Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 5 (29.1.1841)
- Date
- 1841-01-29
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133880--1014-3135216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Diele höchst interessante kritische Bemerkungen und Hypothesen knüpfen sich hieran, auf die wir an einem andern Orle näher eingehen werden. Hier genügt es, auf die bei rabbinischen Gelehrten zur Zeit noch halb verpönten Resultate austnerksam zu machen. 3) Noch wichtiger und in der rabbinischen Literatur ganz unerhört ist die Untersuchung über Zeheskel, die kleinen Propheten, Daniel und Esther; wobei eine nähere Bestimmung des Begriffes der großen Synagoge unerläßlich, denn diese wirdals Redakteur jener Sammlungen genannt. Dieselbe wird als etwa 8 Geschlechter hindurch bestehend nachgewiesen, von denen die ersten 4 die eigentliche Gr. Synagoge sind, die übrigen mit dem Worte Reste der Gr. Synagoge bezeichnet werden. (Kr. führt hier die Vorstellung genauer und detaillirter vor, die wir in der Allgemeinen Geschichte des Israelitischen Volkes B. 1. S. 440 Anmerkung, kurz ausgesprochen haben). Die Beweise dafür sind sprechend und triftig. Nun wirb ferner bargethan, daß einige Stücke in den Prophetien den Kleinern Propheten, offenbar eine Zeit betreffen, welche Esra nicht erlebt hat, und auch hier ergiebt sich das überraschende Resultat einer erst zur Zeit der griechischen Herrschaft vollendeten Redaktion. Die Hauptstellen Zach. ix. 13—-14 und X. 3 u. 11 und deren Commentare werden hier näher in'ö Auge gefaßt, und mit andern kritischen Combinativnen in Uebereinstimmung als Belege zu der auch anderweitig sich ihm bestätigenden Hypothese benutzt. Daniel ergiebt sich als eine Zusammensetzung aus mehrern Urkunden, a) Nebukadnezars Traum; b) Geschichte der 3 Männer; v) Brief des Königs; d) Schmaus des Balschazar; e) Daniel in der Löwengrube, zur Zeit Darius i. Diese 5 Stücke betreffen die Zeit dreier nach einander regierenden Könige, jedes ist aber selbstständig, k) Daniels Traum aus der Zeit Balschazars, gleich den ersten 5 Urkunden chaldäisch, mit einer Ueberschrift von fremder Hand. 8) Drei andere Urkunden, Geschichte enthaltend, in hebräischer Sprache, doch im Zusammenhänge mit der 6ten, in Betreff der Zcitfolge. li) Das Gesicht vom Widder rc. i) Das Gebet und die Betrachtung der 70 Jahre, k) Das letzte Gesicht in seiner vollen Ausführlichkeit. — Deutlich erkennt man die vier Herrschaften in den letzten vier Stücken, nämlich der Chaldäer, Perser, Griechen und Seleuciben, letzterer bis Antiochus Epiphanes. Im letzten Stücke sieht man den Kampf der Ptolemäer mit den Seleuciben vollständig und noch mehr Einzelnheit beim Epiphanes. Aus den Apokryphen ersieht man, daß damals über Daniel und seine Gefährten noch mehr Urkunden existirt haben, obwohl man hiervon nur die obigen in den Kanon aufnahm und nach innern Gründen ordnete, wobei einige chronologische Angaben über Daniel selbst darin einander widersprechen. Schon in Beresch. Rabb. 85 werden die Anachronismen erörtert, und Kr. meint, baß dort schon die spätere Redaktion angenommen ist. (Uns scheint diese Erläuterung nicht genügend, mindestens kann diese Bemerkung die Gegner nicht überzeugen.) Betreffend Esther, so stimmt Kr. der Ansicht bei, die Geschichte in die Zeit des Kyarares zu setzen, aber die Abfassung des Buches gehört seiner Ansicht nach einem später» Zeitalter an; denn bas vorhandene Buch ist nach alter Tradition eine zweite Recension, ähnlich der altern in Inhalt, und besser in Geist und Sprache; auch ist wahrscheinlich, daß jene chaldäisch geschrieben war. Diese Tradition bestätigt sich aus dem Buche selbst, IX. 19. 20. 23. 28. 29. 30 wobei 32 auf die Aufnahme dieses Buches in den Kanon deutet. Im zweiten Buche der Makk. findet sich noch ein Beleg zu der Auffrischung des Purimfestes. — Höchst interessant ist die kritische Erörterung der traditionellen Ansichten über das Buch, welches vor der Anfügung desKoheleth, das letzte im Kanon war, und welches man nur halb für heilig hielt. Das Buch des Propheten Ieheskel wirb schon von! den Alten einer sehr späten Redaktion zugeschrieben; aber j bas Ganze ist, mit einigen Uysteron - proterou in Hinsicht j der Prophetien über Tyrus und Aegypten, in sich einig, und! tragt in Sprache und Inhalt so sehr bas Gepräge der Aechtheit, daß kein Zweifel sich dagegen erhoben hat. Es ist demnach der Grund jener Traduion nicht zu erkennen, und bleibt ein Problem.! 4) Das Buch Koheleth giebt am Schluß eine War- I nung, die schon von den Allen auf eine etwaige Erweiterung! des Kanons bezogen wird, und dieß beweist, daß es das letzte im ganzen Kanon war. Nach dieser Einleitung dringt der Vf. ein in Sprache und Inhalt, und beweist, daß erstere offenbar dem Verfall der alt-biblischen Sprache angehört, letztere aber einerseits dem herrschenden Religionssystem zwar überall eine fatalistische Ansicht gegenüber aufstellt, aber daß! diese auf keinen Fall zur griechischen Philosophie auch nur entfernt eine Beziehung hat; worauf er zu der Hypothese gelangt, daß sowohl die Bilder als die Darstellung des Ideenganges der Zeit angehort, da das Persische Reich zu Grunde ging. VH. 19 soll sich auf den Krieg des Darius gegen Athen beziehen. (?) Die Untersuchung, wie wir sie vor uns haben, stützt die Hypothese zwar im Allgemeinen, aber, wie es uns vorkommt, nicht im Einzelnen, worin auch der Vf. wohl zu weit geht. Es ist genug, wenn die ungefähre Zeit der Abfassung ermittelt worden; die Namen bleiben, als wahrscheinlich fingirt, wohl ewig das Geheimniß der Vorwelt. Einige Anspielungen aber dürften durch die Zeit der Abfassung noch ergründet werden, und diese selbst bestätigen. Angehängt ist noch eine polemische Anmerkung gegen Luzzato über die frühern Streitigkeiten. Der Gegenstand ist wichtig genug für die Wissenschaft, doch wollen wir uns nicht darauf einlassen, und wünschten nur, daß jede Bitterkeit vermieden wäre. Die wenigen Proben, die wir von dem ausgezeichneten kritischen Geiste des Verstorbenen hier vor uns haben, werden unsre Leser überzeugen, wie viel Gediegenes wir noch von der Redaktion seines Nachlasses zu erwarten haben. Sie genügen aber auf jeden Fall, um zu zeigen, baß nur Unkunbe es wagen konnte, von einem so tiefen Forscher geringschätzig zu reden. (Fortsetzung folgt.)