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Israelitische Annalen · 1841-01-29 · Heft 5 (29.1.1841) · p. Seite 35

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 5 (29.1.1841)
Date
1841-01-29
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 Viele enthalten sich oft Wochen lang ganz und gar aller Speise." — Wahrscheinlich meint der Vers, hier einige Schwärmer, die in 8 Jahren dreimal ein strenges Fasten beobachten. „Manche giebt es, die mehrere Monate nichts als Milch und Brod genießen." Ohne Zweifel hat er von den ersten 9 Tagen des Monats Ab gehört, in denen der allgemeine Gebrauch herrscht, kein Fleisch zu essen; das braucht man nicht erst in Krakau zu erfahren. „Ein nicht unwesentlicher Thcil der hiesigen Judenschaft besteht aus der Sccte der Chasidim,— die sowohl durch strenge Orthodoxie, wie durch ihr Fasten sich auszeichnen." Das war nie ihre schwache Seite, besonders der Kuzker. „Der Geist der Rache ist nicht minder lebendig in jedem Juden. (?)" Wie in aller Welt hat der Reisende so schnell alle Gesinnungen erforscht? Höchstens konnte er Haß gegen die Polen wahrnehmen, die indeß immer den angreifenden Theil bilden. „Ich sah auf dem Kopf einer alten Jüdin eine Haube, die von einer großen Zahl Perlen und Diamanten strotzte, deren Werth sich auf 3—4000 Ducaten beläuft." Diese Acußcrung ist mindestens eine starke Ucbcrtreibung, und zwar leicht von sehr nachtheiligcn Wirkungen für die Betheiligten. Um so eher hätte der Schriftsteller sich erst von der-Wahrheit überzeugen sollen. „Man erblickt selten Schönheiten unter diesen Jüdinnen, deren sittlicher Zustand mcistentheils (?) höchst verderbt und ausgeartet ist." Dies ist leider zum Thcil wahr, gilt jedoch nur von der niedrigsten Klasse, und zwar weil man sie früh als Ladenmädchen benutzt, wo sie der Verführung der jungen Ausschwciflinge vom Adel zu sehr ausgesctzt sind. Nur gute Schulen können diesem Uebel abhelfen. „So dürfen zur Zeit des jüdischen Osterfestes die polnischen (?) Juden nichts besitzen, was sie in Verkehr mit der Außenwelt brächte (?) oder ihr Interesse an dieselbe fesselte (!!), daher müssen sie denn jedes Besitzlhum, mit dem sie Handel treiben, veräußern ('.!!)" Was sagen Sie zu dieser Ignoranz? Ja zu diesem entsetzlichen Unsinn? — Und diesen lesen wir anderweitig ohne Bemerkung abgcdruckt! „Genug für diesmal. Es gäbe noch mehrere Dinge zu erörtern, als, der angeblich unermeßliche Rcichthum des Rabbinen, und die daran geknüpfte halb erlogene Geschichte rc. — Aber aus diesen Proben wird man sehen, was von solchen Berichten zu halten sei." Wir bedauern, daß Herr Theodor Mundt, dessen schriftstellerische Verdienste wir gewiß in vollem Maaße anerkennen, zu einer solchen Rüge Anlaß gegeben hat; indeß ist es besser, die Fehler aufzudecken, als sie weiter wuchern zu lassen, und selbst dem Verfasser mag es erwünscht sein, die Mißverständnisse enthüllt zu sehen, die wahrscheinlich durch die ihm ertheilte unklare Auskunft veranlaßt worden. Nene Leistungen der kritischen Schule. (Fortsetzung.) Es folgen vier vortreffliche Auszüge aus N. Kr schmal s Werken, eines Gelehrten und Kritikers, dessen Verlust wir sehr zu beklagen haben, und durch das Erscheinen seiner Forschungen nur um so stärker empfinden. 1) Ueber die Ansicht der neuern Kritiker, daß der zweite Thcil des Iesaias einer später» Zeit angehöre, welcher Kr. unbedingt beitritt; (so viel uns bekannt, unter den rabbinischen Gelehrten der Erste, der dies ausspricht.) Obwohl dieses, sagt er, dem Herkommen zuwider läuft, müssen wir doch den neuen Kritikern hierin Reckt geben, und selbst die Gewissenhaftigkeit derer, welche nur dem Alter huldigen, darf sich beruhigen, da ja schon Andeutungen derselben Ansicht in den ältesten Quellen sich vorfinden. Wahrscheinlich habe man dieselbe nur den besten Schülern heimlich offenbart, und sei sie dadurch endlich verloren gegangen. Jedenfalls mache Aden Esra kein Geheimnis mehr aus seiner abweichenden Meinung, wenn er sie auch nicht ganz frei ausspricht. Die Belege dazu werden hier klar entwickelt. — Der Verf. zeigt noch insbesondere, daß der Glaube an die Prophetie keincsweges dadurch gestört werde, daß man in derselben nach Maßgabe der Einzelnheit der verkündeten Ereignisse die Zeit ihrer Abfassung erkenne; es sei vielmehr ausgemacht, daß je entfernter in der Zeit, desto allgemeiner die Verkündigung, je näher, deste specieller. 2) Ueber Abfassung Esra's und der Chronik; in Bezug auf die altern Quellen-Angaben Baba Bathra 14. 2, in welche der Vf. tief eindringt. Er zeigt erstlich die Einzelnheit der Bestandtheile, woraus die Bücher zusammengesetzt sind, aus welcher Darstellung sich bis zur Evidenz ergiebt, daß die Namen bis auf die Zerstörung des persischen Reiches eingetragen find, folglich die Bücher erst zur Zeit Aleranders die gegenwärtige Gestalt erlangt haben, obwohl noch Spuren der altern in den Apokryphen zu finden. Der Untersuchung unsers Krittkers zufolge, dienen die fünf Namensverzeichnisse des Buches Esra zur Ausfüllung eines Zeitraumes von 211 Jahren, wodurch der große Hiatus, den wir einst in der Geschichte dieser Zeit bemerkt haben, nämlich von eirea 180 Jahren, welche uns fehlten, allerdings geschlossen wird. 5*

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