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Israelitische Annalen · 1841-02-05 · Heft 6 (5.2.1841) · p. Seite 48

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 6 (5.2.1841)
Date
1841-02-05
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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48 Herr L., bisher nur durch exegetische Werke bekannt, betritt hier bas publicistische Gebiet, jedoch nicht als Theoretiker, sondern vielmehr als fühlender und denkender Mensch, der den Lauf der Begebenheiten beobachtend, die Thatsachen sammelt und den dadurch angeregten starken Empfindungen, besonders aber dem Unwillen über Ruchlosigkeit auf der einen unb Kaltfinn auf der andern freien Lauf läßt, mitunter auch die Irrenden zurechtzuweisen geneigt ist. Eine solche Mischung der wechselnden Eindrücke läßt die in einem literarischen Werke über Geschichte eigentlich zu fordernde Ruhe ünd Besonnenheit, welche allein volle Klarheit der Ansicht entwickeln kann, nicht zu, vielmehr zeigt sie ein beständiges Fluctuiren, nach Maßgabe der augenblicklichen Anregung, — aber sie verstärkt andrerseits die Lebendigkeit der Bewegung, und zugleich die ganze Individualität der Darstellung, beides von nicht geringer Wirkung auf den Leser, und geeignet die Tbeilnahme zu wecken. Bei vorliegendem, in ganz Europa fast bis zum Ueberdruß durchgesprochenen Gegenstände, hat dies dem Buche einen starken Reiz gegeben, welcher durch das an mehreren Stellen sehr glückliche stylistiscke Talent des Derf. noch erhöht wird, wenn gleich wir nicht läugiien dürfen, daß ^bisweilen der Redefluß allzustark ausströmt Und die GedaiEen in's Unbestimmte fortlreibt, und daß die Ge-, reiziheit der Empfindung öfters von der Ironie da Ge-' brauch macht, wo nur Persönlichkeiten, die der Sacke zufällig auf Augenblicke angehörten (wie z. B. Thiers) angegriffen werben, deren unwürdiges Verhalten längst von der öffentlichen Meinung verurtheilt ist. Dies im Allgemeinen. Der Eingang von XXX Seiten giebt eine Ansicht von der Gemüthsbeschaffenheit, welcher die Schrift ihre Entstehung verdankt. Sie ist stark ausgedrückt und namentlich stellt sie die traurige Lauheit unsrer Zeit gegen die, wenn auch für Irrthum kämpfende, thatkräftige Vorzeit in scharfen Gegensatz, und das unerwartete Verhalten der französischen Staatsmänner in dieser Angelegenheit wirb mit einem Hinblick auf die Zeitverhalknisse charakterisirt. Auch ist der fragliche Gegenstand, die Beschuldigung und die Art der Procedur kurz und ad hoininem beleuchtet. Dagegen kommen gegen den Schluß S. XXVI —XXX mehrere Persönlichkeiten und übereilte Tiraben, die als Beleg zu dem dienen, was wir an dem Buche nicht gut finden. Niemand wird die Schilderung eines Staatsmannes, wie sie S. XXV! u. XXVII sich findet, billigen, noch in der Apostrophe XXIX das Original, welches nicht genannt ist, erkennen. Im Isten und 2ten Cap. bis S. 142 werben die Aktenstücke, welche die Thalsacke betreffen, vorgclegt und manche gute Bemerkung hinzngrfügt. Zu letztern rechnen wir ganz besonders, — von der moralischen S. 34, als nickt dahin gehörig, absehend — die S. 35, daß den Zellstimmen der Tagesdlälter nicht der Werth geschichtlicher Urkunden beizulegen sei, sondern der eines traurigen Nachweises von dem Gebrauche, welchen die Tagesschriflsteller von ihren Organen machen, und dessen, was von Leuten zu erwarten sei, wenn die Reihe an sie käme, zu handeln! — Sehr wahr und leider sehr traurig! Was dort kurz bemerkt ist, findet man S. 81 noch etwas deutlicher