Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 3 (15.1.1841)
- Date
- 1841-01-15
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 Sekte sich im ganzen Oriente (?) bis gegen die Krimm ausdehnt." Wie ist diese geographische Phrase zu verstehen? Etwa von Kahira über's Meer bis an die Krimm? Denn zu Lande finden sich im ganzen Orient, von der Landenge Suez bis nach Ostindien nur sehr wenige Orte mitKaraim, und diese in wenigen Familien zusammen, wie dieß schon aus unfern Blättern bekannt ist; ist aber hier der Orient nur das bisherige Reich Mehemed Ali's, so weiß man, daß von der Landenge bis Antakia und selbst von da bis Skutari kaum hundert Karaim zu finden sind, in.der Levante fast gar reine. — 3) „Ihre Hauptzahl befindet sich in Saloniki, der Hauptstadt von Macedonien, wo unter (neben? ober integrirend?) 30,060 Juden 12,060 Karaiten sich befinden." Dies ist eine dreiste Unwahrheit. Die wenigen Familien, die zu Selanek sich aufhalten mögen, verlieren sich so sehr, daß die Hauptgemeinde der Karaiten, welche nicht in Macedonien, sondern in der Krimm zu suchen ist, gar nichts von deren Dasein weiß, während jene höchst sorgfältig sich bemüht, mit ihren Brüdergemeinden in Verbindung zu bleiben. Unsre direkte Eorrespondenz mit den gelehrtesten und angesehensten Karaiten setzt dieß alles außer Zweifel. D „Sie glauben nur an den Buchstaben dkr mosaischen Schrift, spötteln über die Commentare, die man ihr gegeben; der Thalmud ist ihnen ganz unbekannt." So viel Worte, so viel Unwahrheit. Sie spötteln oder vielmehr polemisiren über eingetragene Satzungen, haben aber selbst dicke Eommentare (deren einige wir selbst von ihnen zum Geschenk erhallen); sie müssen auch pflichtmäßig den Thalmud studiren, um ihn zu widerlegen. 5) „Sie feiern keinen Festtag mit den andern Juden." Dies ist nicht genau, obwohl es kommen kann, daß die Festtage nickt übereinstimmen; meistens treffen sie zusammen." 6) Der Augenzeuge berichtet, er habe den Karaiten die Bemerkung gemacht, das Ausziehen der Schuhe in der Synagoge sei wohl Nachahmung der Moslemen; aber der Vorgesetzte habe ihm geantwortet: Gott habe schon dem Mose als er auf Sinai die Tafeln erhielt, zugerufen: „Mose, ziehe deine Schuhe aus re." Der scharfsinnige Beobachter muß sehr unaufmerksam zugehört haben, denn so unwissend ist kein Karait, um dergleichen zu sagen! — 7) „Die Gebetbücher der Karaiten sind hebräischsgeschrieben, wie überhaupt Guttenbergs Erfindung im ganzen Oriente wenig Fortschritte macht." Diese beiden Bemerkungen passen nicht zusammen. Wahr ist, daß auch die Karaiten und zwar, wie sie es oft beklagen, bloß aus Mangel an Geldmitteln, wenig drucken. Wir aber besitzen diezweite von ihnen besorgte gedruckte Ausgabe der karaitischen Gebetbücher in drei Banden Hoch4tc>, welche bereits vor vierzig Jahren in der Krimm erschienen ist. Uebrigens haben wir über die JsHieliten zu Kahira (und nur dies ist hier unter Orient zu verstehen) nichts neues, außer daß gegen die Errichtung der Cremieupschulen Einwendungen gemacht werden. Welche aber? 1) Oie bisher an ihr Elend gewöhnten Leute werden durch Aufkläi rung unglücklicher werden. 2) Sie können von ihrer Wissenschaft, da sie stets in ihrem Quartiere leben, keinen Gebrauch machen. 3) Sie brauchen keine europäischen Sitten mitten unter Arabern! 4) Die Eivilisaüon werbe von selbst kommen, und Mehemed Ali habe diese bis jetzt vortrefflich gefördert. Seit seiner Verdrängung sei alles wieder im traurigsten Chaos und es sei sogar unwahrscheinlich daß M. A's. Befehl in Damaskus vollzogen worden. (Der Aufsatz muß demnach im September geschrieben sein. Wir wissen ja durch die zuverlässigsten Berichte, daß alles geordnet ist.) Wie fern das Lob des M. A., in welches sich der Bericht weiter ergießt, die Schulfrage betrifft, überlassen wir den Lesern der Didaskalia zu beurtheilen. Obige Einwendungen aber sind sicherlich ganz ohne alle Kraft, und wir würden es heute sehr beklagen, wenn die ersteren zwei Punkte, welche einst auch in Europa überall, und heute noch in einigen östlichen Landern, vorgebracht wurden, sich geltend machten, um der Lauheit gegen das Schulwesen, das einzige wahre Mittel der Mcnschenbeglückung, bas Wort zu reden, oder gar den Eigensinn und Widerspruch zu bestärken. Wahrlich, es ist besser, das Gefühl des Unglücks recht scharf aufzuregen, wenn das die Wirkung des Wissens einmal sein muß, als die Menschen in einem solchen Elende zu lassen, dessen sie sich nicht bewußt sind! Und was! die Anwendung erworbener Kenntnisse betrifft, so mögen! sie vielleicht anfangs von dem wuchernden Gewinne ablenken,! zu einem gewissen Grade von Veredlung führen sie unveri merkt. Muß man das in Europa erst näher Nachweisen? l Was aber wird uns hier statt der Schulen vorgeschla-! gen? Herr Cremieur möchte seine ungemeine Popularität j dazu benutzen, einen großen Verein zu bilden, um un- | bekannte Stämme der Israeliten aufzusuchen! Man | erinnert dabei an das schöne Beispiel des Benjamin von | Toledo (soll heißen Tudela!) welcher schon im 13ien (soll! heißen im 12ren) Jahrhunderte solche Reise unternommen j habe u. s. w.! — Ein herrliches Projekt! sehr wichtig zur! Bildung eines großen Vereines! Wie lange soll es denn noch der krassen Unwissenheit gestattet sein, in viel gelesenen Blättern so wichtige Fragen jj zu behandeln? Die bloße zufällige Anwesenheit eines Re:- jl senden an einem fremden Orte mag Gelegenheit zu inieresij sanken Bemerkungen bieten; aber diese berechtigen ibn doch |: nicht, in tiefere Fragen, die sich vielfach weiter verzweigen, j! einzudringen und über praktische Unternehmungen adzusprechen! Kritische Bemerkungen. Von S. D. L. in P. (Gegen Annalen II. 24S — 249.) Könnte der Geist Aben Csras einmal aus dem Schooß der Weltseele oder der aktiven Intelligenz, in welcher er seit etwa 700 Jahren einer ruhigen Glückseligkeit genießt, heraustreten, und wieder seine Selbstständigkeit annebmrn und seine vormaligen sudlunarischen Reisen noch einmal durchmachen.