erobert und gereinigt hatten, wurde jetzt das Fest als Fest der Tempelweihe begangen unter lauter Freude und großem Jubel (Makkab. II. 10). Die am Succoth gewöhnliche Illumination wurde ebenfalls veranstaltet, und diese Tage wurden dann als bleibendes Befreiungsfest eingesetzt, und somit auch der eigentliche Grund des Anzünbens der Lampen. Diese in Wahrheit begründete Erklärung des eben gefeierten Festes fesselte die allgemeine Aufmerksamkeit. (Schluß folgt.) Stuttgart, Dec. 1840. (Schluß.) — Im letzten Jahre warben an die Stelle der Austretenden 5 neue Pfleglinge, nur Mädchen, ausgenommen. Der Vater eines der ausge. nommenen Kinder war kurz vorher nach Monate langem Krankenlager und schwerem. Leiben gestorben. Tief rührten daher folgende Worte des' Redners! „Glauben Sie nicht auch mit mir, daß weit quälender und empfindlicher als die anhaltenden Schmerzen, die Ungewißheit für ihn gewesen sein mag: „Wer wird nach meinem Tode für meine armen Kinder sorgen? Werden sie nicht lieblos hinausgestoßen werben von lieblosen Menschen?" O vermöchten wir es doch, allen, welche in dieser bedauerlichen Lage sich befinden, die schwer auf ihnen lastende Sorge zu benehmen", so daß sie sterbend der mit Verzweiflung ringenden Gattin die tröstenden Worte noch zurufen dürften: „Gräme dich nicht; wohlwollende Menschen werden für unsere Kinder sorgen, sie werben nicht verlassen, nicht hülflos umherirren." Nachdem der Redner ferner über den Tod eines Pfleglings und die Zurücksenbung eines andern Unverbesserlichen t in seine Heimath, der übrigens unter die strenge Aufsicht des Kirchenvorsteher-Amts seines Geburtsorts gestellt worden, berichtet, fahrt er fort: „Wozu den aber solche Anstalten, — so hört man einzelne Stimmen sich äußern — wenn solche Kinder nicht zu retten sind? „Lassen wir uns durch solche harte Urtheile nicht einschüchtern; wir würben sonst dem Gärtner gleichen, der seine Pflanzen zu begießen säumt, weil doch unter Hunderten Eine verdorret. Mochten sie uns erst belehren, diese strengen Richter, wenn es ihnen Ernst um die Sache ist, wie man cs anzugreifen hat, um bei solchen gesunkenen Wesen eine völlige Sinnesänderung zu bewirken,—wie von Herzen dankbar wollten wir ihnen sein. — Unser Wahlspruch sei und bleibe: Menschenglück befördern, so viel wir können. Unsere wahren Freunde werben unser Wirken mit Nachsicht und Wohlwollen bcurtheilen; sie werden der Wirksamkeit des Vereines Gerechtigkeit widerfahren lassen und stille anerkennen, daß manches Werthvolle und Gute geschehen ist, manches, das sich nicht in Rahmen und Ziffern fassen läßt. Gestützt auf die Theilnahme dieser Freunde wollen wir unser Werk muthig fortsetzen. Durch diese theilnehmende Liebe, die einer sanften Flamme gleich ihre erwärmenden Strahlen weit, weit verbreitet, die Alles in ihren Kreis zieht, was einen gemeinschaftlichen Vater im Himmel mit uns anbetet — durch diese Liebe kann es uns auch in der Zukunft nicht fehlen. Die zehnjährige Geschichte unseres Vereines gicbt redlich Zeugniß, daß dieses Gefühl heimisch ist in unserem Vaterlande, erkannt und geübt wird vom Gesalbten, der Krone und Scepter der Erbe trägt, bis hinunter zum Niedrigsten, heimisch ist in unserem theuern Vaterlande, wo (Dank dem bessern Geist der Zeit) Eintracht und Friede unter den Bekennern der verschiedenen Religionen herrscht, die Rechte der Vernunft geehrt werden und jedem freigestellt bleibt, Gott nach der Ueberzeugung seines Gewissens frei und ungehindert zu dienen. Ein schönerer Edelstein als diese mit strenger Gerechtigkeit gepaarte Liebe findet sich nicht in der Krone unseres theuern Landesvaters; sein reines Feuer schmilzt die Fesseln, die einen Theil seines treuen Volks so empfindlich drückten, und wird, deß sind wir gewiß, sie zerstören bis auf die letzte Spur!" Den Schluß der Feier machte bas vom Liederkranz gesungene Lied: „Nur in des Herzens heilig ernster Stille rc." Hierauf folgt im Bericht das Verzeichniß der neuaufgenommenen Pfleglinge von Assessor Dr, Weil. Mit Bebauern vermißten wir diesmal den sonst so geist- und gemüthvollen Vortrag dieses Herrn, der sich schon so viele Verdienste um den Verein seit seinem Bestehen erwarb. — Zuletzt eine lieber» sicht über die Kasse-Verwaltung von Kassier Blumenfeld.

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