Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 1 (1.1.1841)
- Date
- 1841-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133876--0981-3135179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 An Docker Samuel Mayer, Rabbiner meiner israelitischen Gemeinde dahier. Mein lieber Doctor! Heute ist mir von einem Sohne des zu früh für uns Alle, für ganz Hechingen dahingeschiedenen Hofagenten Bacher Ihre gehaltvolle Leichenrede übergeben worden. Seele und Herz leuchten reichlich und warm in Ihren Worten trostreich entgegen; sie erwecken und gewähren wahren Glauben, reine Liebe und süße Hoffnung, wie auch stillen Trost und fromme Ergebung. Ihre Worte sind meinem Herzen sehr nahe gegangen. Empfangen Sie hiefür meinen schönsten Dank, wie als Zeichen meines Wohlwollens dieses kleine hier beiliegende Angebinde. Hechingen, den 15. Dec. 1840. Ihr gutwilliger Friedrich Wilhelm Constantin, Fürst von Hohenzollern. Großherzogthum Baden. — Die Frage über eine jüdisch-theologische Fakultät ist seit einiger Zeit in den Hintergrund getreten; man hat sich zuletzt bei der Ansicht beruhigt, es genüge, wenn bei einigen Universitäten ein Lehrstuhl für Wissenschaft des Iudenthums besetzt sei, wie z. B. in Leipzig durch Dr. Fürst. Vielleicht mag dies richtig sein. Wie steht es aber um die Vorbereitung zur Hochschule? — Nicht gut. Das hat Schreiber dieses im Laufe verwichenen Sommers erfahren. Er verwendete sich mehrseitig, um für einen jungen Studirenden einen geeigneten Platz zur Weiterbildung sowohl in den jüdisch-theologischen, als in den humanistischen Wissenszweigen auszufinden; aber vergebens. An einem Orte war nur für jene, am andern nur für diese gesorgt. Zwar zeigte sich einmal in weiter nördlicher Entfernung ein den genannten Studien gleichgünstiger Platz, welcher jedoch wieder andere Schwierigkeiten darbot, daß er nicht frequentirt werden konnte. Endlich aber glaubt der junge Mensch dennoch einen vortheilhaften Platz gefunden zu haben, er befindet sich in einer großen deutschen Stadt, welche ein Gymnasium und eine Universität besitzt, und einen Rabbinen, der sehr bereitwillig ist, gratis die rabbinische Theologie zu lehren; aber — er sieht es nicht gerne, daß man zugleich auch andere Studien regelmäßig treibe. Das ist wieder ein großer Uebelstand; da wissen nun die jungen Leute nicht, wie sich wenden, und so oder so werden sie zweifelsohne nur eine einseitige Bildung erlangen. Solchen Uebelstand muß nun besonders der Badener beklagen, der zwar eine wohlorganisirte Oberkirchenbehörde, aber keinen Studienplan für seine Theologen besitzt; der ferner in seinem Vaterlande mehrere gut dotirte Thalmudschulen zu nennen, dieselben aber ganz unbeaufsichtigt weiß, daher ihnen nicht mit voller Beruhigung die angehenden Theologen zuweisen kann. — Es darf wohl vorausgesetzt werden, daß mancher Lehrer an diesen Schulen das größte Zutrauen verdiene; möchten sie aber einmal in diesen Blättern ihre Lehrpläne veröffentlichen, und zugleich auch die Lehrmittel bezeichnen, welche an ihrem Wohnsitze auch für Humaniora benützt werden können; damit man Gewißheit darüber erlange, wohin sich in Zukunft am besten zu wenden sei! S. — Wenn in Nro. 44 der Annalen vom vorigen Jahre aus einer Gemeinde in Ungarn mit gerechter Entrüstung berichtet wird, wie ein Rabbiner in Beziehung auf veraltete Sitten verfährt, so darf man es nicht mit Stillschweigen übergehen und mindestens als ein Curivsum anführen, daß ein Rabbiner in einer süddeutschen Gemeinde des Großherzogthums Baden in ganz gleichem Sinne gegen die Gemeinde einschreitet und sowohl in Betreff der Haarlocken, als insbesondere der Bäder und der Leidtragenden Anordnungen aufrecht hält, oder vielmehr nach Willkühr handhabt, die an den wahnwitzigsten Unfug gränzen. (Wir mögen solche nicht öffentlich mittheilen, und bemerken nur, baß Männer, welche ihre Werke als eine „reine Leuchte" aufstellen, doch selbst nicht so sehr im Dunkeln wandeln sollten. Gehörigen Ortes wollen wir gern über die fraglichen Punkte Auskunft geben.) Wundern muß man sich billig über die Geduld der Betheiligten. G allizi e n, Dec. 1840. (Auszug aus der Urschrift, welche im Zion vollständig mitgetheilt wird.) Der bereits durch mehrere Schriften in hebräischer Sprache sehr vortheilhaft bekannte Wundarzt Isaak Erter in Brody hat unter dem Namen eine kleine Schrift bei Prag in Landau herausgegeben, welche besondere Aufmerksamkeit verdient; sie bildet einen Theil des beabsichtigten hebräischen Zuschauers (nach Art des Englischen Spectators) und ist in ihrer Weise mit seinen frühern Arbeiten verwandt, über welche drei Urtheile bereits in Deutschland erschienen sind, 1)von Delitzsch, über die Abhandlung byW'Q in der Geschichte der Iüd. Poesie (S. 109 Anm.) sehr übereilt und offenbar aus Unkunde tadelnd, 2) von vr. Fürst in der Allg. Z. d. I. 1837 über K. Ch. n. nicht minder flüchtig und ohne allen Takt für die Schönheiten der Sprache; 3) von vr. Geiger (Zeitschr. IV. 405), welcher mit wenigen Zügen die Abhandlung im K. Ch. m. erwähnt und die ganze Anmuth und Tiefe des Inhalts anerkennt. Der Verf. hat sich zu seinem humoristischen Ausdruck einen eigenen Weg gebahnt, dessen wahrer Atticismus uns eben so ergötzt, wie die Wahrheit der Darstellung und die Reinheit der Absicht jeden Denkenden erfreuen müssen. Isaak Erter war vormals Lehrer an der Normalschule in Brody. Da diese Stelle ihn und seine Familie nicht ernährte, so ging er nach Lemberg, wo der Ruf seiner ausgezeichneten Leistungen als Iugendlehrer ihm einen bessern Weg gebahnt hatte, indem hier viele Erwachsene sich zu ihm sammelten, um wissenschaftlichen Unterricht zu empfangen. Der verstorbene Rabbiner aber, welcher ein Feind aller Wissenschaft war, sprach öffentlich den Bann üdk ihn aus, und über jeden, welcher mit ihm in Verbindung bleiben würde. Obgleich der Rabbiner nachmals auf Befehl des Guberniums den Bann öffentlich zurückzunehmen und in der Synagoge zum Lobe der Wissenschaft und deren Verehrer zu predigen angehalten ward, so blieb doch die Wirkung des