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Israelitische Annalen · 1841-01-29 · Heft 5 (29.1.1841) · p. Seite 34

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 5 (29.1.1841)
Date
1841-01-29
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 der Behandlung religiöser Fragen im innersten Prinzip fehl greift. Die Feierragsfrage kann nur entschieden werden,— erstlich von Seiten der Gesetzlichkeit. Ist der zweite Feiertag ein gesetzlicher, so hören alle ökonomischen Betrachtungen auf; denn sonst und diese! auf alle Gesetze anwendbar. Ist er zweitens von ji andern religiösen Rücksichten geboten, so haben die Theologen zu untersuchen, wiefern diese Rücksichten noch obwalten, oder jetzt völlig beseitigt werden könj nen und dürfen. Ja selbst drittens, wenn bloß j moralische Gründe, als etwa die Versammlung des Volkes zur Belehrung und Erbauung, der Feier unterliegen, treten noch immer die ökonomischen Rücksichten in den Hintergrund, denn die durch den Gottesdienst zu erzielende moralische Kraft muß ersetzen, was die kleine Unterbrechung dem Arbeitenden entzieht. Dagegen würde man andere moralische Gründe gegen jene zu erwägen berechtigt sein, und käme cs dann darauf an, welche als stärker erkannt würden. j Eine Veranschlagung der Abhaltung jedoch nach! Geldwerth erscheint uns bei religiösen Materien von so heterogener Natur, daß wir die bloße Idee, die religiösen Institute den Geldinteressen gegenüber in die Wagschale zu legen für die moralisch verderblichste halten. Welche Begriffe soll das Voll von den Anstalten seiner geistigen Bildung und gemüthlichen Erbauung bekommen, wenn es diese wie eine Waare nach Geld berechnen sieht, und erstere gar der Gewalt des letzteren weichen sollen? Wollte man eine solche Ansicht folgerechtdurchführen , so müßte alle auf Gottesdienst und auf Ceremoniel bei Familienereignissen, Geburten, Hochzeiten, Leichenbegängnissen rc. verwendete Zeit eben so als Verlust an baaren Einkünften gerechnet werden, und zuletzt bliebe nichts von Werth übrig, als das kalte, nach Zahlen sich abstufende Geld, und der elendeste Egoismus des Eigennutzes! Nein, auf solcher Grundlage läßt sich kein religiöser Bau errichten, so sehr auch die Zahlenverhaltnisse jedem einleuchten. Eine Erörterung der j Frage aber nach innern Gründen wäre allerdings wünschenswerth. Hierzu wäre zunächst die Geschlchte der Doppelfeier aufzusuchen; dann sind die verschiedenen Ansichten darüber abscitcn theologischer Autoritäten nachzuweisen, und endlich wird das Herkomj men und die Ausdehnung desselben mit allen seinen Wirkungen von moralischer und religiöser Seite beleuchtet werden müssen, wenn ein bestimmtes Ergebniß zur Wahl einer sichern kirchlichen Praxis erzielt werden soll. Zrrthümer -er Reiseberichte über Krakau. Oftmals haben wir schon darauf hingewiesen, wie Reisende, denen man sowohl ihrer Bildung als auch Beobachtungsgabe wegen, einiges Vertrauen schenken möchte, doch bei näherer Ansicht der Berichte, welche sie veröffentlichen, diesem Vertrauen keinesweges entsprechen, vielmehr besonders über Gegenstände, die ihnen nicht nahe genug liegen, mit einer unverzeihlichen Flüchtigkeit ihre Notizen aufschreiben, so daß die daraus spater gemachten Schilderungen dem dargcstcllten Objekte gar nicht ähnlich sehen. Wir haben jetzt ein neues Beispiel der Ar: vor uns, indem wir folgenden Auszug eines uns von Polen her zugekommencn, von sehr kundiger Hand herrührendcn Schreibens mitthcilen. „Der rühmlichft bekannte Herr Theodor Mündt giebt in seiner neulich erschienenen Völkerschau Th. 1 eine Schilderung vom Zustande unserer Glaubensgenossen in Krakau, welche auch in andere Blätter ohne alle Bemerkung übergegangen ist. Diese Schilderung, obgleich aus einem theilnehmenden Herzen geflossen, trägt so sehr den Stempel der Uebertreibung und die Farben sind so grell, daß schon deßhalb eine Erörterung nöthig wäre, damit nicht ein so in die Augen fallendes Bild die Unwisscden reize und zu anderweitigen Abschilderungen benutzt werde. Aber abgesehen hiervon wimmelt die Darstellung von groben Fehlern und Unrichtigkeiten so sehr, daß man hier darüber lachen mußte; und ist auch einem Nicht-Juden mancher Mißgriff nicht zu verargen, so hat man sich doch überall gesagt: die Annalen werden dieselben nicht ohne Rüge aufnchmen. *) Mögen demnach mindestens folgende Punkte gewürdigt werden. Es heißt bei Mundt: ,,Die Genügsamkeit dieser armen polnischen Juden ist höchst merkwürdig. *) Es ist Grundsatz der Annalen, aus Büchern keine Excervte aufzunehmen. D. H.

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