Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-01-22 · Heft 4 (22.1.1841) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 4 (22.1.1841)
Date
1841-01-22
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133879--1005-3135206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

28 Soviel bis jetzt bekannt geworden, hat freilich die Sache bei den Gemeinderä'rhen dieses Kreises durchaus keinen Anklang gefunden und nur bei einzelnen israel. Religionsvorstanden den Erfolg gehabt, daß sie in ihrem Jahresbudget eine kleine Summe dafür bewilligten. Man muß es bekennen, der Sinn für Ackerbau und Handwerk ist bei den Hessischen Landjuden sehr wenig rege, und an Aufmunterung fehlt es zur Zeit ganz und gar. Dennoch würde der in Rede stehende Verein, besonders in Rheinhessen, wo der Sinn im Allgemeinen geweckter und aufgeklärter ist. Ersprießliches leisten, wenn er nur erst einmal über einen ordentlichen Fond verfügen kann. Wir erstaunen über diesen Kaltsinn nach einer von oben herab so deutlich beurkundeten Theilnahme. Mögen immerhin die anderweitig beschäftigten Behörden dieser Sache nicht Gewicht genug beilegen, vielleicht auch hie und da durch das Mißlingen manches Versuches sich abhalren lassen, ihr mehr Sorgfalt zu widmen; aber wohldenkender Israeliten erste und wichtigste Pflicht ist es, dieser Art des wahren Wohlthuns gern und freudig und ausdauernd Opfer zu bringen. Wahrlich durch augenblickliche kleine Spenden wird den vielen Unbemittelten nicht geholfen, während die Armuth nicht allein dem Elende preisgegeben ist, sondern durch den Müßiggang und durch die Noth zu einem Wandel getrieben wird, -er den Gemeinden nachher Schmach bereitet und rhörichten Vorurtheilen Nahrung giebt. Durch Aufrechthaltung des Vereins beglückt ihr nicht bloß die Armen, sondern euch selbst; ihr übt nicht bloß die Menschenliebe, sondern ihr heilet euer Zeitalter und eine ganze Zukunft von Uebeln, die noch so allgemein verbreitet sind. Und da zögert ihr noch! Da fänden sich noch nicht in jeder Gemeinde Männer und Frauen von edelm Sinne, welche ein so leichtes Werk errichten unfest begründen! — O möge dies die letzte Klage sein, und recht bald die freudige Nachricht eingehen, daß aller Orten Hand angelegt werde, und der Verein wieder in schöner Blüthe dastche! Neue Leistungen der kritischen Schule. Erst jetzt empfingen wir den fünften Band des von S. L. Goldenberg aus Tarnopol herausgegebenen Lerem Chemed, welcher wiederum bei Landau in Prag erschienen ist; — eine herrliche Fundgrube kritischer Bemerkungen, Entdeckungen, Nachweisungen und Forschungen, sehr vielebisher Bekannte zugleich ergänzend und berichtigend. Zu den bisherigen Koryphäen dieser unschätzbaren Sammlung, zu welchen man außer den drei berühmten Gelehrten Luzzato, Rapaport und Reggio, gewiß benebeln verstorbenen N. Krochmal rechnen darf, aus dessen reichem Nachlaß wir hier eine noch von ihm selbst eingereichte Probe erhalten, — gesellen sich diesmal noch andere vorzügliche Forscher, Slonimski aus Bialistok mit trefflichen Leistungen im Kalenderwesen, und Zunz mit einer großartigen literarisch-historischen Abhandlung; außerdem begrüßen wir auch Geiger, welcher einen kurzen Beitrag geliefert, und den schon durch biblische Untersuchungen bekannten Joseph Weisse aus Proßnitz. Alle Arbeiten dieser Sammlung bewegen sich auf dem Felde der Kritik und der Literaturgeschichte, und theilweise dem der Geschichte, welches mit jenem eng verbunden ist. Die ersten drei Stücke, von Rapaport, beleuchten die Geschichte des Streites um die Philosophie zu Montpellier im dreizehnten Jahrhundert, welcher Kampf ungemein viel Kräfte in Thätigkeit setzte, und freilich auch mit bitterer Leidenschaft geführt wurde, deren verderbliche Folgen besonders die unzeitigen Eiferer trafen. Der Df. nimmt zum Mittelpunkt seiner Untersuchung einen ihm von Luzzato in Abschrift zugefertigten, dem Sohne des Maimonides zugeschriebenen Brief, der aber, wie er nachweist, einem andern Autor angehört, und knüpft hieran eine Menge interessanter Bemerkungen und Nachweise. Vorzüglich sucht er auch des Maimonides Philosophie von Seiten des moralischen Einflusses hoch zu stellen, und deren unberechenbare Wirkungen auf wissenschaftliche Ausbildung des Judenthums zu würdigen. Den pragmatischen Bemerkungen über die von der griechischen Philosophie ausgegangene moralische Verderbtheit der alten Völker, und besonders der Griechen und Römer, unter welchen letzter» er auf Nero hinweist, — vergessend, welchen edeln Sinn beide Völker in der Zeit ihrey Kraft entwickelten, — können wir nicht beipflichten, denn der vom Nero angestistete Brand in Rom kann eben so wenig für die Lebensgrundsätze der ächten Römer beweisen, wie die Thaten der Könige Israels für den.Geist des mosaischen Gesetzes; solche einzelne Erscheinungen sind entweder individuell, oder sie müssen viel häufiger sein, um zum Volkscharakter zu gehören, und auch dann noch giebt es viele in die Wagschale zu legende Momente, so daß ein so bestimmtes Urtheil nicht mit wenigen Federzügen (S. 20) begründet wird. Auch die Bemerkungen über des Maimonides Anficht betreffend die Gözzendiener seiner Zeit 05.22 — 23) möchten wir nicht unterschreiben; wir glauben, er hätte seine Consequenz auch auf die spätern Verhältnisse ausgedehnt. Er ist viel zu klar hierüber, um einen Zweifel übrig zu lassen. Jndeß wollen wir hier, aus wohlerwogenen Grtzlden, diese» Gegenstand nicht erörtern. Der 4te Aufsatz von unserm Luzzato, nimmt von einer grammatischen Erörterung über das Wort niNÖHD, Ps. 55.22, welches selbst Gesenius nicht nach allen Seiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.