enthüllt, nur schade, daß nicht geradezu mehrere Beispiele, wie das eine, S. 82, aufgestellt sind, obwohl schon das eine sehn viel sagt! So wird mit der Tagesliteratur, welche die öffentliche Meinung, vertreten und lenken soll, auf schändliche Weise gefeilscht! — ' (Es ist hier nicht der Ort, aber Anlaß mögen unsre Leser davon nehmen, auf die Glaubwürdigkeit und Unpartheilichkeit vieler Blatter, die lediglich aus Industrie entstehen, und nur durch Lobhudelei und durch bittere Anfeindungen vermeintlicher Gegner bestehen, einen Schluß zu ziehen! —) Recht zweckmäßig schildert der Vf. — gleichzeitig auch der, wie er sich ausbrückt, eben so oft schmeichlerisch gerühmten, wie noch öfter boshaft und neidisch geschmähten Familie Rothschild Gerechtigkeit widerfahren lassend — die vielfach thatkräftig gewordene Theilnahme vieler Individuen in Europa, recht gut, um abermals seinen Tadel gegen die, welche bestimmter einwirken konnten, auszusprechen. (Schluß folgt.) Anzeige. jrcs Zion. Hebräische Zeitschrift für Theologie und deren Hülsswiffenschaften. Herausgegeben von Dr. M. Creizenach und Dr. J. M. Jost. J¥? S. Inhalt: 1) Schluß des ersten Aufsatzes (Sendschreibens) von Nro. 4., mehrere Mißbräuche ünd Mißverständnisse in der Theologischen Praxis beleuchtend. 2) Ein Stück aus einer größer» philosophischen Abhandlung des Herrn Sal. Rosenthal in Pest'h, im reinern philosophischen Styl geschrieben. (Wir würden, wenn nicht der Raum uns beschränkte mehr daraus haben liefern können, glauben aber ohnehin, daß diese transcendentale Philosophie, obwohl im freiem Raisonnement trefflich stylisirt, eher der allgemeinen Wissenschaft als der Theologie insbesondere angehört; und darum genüge die Probe. Diese Bemerkung möge einerseits die Redaktion rechtfertigen, andrerseits zur Entwickelung der Grundsätze für künftige Beiträge bienen, deren Feststellung noch manchen Schwierigkeiten unterliegt.) 3) Der Schluß der Reeension des Herrn Dr. Hirschfcld, über den wahren Zweck der Predigt in der Synagoge. 4) Auszug aus einer Corresponden; zwischen Herrn Dr. Geiger und einem sehr viel versprechenden jungen Forscher in Polen, welcher verschiedene interessante kritische Entdeckungen gemacht hat. 5) Schreiben des Herrn Munk an die Gemeinden in Aegypten. (Aus Alexandrien im September 1840.) 6) Addressc des Herrn S. D. Oppenheim, an Herrn Cremieux, im Namen der vielen Verehrer ihm bei der Tafel überreicht. 7) Nachricht des Herrn Dr. Creizenach über ein ' Manuscript aus dem Nachlaß des sel. Heidenheim, — Uebersetzung des Emunoth von Saadja ins Hebr. von einem unbekannten Vf. — mit Probe daraus. 8) Ein Wort an die Londoner Gemeinden über die dort verbreitete Proselytenmacherei. Nro. 6 bringt das treffliche Gedicht Luzzato's, betitelt -p-i, worauf wir vorläufig aufmerksam machen. Die Redaktion der hebräischen Monatschrift Zion in Frankfurt am Mäin. Von der hebräischen Monatschrift Zion erscheint jeden Mondmonat des jüdischen Kalenders eine Nummer, bestehend aus einem Bogen in gr. 8. — Sollte eine verbreitetere Theilnahme es irgend möglich machen, so werden wir uns beeilen, die Lieferungen zu vermehren. Preis des Jahrgangs fl. 2. 12 kr. rhein. Man subscribirt in allen Buchhandlungen und bei allen löbl. Postämtern, in Frankfurt a. M. bei dem Unterzeichneten, so wie auch in der I. D. Sauerländer'schen Buchhandlung. I. S. Adler, Inhaber einer Verlagshandlung jüdischer * Schriften. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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