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Israelitische Annalen · 1841-01-08 · Heft 2 (8.1.1841) · p. Seite 15

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 2 (8.1.1841)
Date
1841-01-08
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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studiren auf Universitäten, um sich der Medizin, die hier besonders sehr viele Jünger zählt, zu widmen. Die übrige Jugend erhält ihre Bildung entweder in der Gemeindeschule, oder in einigen sogenannten Privat-Jnstituten, oder genießt regelmäßigen Unterricht. Die ungarische Sprache wird sowohl in der Schule als Unterrichtszweig als auch privatim mit ziemlichem Eifer betrieben: und deren Emporkommen wäre in vielfacher Beziehung zu wünschen. Denn abgesehen davon, daß das innigere Anschließen an die Landessprache und Sitten einzig und allein das Nationalband fest und dauerhaft zu knüpfen, und somit eine sichere Garantie für die Gestaltung eines bessern socialen Zustandes zu bieten vermag — muß durch das Verständniß der Landessprache dem unter der zahlreichen ungebildeten Klasse vorherrschenden kläglichen deutsch-polnischen Jargon ein Ende gemacht werden. — Von der Schule ist wenig Interessantes zu berichten. Ihre dermalige Stellung und ihre Leistungen, sowie die Verdienste unsers allgemein geschätzten Dr. Horschetzki um dieselbe, haben bereits in Ihrem Blatte ihre Würdidigung gefunden. Nur einen Wunsch, wenn es auch nur ein pium desiderium ist, können wir nicht unterdrücken: daß man ernstlich darauf bedacht sein Möge, dem für jede Anstalt so nachtheilig wirkenden häufigen Wechsel im Lehrpersonale vorzudeugen. Die sogenannte Mädchenschule befindet sich noch immer in ihrer Schwebe, zwischen Sein und Nichtsein. Sie wird hauptsächlich von Privaten getragen und von Seiten der Gemeinde etwas zu stiefmütterlich behandelt. — Unsere gottesdienstlichen Einrichtungen bewegen sich in ihrem alten Geleise. Bei dem anerkannten bessern Streben unsers Gemeindevorstandes ist mit Sicherheit anzunehmcn, daß er auf alle mögliche Weise die so schön begonnene Verbesserungen kräftig fortsetzen werde, so daß die innern Einrichtungen unsers Tempels immer mehr den schönen Räumen desselben entsprechen mögen! M. B. Trier, Dec. — Nachdem eine ziemlich lange Pause in der hiesigen Rabbinatsangelegenheit eingetreten war, sängt man wieder von neuem an, sich damit zu beschäftigen. Auf die ergangene öffentliche Concurrenz fanden sich zahlreiche Bewerber um diese Stelle, theils persönlich, theils schriftlich ein. Unter den Candidaten giebt es Männer von verschiedenen Ansichten, sowohl solche, die zu den beiden Extremen gehören, als auch mehrere, die mehr für die gemäßigte sind, auch Manche, die sich eines bedeutenden literarischen Rufes erfreuen. Die Notabeln, welche wohl nächstens zusammenberufen werden, finden eine ziemliche Auswahl vor. Dieselben wurden nicht, wie ehemals hier und neulich in Bonn, von dem israelitischen Consistorium vorgeschlagen, worüber sich bedeutende Beschwerden erhoben hatten (Annal. 1840. Nr. 10), sondern die Regierung ließ durch die Landräthe die mehr Begüterten aus allen Kreisen des Regierungsbezirkes, je nach der Anzahl der dort wohnenden Israeliten, zu Notabeln ernennen. Die Unpartheilichkeit ist hierdurch gewissermaßen gesichert. Man ist selbst außerhalb des Rabbinatssprengels auf bas Resultat dieser Wahl sehr gespannt, indessen aber bürgen uns die Namen der Notabeln, so weit sie uns dis jetzt geworden sind, für eine sehr loyale und gewissenhafte Behandlung dieser wichtigen Angelegenheit. Auf ihre Enscheidung