Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 52 (24.12.1840)
- Date
- 1840-12-24
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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433 nahm. Die jährlichen Unkosten wurden nämlich nach liberalem Maßftabe berechnet, und Herr Cr. sagte ihnen , sobald der Vertrag der Gemeinde so weit feftstände, daß sie alle übrigen Unkosten leistete, jahrl. circa 24,00« Piaster (6000 Fr.) Beisteuer zu, über deren Eingang er ihnen späterhin Auskunft zu erthcilen versprach, damit sie auch ihre Wohlthäter kennen mögen. Als erster Lehrer ward ein Herr Luzzato aus Trieft vorgeschlagen, welcher bisher als Secretär bei'm Gesundheirsrath unter Clot Bey angeftellt, 1000 Piastcr-beziehen sollte, die jedoch nicht regelmäßig, gezahlt wurden. Er zog die Lehrerftelle mit 3000 Fr. jährlich, nunmehr vor, und hat außer der Direction des Ganzen die Pflicht, im Französischen und Italienischen, im Rechnen und Geographie, letztere Stücke auch in der Mädchenschule zu unterrichten. Eine Madame Rosst, welcher man noch drei Aufseherinnen beigiebt, hat den Unterricht in der- Mädchenschule; sie empfangt 1500 Fr. Die Gemeinde bewilligte auch noch eine Gehülsin mit 365 Fr. Außerdem behielt man die 6 Lehrer bei, welche ihre Sache verstehen, nur von Methode nichts wissen. Herr Munk übernahm es, sie mit der bessern Lehrweise der Europäer bekannt zu machen, und sie zeigen sich lenksam und werden durch weitere Anweisungen, welche man ihnen aus Europa zusenden will, fortschreiten. Am Sonntag den 4ten Oktober ward der Vertrag abgeschlossen, und die Schulen sind von dem Augenblicke an gegründet. Um 9 Uhr Morgens versammelte man die ganze männliche Jugend, etwa 150 Knaben in die Synagoge, wobei sich recht deutlich der traurige Zustand der Gesundheit zeigte; die meisten Kinder schienen leidend. — Herr Cr. sprach darüber mit dem Vorsteher der Krankenanstalt, Herrn Clot Bey. Dieser erklärte, er sei vom Pascha Mehemer Ali angewiesen, den Juden unbedingten Zutritt zur Krankenanstalt zu gestatten, und ihnen Behufs ihrer Kranken einen besonder» Saal einzuräumen, so wie, ihrer Gesetze wegen, eine eigene Küche zu überlassen. Was nun das neue Schullokal anbelangt, so ward dazu ein sehr hübsches Haus gewählt, enthaltend 2 Säle für die Knabenklassen, einen für die Mädchenschule, dazu Wohnung für den Direktor, Salon für die Dame am Tage, und außerdem noch verschiedene Zimmer, alles geräumig und luftig; ein Höschen und einen Brunnen mit salzigem Wasser. Da Reinlichkeit ein wesentlicher Punkt ist, so war es wichtig, für süßes Wasser zu sorgen, namentlich zum Waschen der Hände und des Gesichts, wie auch zu Bädern. Es sollte ein Brunnen mit 12 Hähnen angebracht werden. Zu diesem Ende wurden 2 Cisternen in der Nähe angeboren und gekauft. Die Kosten der Wasserleitung und der Einrichtung übernahm Herr Cr. ebenfalls. Er machte übrigens zur Bedingung, daß die Kinder nicht mehr auf der Erde, sondern auf Bänken sitzen sollen, und daß sie bei'm Unterricht den Körper nicht bewegen dürfen, und empfahl allen eine hübsche Haltung; gleichzeitig allen Dürftigen neue Kleidung versprechend. Schließlich erklärt er, wenn es Gottes Wille so ist, im nächsten Jahre zurück zu kehren,*) um die besten Schüler zu belohnen; was großen Beifall erregte. Nachdem hierauf am Montage das Comite sich unter dem Präsidium des Herrn Jakob Ad da constituirt hatte, bezahlte Herr Cr. die Hälfte eines Jahres Beitrag als Vorschuß und noch verschiedene augenblickliche Unkosten an dem Sackelmeifter. Das Comite versammelte sich zu einer Beratung, in welcher folgende Beschlüsse gefaßr wurden. 1) Die Schulen sollen den Namen Cremieux- Schulen haben. 2) Die dargebotencn Gelder werden angenommen und dafür der Dank der Gesammtheit ausgedrückt. 3) Dem Herrn Clot Bey den Titel eines Gesundheits - Jnspectors der Juden zu Cahira anzuiragen und ihm für seine Güte durch eine Deputation zu danken. (Clot Ben nahm erfteres an, lehnte aber den Dank ab, da er nur den Befehl Mehemet Ali's vollzogen habe.) Dann ward die Schule eingeweiht. Herr Cr. empfahl die neuen Stiftungen der Obhur der Consulen, von denen jedoch bald nur der französische in Thätigkeir blieb. Auf die Schulen haben die Kriegesereignisse weiter nicht eingewirkt, und cs ftehr nunmehr zu hoffen, daß sie, und die übrigen noch intendirten Schulen bald in voller Blüthe daftehen werden. *) Auch hier in Frankfurt a. M. hat Herr Cremieur wiederholentlich beiheuert, daß es ihm Ernst sei, im nächsten Herbste dahin zurückzukehren und von dem Fortgange der Schulen Kenntniß zu nehmen.