Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 1 (1.1.1841)
- Date
- 1841-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133876--0978-3135176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 daß er es wagen durfte, aufzutreten. Er erklärte den Inhalt seiner Rede den Einheimischen und Gelehrten hebräisch, den andern Eingebornen spanisch, den Fremden aus dem Süden italienisch, den Polen und Deutschen deutsch, mit einer bemerkenswerthen Unbefangenheit. Der Zweck seines Vortrags über Dederon XXXIII, 2 war darzuthun, daß nur derjenige wahre Tugend und Bildung erlangen könne, der das Gesetz nicht bloß ausübe, sondern gehörig verstehe, und daß zum Verstandniß desselben und Beförderung richtiger Erkenntniß tiefe wissenschaftliche Vorbereitung nöthig sei, namentlich ausgedehnte Kenntnisse in verschiedenen Fächern und besonders in Sprachen, welche das wesentlichste Hülfsmittel sind, um zu jenen zu gelangen. — Es war hauptsächlich das Ziel des Redners, die Zuhörer darauf hinzuführen, daß ein ganz anderes Unterrichts- und Erziehungssystem jetzt vom Israeliten gefordert werde, als welches dort herrschte.—Der Vortrag dauerte 3 Stunden. — In gleichem Sinne arbeitete Sir Moses Montefiore, dessen seltene Freigebigkeit ihm alle Herzen dankbar verbindet. Ueberall suchte er auf eine Verbesserung der Erziehung der Jugend hinzuwirken. Der nächste Erfolg war eine unterm 1. Cheschvan 601 (28. Oct. 1840) von dem Hacham Baschi (Oberrabbiner) MosesFresco erlassene Bekanntmachung, welche wir hier in berichtigter *) Übersetzung mittheilen: Proklamation des Oberrabbiners zu Conftantinopel. Erlaffen (in bebräislker, türkischer und spanischer Sprache) an alle Israeliten des ottomanischen Reiches. „Moses spricht: „Wir haben aus dem Hattischerif unsers Herrn, Sr. Kais. Maj. Sultan Abd-ul-Medschid (welcher Hattischerif in Ge- und ist darin als rabdinatsfähig erklärt worden, dann aber hat er auch noch Humaniora studirt und eine ungemeine Fertigkeit im mündlichen Ausdruck der wichtigtigsten neuern Sprachen erworben. Von Berlin begab er sich 1834 nach London, wo er besonders den orientalischen Sprachen sich widmete und bei S. K. H. dem Herzog von Süsser angestellt ist. Seitdem hat er auch durch seine zweijährige Reise in den Orient, so wie )tturch einige kleine Schriften antiquarisch-linguistischen Inhalts einen Namen erworben. — Diese Notizen dürsten wachem unsrer Leser nicht unwillkommen sein. I. *) Die im Smyrnaer Blatt stehende Englische ist ungenau. genwart der Großen des Reiches publicirt worden) erkannt, daß Se. Maj. die Wohlfahrt und das Glück Ihres Volkes zu fördern beabsichtigt. Wir haben gesehen, daß Männer von höhern Eigenschaften, welche sich würdig verhalten, Gnade finden in den Augen des Sultans, welcher ein huldreicher Monarch ist. Und daß diejenigen, so sich außer edeln Eigenschaften noch auszeichnen durch ihre Gelehrsamkeit, und im Stande sind, ihre Gedanken in türkischer Sprache auszudrücken, von ihm besonders geehrt worden sind und werden. Demgemäß wünschen wir, daß ihr die türkische Sprache in ihrer Reinheit erlernen möget, weil es sich ziemt, daß jeder sich bemühe, diese Kenntniß sich anzueignen, indem ihr durch sie fähig werdet, mit den Eingebornen im gewöhnlichen Leben, wie auch mit den Großen, so oft es die Gelegenheit erfordert, Euch in einer reinen Sprache auszudrücken, wie denn auch mancher andere Nutzen daraus hervorgeht. Wir befehlen hiernach, daß alle unsre Brüder jeder Stadt, jedes Ortes oder Fleckens, unter unsers Kaiserlichen Herrn Regierung, ihre Kinder in der türkischen Sprache unterrichten lassen. Zu diesem Zwecke sollen sie an allen ihren Schulen im ganzen türkischen Reiche fähige Lehrer anftellen, damit alle Mitglieder unsers Volkes, welche im Reiche unsers Kaiserlichen Herrn wohnen, fähig werden, sich mit Leichtigkeit und Reinheit in der türkischen Sprache auszudrücken, — da es der Wille unsers Kaiserlichen Herrn ist, daß seine Unterthanen in jeder Sache gehörig ausgebildet werden sollen. Wir sind also verbunden, unserm kaiserlichen Herrn zu danken und ihn zu segnen, und für seines Hauses und Reiches Glück zu deren. Möge sein Ruhm erhöht werden! Möge sein Reich lange bestehen! Möge seine Regierung gedeihen, und der König der Könige mit seiner Allliebe ihn beschützen und am Leben erhalten, ihn vor allem Uebel bewahren, seine Feinde vor ihm beugen, so daß keine Unruhe noch Klaggeschrei gehört werde in seinen Ländern, sondern all seine Tage Friede bleibe. So möge es des Allmächtigen Wille sein! Das sind die Worte dessen, welcher sie mit seinem Amtssiegel, autorisirt vom König — sein Ruhm werde erhöht! — besiegelt. Gegeben zu Conftantinopel am 1. Hesvan 601."