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Israelitische Annalen · 1841-01-01 · Heft 1 (1.1.1841) · p. Seite 3

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 1 (1.1.1841)
Date
1841-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 War es schon ein großartiger Gedanke mit orientalischen Despoten eine auf Recht sich berufende Unterhandlung gegen himmelschreiendes, bereits begangenes Unrecht anzuknüpfen und Genugthuung zu erwarten, so gewinnt der günstige Ausgang noch mehr Verdienstliches, wenn man erfährt, (wie ein Brief des Herrn Pinkerle zu Smyrna an die dortige Redaktion des Manzari Shark oder morgenlandischen Beobachters berichtet), daß Sir Moses Montefio re noch weiter ging, als seine Aufgabe erheischte, und auf völlige Abschaffung der Tortur als Beweismittel bei Mehemer Ali antrug, und sehr geneigtes Gehör fand; wodurch auf jeden Fall der dortigen Rechtspflege ein großer Fortschritt vorbereitet worden, der allen Unterthanen zu Gute kommt. Auch hat er die Entschädigung der zu Safet *) vor mehrern Jahren auf schändliche Weise beraubten Israeliten beantragt, und die Genehmigung einer deßfallsigen Untersuchung erlangt (welche freilich nach den eingetretenen politischen Verhältnissen nicht weiter statt finden kann), womit das Recht gegen die Gewalt der Despoten in Schutz genommen ist. Wichtiger erscheint uns die Wirkung im Volke und namentlich bei den Israeliten selbst, welche bisher in einer -fast undurchdringlichen Finfterniß und Apathie von Geschlecht zu Geschlecht fortlebten, ohne zu wissen, welche Güter des Lebens erstrebt werden können und sollen. Der Geist ihrer spanischen Urväter ist eben so sehr von ihnen gewichen, wie die Begeisterung für den Islam, die vor 400 Jahren das byzantinische Reich zerstörte, von den Türken, und wie das Ritterthum von den dortigen Christen. Eine größere Demoralisation wäre gewiß die natürliche Wirkung des immer mehr für das Leben abgestumpften Sinnes, wofern nicht die strenge Uebung der Religionsgebrauche, die zugleich mindestens dem intelligenten Theil eine gewisse Geiftesnahrung geben, dem gänzlichen Verderben entgegenwirkte, und hier ist denn auch der Keim für ein besseres Leben mitten in der Barbarei rund umher stets erhalten worden. Es bedurfte nur einer günftigern Sonne, um ihn zu entwickeln. Die Berührungen mit europäischen Männern von höherer Bildung mußten schon *) Durch einen Schreibefehler steht in dem Manzari Shark: zu Damaskus. Wir bemerken dies zur Verhütung weiterer Unrichtigkeiten. Die Verwendung galt denen zu Safet. Achtung für ein ganz anderes Streben einstößeir, als man dort in den neuesten Zeiten kannte, und gewiß war bereits die frühere Reise des Herrn Montefiore, so wie des Herrn Löwe im Orient von nicht geringer Anregung. Diesmal aber mußte die Anwesenheit derselben Männer durch die Veranlassung selbst die Aufmerksamkeit stärker wecken, und somit tiefer einwirken. Die Achtung, welcher beide am Hofe der hohen Pforte sich erfreueten, erhöhete die Anerkennung, welche man ihnen ohnehin zollte, und gab ihren Wünschen bei der dankbaren Gemeinde stärkeres Gewicht. Wir lesen mit Vergnügen, daß Sir Moses Montefiore bei der denkwürdigen Audienz/ als Abd - ul- Medschid ihn aufforderte, ihm seine Gefährten zu nennen, den vr. Löwe mit der Bemerkung vorstellte, es sei das derselbe treffliche Linguist, welcher vor zwei Jahren dem Sultan Mahmud die Hieroglyphen auf dem schönen Obelisk, welcher seit Jahrhunderten im Hippodrom steht, ohne daß jemand die Bedeutung derselben zu entziffern verstand, erklärt hatte. Se. Majestät erinnerten sich sehr deutlich dieses Umstandes und drückten sich recht beifällig über die tiefe Gelehrsamkeit des Herrn vr. L. aus. -v dinc unzählige Volksmasse hatte das Haus der Reisenden umstanden, als sie zur Audienz gingen, und eine eben so gedrängte Menge erwartete sie bei ihrer Rückkehr. Man kann sich also den Eindruck, den der Erfolg gemacht haben muß, vorftellen. Um so mehr finden die anderweitigen Anregungen, welche diesem Ereignisse vorangingen, Anklang bei dem Volke, das wie aus einem Schlummer erwacht ist. Am jüngsten Fest der Gesetzesfreude (A). Ocr.) predigte Hr. vr. L ö w e in der Synagoge zu Galata. Die Synagoge war so überfüllt, daß der Berichterstatter, im Manzari Shark, bekennt, nur mit Mühe einen Platz gewonnen zu haben. Es war eine schwere Aufgabe, vor dieser gemischten Menge sich verständlich zu machen, da hier nur wenige sich einerlei Muttersprache bedienten. Der Redner besitzt indessen eine so bewundernswürdige Gewandtheit*), sich in einer Menge Sprachen auszudrücken. *) Wir haben diese Eigenschaft des Herrn Löwe schon vor 8—9 Jahren in Berlin näher kennen zu lernen Gelegenheit gehabt. Herr L. ist aus Czülz im Großherzogthum Posen, hat das rabbinische Fach gründlich studirt 1*

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