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Israelitische Annalen · 1841-01-08 · Heft 2 (8.1.1841) · p. Seite 10

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 2 (8.1.1841)
Date
1841-01-08
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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fern Wohnungen Raum gemacht. In 6 Stunden gelangt man von -a nach Liberias, auch einer heiligen Stadt, wo jetzt 1500 sind. Auf dem Berge Naphtali sind zwei Dörfer, wo Juden wohnen; außerdem sind Synagogen in den übrigen Oertern Galliläa's und des alten Phöniciens. Die Norizen über die Wallachei haben wir schon früher mitgetheilt. Ueber Ungarn giebt der Bericht folgende numerische Verhältnisse. Pefth, Ofen und Altofen zahlen zusammen nach verschiedenen Angaben zwischen 18—30,000; Preß bürg und Papa6l)00; Uj he ly 2400. Außerdem sind daselbst 11 Städte, wo 1000—2000; 23 Städte, wo 500 bis 1000; 30 Oerter wo 200—500 wohnen; außerdem sind in Flecken uud Dörfern viele verstreut. Die Gesammtzahl etwa 300,000. Ein Drittel der Pefther Gemeinde ist antithalmudisch und gegen den alten Ritus eingenommen, lediglich das A. T. anerkennend; ihr Rabbiner predigt rein biblisch. (Wahrscheinlich Herr Schwab?) — Im Großherzogthum Posen wohnen 73,WO; in Posen selbst 80W. Die Berichterstatter wollen dort große Geneigtheit für das Chriftenthum vorgefunden haben, obwohl der Glaube an dessen Lehren die Juden nicht begeistere, und demnach „eine längere Vernachlässigung sie gänzlich in den^ deutschen Unglauben versenken würde." Es will uns seltsam scheinen, daß die Fremdlinge sich also ausdrücken. Was würden sie sagen, wenn deutsche Missionäre nach England gingen und von der dortigen Regierung sich dieErlaubniß ausbaten, gegen die Englische Proselyten- Manie und andere wirklich einheimische Thorheiten auftreten zu dürfen? und was würde erst die Clergy sagen, wenn einige deutsche Privatleute .sich unterfingen, manche in England oder Schottland vorkommendeUnchriftlichkeit der Nachlässigkeit der Clergimen zuzuschreiben, und deßhalb für nöthig fänden, in ihre Gemeinden einzudringen, um ihr Licht dort aufzuftecken? Hier aber müssen wir Folgendes lesen: „Wenn die Preußischen Geistlichen getreue Männer (faithful men) und ihreHeerden wirklich Christen wären, (were really Christians, — hört!) so wäre das Ziel ohne Missionäre zu erreichen; aber so lange die reine Wahrheit der Reformation (pure truth) verachtet und unerkannt ist, muß das Licht anderswoher kommen; und wer weiß ob wir, indem wir Israel Licht bringen, 'nicht auch den todten Kirchen Preußens Licht bringen!" Man verzeihe uns diese Abschweifung! Wir erkennen recht wohl die guten Absichten der Eiferer für die Kirche, aber dieß beständige Eingreifen vieler Missionare in fremde Gewissen, dieses unaufhörliche Eindringen in die Familien, dieses absichtliche Zerreißen aller Bande des Blutes, dieses Anreizen zu Heuchelei und Unwahrheit, diese ewige Disputquälerei unter Leuten, die gar kein Urtheil über den Gegenstand der Untersuchung haben, — werden wir nieiMls billigen, und wir halten dieses Verfahren für eine weit größere Verderbniß der innern Sittlichkeit, als die, welche es abzuftellen dienen soll. Zu welcher Anmaßung aber dieser fromme Eifer führt, ist aus obigen Worten genugsam zu ersehen! — Das Eine halten wir aber für Pflicht zu bemerken, daß die ältere englische Gesellschaft, Anfangs eben so andringlich, längst diese Anmaßung abgelegt har, und gegenwärtig sich auf ruhige Discussion und literarische Belehrung beschränkt, so lange nicht die Individuen sich von selbst zum Religionsunterricht melden. Und das hat ihr dennauch selbst von Seiten der Juden Achtung erworben , welche mit deren Wirken keinesweges einverstanden sind. Der Bericht giebt die Zahl der Juden zu Smyrna, übereinstimmend mit früher», auf 90W, derer auf Rhodus gegen 10W an. In Constantinopel sollen 80,WO (?) sein; in Brusa 60W, in Jsmid (Nicomedia) 10W, meistens Spanische. Das Uebrige ist größtenrheils schon durch die Annalen bekannt. — Ueber Toscana haben wir im vorigen Jahre authentische Berichte gegeben. — Aus Corfu sind etwa 2W0, meist ganz unwissend (s. unsre vor. Nummer). In Gibraltar 2W0, bereits besser gebildet. Von Bagdad wollen die Berichterstatter wissen, daß die jüdische Bevölkerung, welche vor zehn Jahren etwa 20,OW betragen habe, auf 5W0 zusammengeschmolzen sei, und zwar sollen sie theils durch die Pest, theils durch Krieg, theils durch die schrecklichen Überschwemmungen des Euphrats sehr gelitten haben. Sie stehen unter einem tyrannischen Oberhaupte, welches von der Regierung aus ihrer Mitte erwählt wird. Sie sollen äußerst schöne Gesetzrollen haben, sonst aber auf der niedrigsten Stufe der Bildung stehen.

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