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Israelitische Annalen · 1841-01-15 · Heft 3 (15.1.1841) · p. Seite 19

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 3 (15.1.1841)
Date
1841-01-15
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 Specielles aus Ungarn. St. Nico lau den 25. Deccmber 1840. Die hiesige jüdische Gemeinde zählt etwas über 300 Familien. Sie lebt mit der christlichen im besten Vernehmen. Vorzüglich lobenswerth ist die liberale und wohlwollende Gesinnung, mit welcher der Adel den Israeliten begegnet. Auch strebt er mit edlem Eiter, diese seine Gesinnung gelegentlich an den Tag zu legen. Bei der Emanzipationsfrage, welche auf dem jüngsten Landtage verhandelt wurde, erließ er fast einstimmig eine Instruction an die Abgeordneten, die völlige Emanzipation kräftig zu unterstützen. Nur 3—4 sprachen dagegen, deren Protestatio« selbst mehr aus Unkenntniß der jüdischen Verhältnisse, als aus Inhumanität und Intoleranz geflossen zu sein scheint. — Unsre Gemeinde gehört zu den gebildeteren Ungarns. Ein Beweis hierfür und zugleich mitwirkende Ursache ist der vor zwei Jahren errichtete und im Wachsen begriffene Leseverein, welcher alle das Judenthum und die Judenheit betreffenden Schriften anschafft. Die Früchte jenes Vereines sind schon jetzt merklich. Der starre Jndifferentismus, der oft und besonders hier das Erzeugniß der rauhen Geiftesnacht ist, zerschmolz zum Theil vor den wärmenden Strahlen einer neuaufgegangenen Literarur. Die Vcrtheidigungsschrifren der Emanzipation, vorzüglich die des edeln Ri esser, ließen einen tiefen und wohlthuenden Eindruck zurück. Zwar rissen sie die Wunden noch weiter auf, indem sie unser Recht im klarsten Lichte, die ungerechte mittelalterliche Unterdrückung desto schmachvoller darftellten; indem sie den großen moralischen Werth der vorenthal^en Rechte zeigten, und das schmerzliche Vermissen derselben um so fühlbarer machten; sie gossen aber zugleich die erhebenderen Gefühle einer sich klar bewußten, selbst von den Gegnern nicht mehr zu läugncnden Unschuld in's Herz. Ich fühle mich daher gedrungen, Riesser und seinen Kampfgenossen auch im Namen unsrer Gemeinde den tief gefühlten Dank darzulegen. — Schulen bestehen hier noch keine, obschon ein immer lauter werdendes Bcdürfniß der- # selben unter allen Klassen bemerkbar geworden. Zwar traten schon vor einigen Jahren einige wohldenkende Männer zusammen, suchten mit eindringlicher Rede die Nothwendigkett der Schule darzuthun, hatten auch schon viele Subscriptionen gesammelt; allein unser Rabbiner, ein großer Thalmudift und abgesagter Fein^ aller übrigen Wissenschaften, wußte eS durch seine Umtriebe dahin zu bringen-, daß man anstatt zur Errichtung einer Schule, zum Neubau einer Synagoge schritt. Durch diesen sehr kostspieligen Bau wird die Gemeinde stark in Anspruch genommen, und die Schulangelegenheit für jetzt sehr schwierig. Ginge es jedoch unfern sogenannten Vornehmern nicht gänzlich an Bildung und wohlthätigem Sinne ab, sie würden die große Nothwendigkeit der Schule einsehen, und eine für sie höchst unbedeutende, für das Wohl vieler Hunderte aber genügende Gabe auf den Altar der Menschlichkeit zu legen nicht ermangeln. — Am 18. Mai vorigen Jahres fand die Grundsteinlegung statt. Die hochwürdige Geistlichkeit, die Behörden und viele andere Honoratioren und die Elite der Einwohnerschaft wohnten der Feierlichkeit bei. Ein zusammengeraffter Chor eröffnete den Zug vom Commiiatshause nach dem Bauorte hin. Hier angelangt bestieg Herr Rabbinats-Candidat M. Nascher eine eigends hierzu errichtete Kanzel und hielt eine Rede, die sich wegen der Angemessenheit und der Neuheit des Beifalls erfreute. Hierauf wurde der Grundstein unter den üblichen Ceremonien gelegt. Zum Schlüsse der Feierlichkeit ließ der sehr humane katholische Ortsgeiftliche viele Mörser losbrennen, was nur bei sehr feierlichen Kirchen-Paraden geschieht. Er wollte auch die Glocken lauten lassen, man lehnte aber dieses Anerbieten ab. — Bei der Tafel, welche die Gemeinde für die Honoratioren veranstaltete, sandten diese um sämmtlichen Vorstand. Er wurde auf das Ueberraschendfte empfangen, und viele herzliche Toaste auf das Wohl der Gemeinde wurden von ihnen ausgebracht. Unter andern erhob sich ein sehr geachteter Abt und trank auf das Wohl des Rabbiners. Da erscholl es von allen Seitens „Es lebe, der solche Gesinnungen hegt! denn wer hätte wohl vor zwanzig Jahren geglaubt, daß ein Abt auf's Wohl eines orthodoxen Rabbinen trinken würde!" Der Gemeindevorftand konnte sein innigstes Dankgefühl für so edle Vorurtheilslosigkeir wohl nicht besser an den Tag legen, als dadurch, daß er einem Stuhlrichtcr eine nicht unbedeutende Summe überreichte, um sie unter die in seinem Bezirke durch Feuersbrunft verunglückten Bauern zu vertheilen. Was die Art des Baues betrifft, so wollten sie die Gebildetem dem jetzigen Geschmacke angemessen 3*

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