Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 3 (15.1.1841)
- Date
- 1841-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133878--0996-3135196- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 wissen; sie wollen daher auch, daß man den Almemor (Emporplatz) anstatt in der Mitte, ganz oben errichte, wie im Wiener Tempel; die Stabilitäts- Männer, an deren Spitze der Rabbiner, möchten gern alles bei'm Alten bleiben sehen; Viele meinen, daß in dieser Sache dem Rabbiner allein das Wort zukäme. Ich meinerseits verglich alle auf diese Frage bezüglichen Stellen der Rirualentscheidungen und fand, da.' der Wunsch der ersteren von der strengsten Orthodoxie gewährt werden kann, und daß, wenn unser Rabbiner dawider ist, cs einzig und allein seinem Hasse gegen alles Nene •uutfd'rci# bcn sei. *) — Der Gottesdienst kann ml keinem traurigem Zustande befinden. Ein Hauprbestandtheil desselben, eine erbauende und ergreifende Belehrung geht ihm, wie gesagt, gänzlich ab. Viele der Betenden verstehen die Gebete nicht, oder kümmern sich um den Sinn derselben nicht, sie setzen das größte Verdienst in das bloße Hersagen und zwar je lauter desto besser; sie wetteifern miteinander, einer sucht den andern zu übenönen, und so schreien sie denn aus vollem Halse, daß der Prophet Elia hu, käme er vom Himmel herunter, glauben würde, *) Maimonides Hilchoth Tefilla p. 11. e. sagt, wie es scheint aus eigener Quelle: „Man errichtet eine Bimah (Erhöhung) in der Mitte des Belhauses, damit der Vorleser aus der Thora und der, welcher Erbauungsworte an das Volk richtet, Je be'steigen können, auf daß Me hören." Hierauf sagt R. 2- Karo in seinem Chesseph Misclmeh: „Frage nicht, warum man in diesen Zeiten an manchen Orten die Bimah an einem Ende und nicht in der Mitte errichtet? Denn die Errichtung in der Mitte ist nicht nöthig, sondern Alles richtet sich nach dem Locale und der Zeit. Zn jenen Zeilen, wo die Bethäuser über die Maaßen groß waren, mußte man die Bimah in der Mitte errichten, damit das ganze Volk hören könnte; aber in diesen Zeiten, wo leider unsere Bethäuser klein sind und jeder hören kann, ist es viel passender, daß sie an einer Seite, als in der Mitte stehe." (Merkwürdig ist es aber, daß der Verfasser des Tur, und nach ihm R. M. Isserles die Worte: „Und der, welcher Erbauungsworte an's Volk richtet," wegläßt.) Daher führt Karo diese maimonidische Vorschrift in seinem Orach Chajim nicht an, und wenn M. Isserles es thut, so hat er wahrscheinlich die angeführte Stelle nicht gesehen, oder schrieb es gleichsam nur so hin, wie er die zweite maimvnidische Vorschrift, die doch offenbar zu seinen Zeiten nicht mehr befolgt wurde. (Vergl. Ture Sa Hab zur Stelle.) > die Diener des Baal vor sich zu sehen. Wenn man noch hinzudenkt das Disputiren, Singeln und Näseln, das Geplauder der Weiber, das Versteigern der gottesdienstlichen Funktionen und viele andere Mißbräuche, so kann man sich leicht vorftellen, was der Wohldenkende in einem solchen Gotteshause empfinden muß. Wodurch könnte aber diesem Uebel abholfcn werden? Durch Verbote? Diese nützen nicht, erschauen oft als Gewissenszwang und sind zum Theil nicht haltbar. Denn was sollen wohl die armen, das Hebräische nur mitMühe lesenden Frauen, was diejenigen, die Sinn genug haben, um die verworrenen, von grammatischen Fehlern wimmelnden, mitunter auch blasphemischen Fest-Gesänge abgeschmackt zu finden, thun, um am Versöhnungstage, z. B. wo man den ganzen Tag im Bethause bleiben muß, will man anders nicht für einen Ketzer gehalten werden, nicht vor Langeweile zu vergehen? Nichts anderes könnte dem Uebel steuern, als wenn man einen talentvollen Volkslehrer beriefe, der uns in klaren, verständlichen Vorträgen belehrte; dann würden die Lautbetenden in stille Andacht versinken, die unwissende Menge aufmerksam zuhbren, und viele Mißbräuche leicht abgestellt werden. Sollte, wie zu erwarten steht, in Bälde die Schule errichtet werden, so könnte dem zu berufenden Volksredner auch der Religionsunterricht aufgctragen werden. Möchten die aus der Tiefe meiner Seele kommenden Wünsche Berücksichtigung finden! B. M—-sch. Bemerkungen gegen einen Bericht über den Orient. In der Didaskalia d. 2- Nr. 1 u. ff. liest man einen Artikel, Israelitische Zustände im Orient, welche aus der Feber eines aufmerksamen Beobachters geflossen sein soll. Wir finden, was Beschreibung der Oertlichkeit betrifft, Uebereinstimmung mit andern längst bekannten Darstellungen. Neu aber und durchaus ohne allen Grund sind folgende Angaben, die wir deßhalb hier herausheben, damit der Zrrthum bei wahrscheinlicher Weiterverbreitung dieses Artikels nicht ganz ungerügt durchgehe. 1) „In Kahirah besitzen die Juden ihre eigenen Richter, selbst eine Art von Apellhof (?); doch bedürfen Todesurtheile der Bestätigung des Pascha's!" Dies ist völlig unwahr; das dortige jüdische Gericht übt gar keine peinlicke Justiz aus, und nur wegen religiöser Vergehungen macht es Gebrauch von seiner Autorität. 2) „Ein weit höheres Interesse bietet die zweite Classe von etwa 600 Seelen, Karaim oder Karaiten, welche