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Israelitische Annalen · 1841-01-08 · Heft 2 (8.1.1841) · p. Seite 13

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 2 (8.1.1841)
Date
1841-01-08
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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13 Impuls gegeben. Die Hauptfrage, die bei einem öffentlich > ausgesprochenen Wunsche in Erwägung gezogen und nach der dessen Rang, d. h. Beachtungswürbigkeit, bestimmt werden muß, ist daher die, ob und in wie fern er aus einem wirklichen allgemeinen Bedürfnisse hervorgegangen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, glauben wir unverzagt auftreten zu dürfen mit dem Vorschläge, daß Einfachheits-Vereine in unfern Gemeinden sich bilden mögen. Bekannt ist es, welche bewunderungswürdige Fortschrilte, begleit^vE den erfreulichsten Folgen, die Mäßigkeits-Vereine zu unserer Zeit in verschiedenen Ländern gemacht. Und wie gering war da die Wahrscheinlichkeit des Gelingens, wo es sich darum handelte, die unterste Dolksklasse von dem abstumpfenden, alle Geisteskraft lähmenden Laster der Trunkenheit zu heilen! Wer hätte da zu hoffen gewagt, daß so viele tausend Individuen einer so furchtbaren Leidenschaft freiwillig entsagen würden! Mit einem so barbarischen Feinde haben wir es, Gott sei Dank, nicht zu thun, Mäßigkeit, namentlich im Genüsse geistiger Getränke, scheint allenlhalben (vielleicht mit Ausnahme einiger polnischen Distrikte) eine unfern Glaubensgenossen eigenthümliche Tugend; dagegen kann nicht in Abrede gestellt werden, daß sie durchgängig dem Luxus in einem höhern Grade ergeben sind, daß Osten tat ion und Prachtliebe bei ihnen vorherrschende Neigungen bilden, die auf dem Lande, wo dergleichen sonst fremd, besonders auffallend hervorstehen und verderlich wirken. Es hängt dies ohne Zweifel zusammen mit dem ihnen früher aufgedrungenen Stande, dem noch jetzt die meisten angehören, vermöge dessen sie die natürlichen Handlanger des Luxus waren und sind, zu dem sie daher leichter verlockt und mit dem sie leichter versehen werben können. Die häufigen Reisen nach den Städten machen auch, daß sie mit den neuesten Moden und Lebensbequemlichkeiten früher bekannt werden, und diese, oft ungeschickt genug, in ihr Dorf verpflanzen. Ein anderes Moment, das die Neuzeit hervorgebracht, ist das erwachte Ehrgefühl, das kränkende Bewußtsein der alten Zurücksetzung, woraus das Streben entsprang, eine geehrtere Stellung, höhere Anerkennung in der Gesellschaft zu erringen; was Wunder nun, daß die wenig denkende Menge zuerst zu äußerlichen Mitteln griff, und dieses Streben bei Vielen in die Sucht zu glänzen und eine Rolle zu spielen ausartete. Allein, was immer der Grund sein mag, es ist ein Uebel, das sich durch alle sophistischen Beschönigungen, die wir. weder widerlegen noch anführen wollen, nicht heben läßt, ein Uebel, das um so schlimmere Verheerungen in den Gemeinden Israels anrichtet, je gefälliger es auf den ersten Anblick dem Auge erscheint. Daß dieses eitle Treiben den Ueberfluß der Wohlhabenden verschlingt, und manche Familie an den Bettelstab bringt, würde uns nicht so arg dünken, wenn nicht so Viele ihren guten Namen, ihre Ehre und ihre Ehrlichkeit, ihre Rtzhe, ihre Freude am Lebtn*Man setzten. So lange sie, vom blendenden Dunste umgeben, auf den Beinen sich Kalten, kommen sie nicht zu Athem, zum Genüsse ihrer srlbst; und sind sie einmal gefallen, gibt es für sie keine ausreichende Hülfe, keinen Trost und keine Aufrichtung. Es zehrt nicht nur an unserm Lebensbaume, und beschneidet dessen schönste Zweige, sondern verhindert auch das gedeihliche Emvorwachsen der neu sich ansetzenden, indem es auf der einen Seite von ebrdaren Beschäftigungen, die ein bescheidenes Auftreten bedingen, zurückscheucht und auf der andern Seite größere Ansprüche erzeugt, als der gewählte Beruf ertragen mag. Hier liegt der Hauptgrund, warum ein solider Bauern- und Handwerksstand bei uns nicht wohl aufkommen kann. Und doch — sind die Geldbedürfnisse der Gemeinden, die zu kostspieligen Verbesserungen in Schule und Gotteshaus dringend aufgefordert werden, größer als je, die alten Nahrungsquellen hingegen (der Klein- und Hausirhandel) theils versiegt, theilS minder ergiebig. Von dem Allem ahnen unsere christlichen Mitbürger, die selten die Armuth durch die glänzende Hülle erschauen, wenig oder nichts, und so wird die übelwollende Masse zum Neide gereizt, und die wohlwollenden höherstehenden finden keinen Grund, für die Verbesserung unseres Zustandes Schritte zu thun. Es gab vor Alters (wie in gewissen Staaten) in manchen Gemeinden eine strenge Regel, durch die der übermäßige Luxus verhindert werden sollte *); in unfern Tagen ginge dies nicht an, und würde Zwang nichts fruchten. Ader warum treten nicht in jeder Gemeinde, wo dieses Uebel haus't, die Einsichtigen zusammen, um sich durch feste Gesetze zur Einfachheit in Wohnung, Kleidung u. s. w. zu verbindend — Auf die Erziehung der Kinder und Ausstattung der Töchter, wo der Grund zur Corruption gelegt wird, wäre dabei das Hauptaugenmerk zu richten. Aber die Wohlhadendern müßten den Anfang machen, und mit ihrem Beispiele vvrangehen, indem der von diesen n.icht mehr anerkannte Grundsatz der brüderlichen Gleichheit von den weniger Bemittelten noch festgehalten und zur Nachahmung, zuweilen zur Ueberbietung ihrer reichern Brüder mißbraucht wird. Diese vermögen in der Regel auch mehr über ihre Mitbürger, und würden schon Proselyten machen durch die ibloße Verabredung, Keinem ihr Zutrauen schenken zu wollen, der sich nicht zu einer soliden einfachen Lebensweise entschließen mag, während der unbegüterte Handelsmann fürchten müßte, durch freiwillig eingeführte Einschränkungen seinem Kredit zu 'schaden. Es bedarf nur eines Vorsatzes, eines kräftigen männlichen Entschlusses; die heilsamen Folgen kann jeder Vernünftige leicht ermessen. Die Verbindung mit einem durch die Lokalverhältnisse zu bestimmenden positiven Zwecke würde den Vereinen nebst ausgedehnterer Wirksamkeit auch mehr Festigkeit verschaffen. *) Merkwürdig ist das Reglement, das die kleine Gemeinde zu Pamiers am Fuße der Pyrenäen im 13. Iahrhunderte sich gegeben, und das von den segenreichsten Wirkungen begleitet gewesen zu sein scheint. Wenigstens erfreute sich diese Gemeinde immer der Zufriedenheit ihres Schutzherrn, der sie sogar bei der allgemeinen Vertreibung der Iuden aus Frankreich behalten wollte. Les Juifs dans le moyen äge par Depping. S. 201 bis 203 , 317.

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