wird es nun ankommen, ob wir wiederum für den ganzen Regierungsbezirk nur einen Rabbinen erhalten werben, oder ob nach dem Wunsche einiger Kreise noch ein zweiter Rabbiner angestellt werben soll. Ich werbe Ihnen seiner Zeit bas Ergebniß der Verhandlungen mitzulheilen die Ehre haben. Die Antwort Sr. Majestät, unsers geliebten Landes, vaters, auf die Eingabe vom 8. Sept. b. I. von Seiten der israelitischen Bewohnerschaft von Coblenz und Creuznach um Aufhebung des berüchtigten Napoleonischen Dekrets vom 1?. März 1808 — daß die Beschleunigung der vorliegenden Ardeitn, die Regultrung des Judenwesens betreffend, angevrdnet worden — hat hier um so größere Freude erregt, als es sich manche auf dem Lande beikommen ließen ex professo sich jenes Dekretes zu bedienen, um bemittelte und unbemittelte Israeliten in Schaden zu bringen. Nun sind zwar mehrere Friedensrichter in unsrer Gegend so erleuchtet, baß sie solche» Einwendungen, die jedem Rechtsgefühl Hohn sprechen, gar nicht anhören, indessen giebt es deren auch, die sehr bereitwillig solcher Berufung auf das Dekret Vorschub leisten, wodurch Mancher schon um seine ganz rechtlichen Ansprüche gekommen ist. Hoffentlich wird nun diesem Unwesen mit einem Male gesteuert werden. M. H. Kurhessen. — Ein Schreiben von dort sucht in ei- > nem ausführlichen Berichte die früher dargesteüten Cultus-! Verbesserungen in Marburg, welche in einseitigem Interesse! in zu günstigem Lichte geschildert worden seien, auf ihren! wahren Werth zu rebuciren, welcher allerdings gerechten j Wünschen noch vielen Raum lasse. Es sei im Allgemeinen I weder die angebliche Theilnahme so lebhaft, noch die Leistung j von der Art, baß darüber öffentlich ein anerkennendes Urtheil I mit der geschehenen Zufriedenheit ausgesprochen werben! dürfte, und könne man höchstens die Auslassung darüber als eine gutgemeinte Anregung zugeben. Die wirklichen Der»! dienste des Rabbiners um das Schulwesen seien dagegen bei weitem zu kurz berührt. Cs kommt bei Beurtheilung solcher Thatsachen auf den angelegten Maßstab vieles an, der Redaktion aber ist es stets erfreulich, wenn Berichte von Beweisen eines guten Forlschreilens einlaufen. Auch der einfachste Anfang mag immerhin zur Aufmunterung derer, die in ihrem Wirken Hindernisse finden, dankbar erwähnt werden. Nur bleibt es allerdings wünschenswerth. daß die Darstellung sich möglichst genau an die reinen Thalsachen halte, um Nicht durch Einseitigkeit der Ansicht Widersprüche anzuregen. Wir haben, der Unpartheilichkeit wegen, obige Bemerkungen aus dem uns zugegangenen Berichte ausgezogen, — ihn in seiner Ausdehnung mitzutheilen, halten wir nicht für nöthig, auch wegen vieler Persönlichkeiten nicht für zulässig. Beantwortung. Schreiben aus Lemberg vom 21. Dec. zur Abwehr wiederholter Lügen eines auswärtigen Blattes gegen die Redaktion der Annalen, bleibt auf sich beruhend. Gegen freche Lügen giebt es keine Waffe als die tiefste Verachtung. Wir werden unsre Leser nicht mit dergleichen Unwürdigkeiten belästigen, und müssen es dem gesunden Verstände anheimstellen, selbst zu urtheilen, wenn sich'S überhaupt der Mühe lohnt. Unsrerseits ist niemals, weder direkt noch indirekt, ein Schritt zum Nachtheil Anderer gethan oder irgend veranlaßt worben. Unser Wirken ist lediglich der Wissenschaft zugewenbet und alles Uebrige bleibt uns, wie von jeher, fremd, und von literarischem Unfug nehmen wir keine Notiz. Auch gegenwärtige Bemerkung batten wir gern unterlassen, doch schien uns die Achtung des Publikums sie zu fordern. D. Red.

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