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Israelitische Annalen · 1841-01-08 · Heft 2 (8.1.1841) · p. Seite 11

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 2 (8.1.1841)
Date
1841-01-08
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 Ein anderer MissionsbeMt aus Jamaika schlagt die Zahl der Juden zu Kingston auf3—5000 an; sie haben 2 Synagogen. In Spanisch Town ist ebenfalls eine große Zahl, mit einer Synagoge. Sie sprechen alle Englisch. — Einer derselben gab 25Lft. als Beisteuer zum Hospital für arme Juden in Jerusalem und versicherte, daß niemand dort sich ausschließen würde; doch versagte einer, obwohl in sehr artigen Ausdrücken, seinen Beitrag, als er vernahm, daß die Anstalt zur Mission gehöre. Historische Notizen über die Entstehung mehrerer jüdischen Gemeinden. 1. Trebitsch in Mähren. Zu Trebitsch ist eine der größten jüdischen Gemeinden. Ueber ihre erste Ansiedelung findet sich keine Spur, obwohl sich mit Gewißheit annehmen läßt, daß schon zu Anfänge des loten Jahrhunderts Juden dort ansäßig waren. Von Beraubung und Mißhandlung mehrerer Händler daselbst erzählt der berühmte österreichische Geschichtsforscher, Freiherr von Hormayer in seinem Taschenbuche von 1821. Das geschah zur Zeit als der Pirnfteiner (Wilhelm) mit den Kunftädtern und Waldfteinern öfters auszog, um die friedlichen Handelsleute, die zu Märkten wanderten, auszuplündern; demnach um's Jahr 1389, in welchem der Pirnsteiner in andern Urkunden erscheint.*) Weitere Nachrichten fehlen. Die älteste Urkunde ist seitdem ein 90 Jahre nach dem Tode eines als Märtyrer bezeichneten Mannes, Raphael genannt, im I. 504 —1744 gesetzter oder vielmehr aufgefrischter Grabstein, welcher aber die Veranlassung des angeblichen Ma'rtyrcrthums (vom 1.1655 etwa) nicht angiebt. Wahrscheinlich entstand die neuere Gemeinde aus den Mitgliedern der im 16ren Jahrhunderte aus Prag vertriebenen. Dafür spricht Der Name der dortigen Synagoge, die, gleich der Prager, Hochschule heißt, ferner die Gleichheit des Synagogen- Ritus, und die in der S e e l e n m e ss e beider Synagogen vorkommenden gleichen Namen. Auch führen viele Familien daselbst den Namen Prager. — *) Codex Ms. Pernsteinianus im Franzens-Museum. Vielleicht schreibt sich daher auch die Theinahme der Trebitscher, welche bei der letzten Vertreibung der Prager Gemeinde diese reichlich unterstützte, worüber das kevopisse zu Trebitsch vorhanden ist. - Sehr wünschenswerth wäre eine Aufsuchung und Nachweisung aller noch vorhandenen historischen Denkmäler, Urkunden und Sagen über das Leben und die Schicksale vieler jüdischen Gemeinden, wovon bereits so vieles sich verloren har, weil die Juden zu wenig Sinn für ihre eigene Geschichte hatten, während selbst die Bruchstücke, welche hie und da noch aufgefunden werden, für die Geschichte im Allgemeinen nicht werthlos erscheinen, oft sogar sehr wichtige und interessante Aufschlüsse darbieten. vr. W. in P. (Bereits sind der Redaktion mehrere historische Notizen dieser Art von einheimischen Gelehrten zugegangen, und wir werden gern die Gelegenheiten wahrnehmen, das Wesentlichste daraus mitzutheilen.) Das Israelit. Schulwesen in der Pfalz. Don E. Grünebaum, Bezirksrabbiner in Landau. Cs gibt wohl kein Land, in welchem in den letzten zwölf Zähren im israelit. Schulwesen mehr geschehen sein möchte, als bei uns. Wohl haben größere Städte, denen bedeutende Mittel zu Gebote stehen, glänzendere Anstalten aufzuweisen; aber daß ein geregelteres, systematisch geordnetes Religions- und Elementar-Schulwesen, das alle Gemeinden so allseitig durchdringe, daß dieses Herz der religiösen und geistigen Erhebung seine belebenden Pulsschläge so kräftig und wirksam bis in die kleinsten Glieder der Gesellschaft entsende, und daß namAitlich eine so heilsame mächtige Umgestaltung in kaum mehr als einem Decennium irgend anderswo zu Stande gekommen sei: dies dürfen wir, ohne der Bescheidenheit zu nahe zu treten, bezweifeln. Bis zum Zahre 1828 stand mit wenigen rühmlichen Ausnahmen in der baierischen Pfalz das isr. Schulwesen auf der tiefsten Stufe. Die isr. Jugend besuchte die christliche Ortsschule, und auch dieses erst seit 1823, in Folge allerhöchster Verordnung (Amtsblatt S. 97 ejus, anni); den Religionsunterricht ertheilte der Vorsänger, im Durchschnitt ein alter unwissender Idiot, wie solche in Original- Exemplaren noch Vorkommen. Von einem Lehrbuch fast keine Spur, wenn nicht hie und da das seitdem Gottlob' verschollene Machwerk des vr. Alexander Behr. Hebräischer Sprachunterricht wurde nirgends ertheilt, und von dem Pentateuch lernte das Kind bis zu seinem Austritt aus der Schule höchstens die erste Parascha des wöchentlichen Abschnitts. Biblische Geschichte und Gesang waren völlig terra incognita. 2*

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