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Israelitische Annalen · 1840-12-24 · Heft 52 (24.12.1840) · p. Seite 431

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 52 (24.12.1840)
Date
1840-12-24
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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431 Unterricht heran. Mehrere reiche Leute hielten sich gemeinschaftlich für ihre Töchter eine. Erzieherin. Herr Cr. war begierig die Art der Unterweisung, welche die Kinder hier genießen, kennen zu lernen, und nahm einen Augenblick, da sein Fieber ein wenig nachgelassen hatte, gern wahr, um sich persönlich von dem was geschieht zu überzeugen. Man führte ihn an einen düftern Eingang, zu welchem man über einen 4 bis 5 Fuß hohen Tritt gelangte, dann durch einen finstern Corridor, bis wieder ein 4 bis 5 Fuß hoher Tritt mühsam hinableitete. Hier war der Erziehungssaal, oben in der Mitte unbedeckt, an den drei Seiten rechts, links und geradezu, bedeckte Raume, übrigens ganz leer; ohne Fenster in den Wänden, ohne Thüre; der Sonne, dem Winde und Regen überall zugänglich. In der Mitte saß die sogenannte Erzieherin auf einem Kissen, und vor ihr 14 Kinder, von denen 4 einigermaßen gut aussahen, die übrigen aber theils entzündete Augen hatten, theils sonst leidend erschienen. Von Unterricht aber keine Spur. Die Kinder waren völlig unbeschäftigt, sie lernten nicht lesen, nicht schreiben, noch sonst eine Arbeit. Es war also die Erzieherin nichts weiter als eine Aufseherin, und danach war auch ihre Besoldung, 10 Piaster (2y2 Fr.) monatlich! — Aus dieser schrecklichen Vernachlässigung des andern Geschlechts ersah Herr Cr. natürlich die Nothwendigkeit, bei der Verbesserung des Erziehungswesens auf dieser Seite ganz besonders thätig einzuwirken; denn jene Verwahrlosung hatte nicht bloß ihren Grund in dem Mangel an Energie, sondern in der Verkehrtheit der Begriffe, die über das weibliche Geschlecht dort allgemein herrschen. Es mußte also nicht bloß die Gewohnheit überwunden, sondern auch der Werth einer bessern Erziehung des weiblichen Geschlechtes in's Licht gestellt und zur vollen Anerkennung gebracht werden. Herr Cremieux wußte die kurze Zeit seines Aufenthaltes zu Cahira zur Hervorbringung einer gänzlichen Umgestaltung zu benutzen. Schon am ersten Sonntag, als 12 der vornehmsten Familienväter aus der Gemeinde ihn besuchten, ward der Plan zur Gründung wohlgeordneter Schulen besprochen. Am Montage empfing Herr Cr., bereits erkrankt und genöthigt, den Gottesdienst zu verlassen, die Besuche der dort anwesenden Consuln Englands, Oesterreichs rc. (nur der französische erschien nicht.) Auch die 12 kamen wieder und die Sache ward weiter entwickelt. Der Oberrabbiner, (ein Greis von 76 Jahren, übrigens aber noch sehr rüstig und ein intelligenter Mann seines Faches), war zugegen und billigte die Sache. Man beschloß auf den Dienstag Abend alle Gemeindegliederzu versammeln. Herr Adda, einer der Angesehensten und wie es scheint der Thätigfte in der Angelegenheit, blieb fast beständig um Herrn Cr. und mit ihm wurden die Einzelnheiten genauer verabredet. Der Plan ward nun vorläufig dahin bestimmt, daß unter der Leitung eines Comite zwei Schulen gebildet werden sollten; eine für Knaben und eine für Mädchen. Arme und Reiche sollen sie ohne Unterschied besuchen, letztere gegen ein zu bestimmendes Schulgeld. Der Unterricht har sich über hebräische, arabische, italienische und französische Sprache, Arithmetik, Geographie, und natürlich Uebung im Schreiben und Gebrauche der verschiedenen Sprachen, zu erstrecken. Bei den Mädchen ist das Hebräische und Arabische weniger Hauptsache , dafür tritt da der Unterricht in weiblichen Arbeiten ein. (Andere Schuldisciplinen werden sich mit der Zeit wohl von selbst ergeben.) Nachdem die Versammlung der Gemeinde am Dienstag sich mit allem diesem einverstanden erklärt hatte, ward Herr Cr. eingeladen, am Mittwoch einer abermaligen Versammlung beizuwohnen. Glücklicherweise hatte sein Fieber, mit welchem heftige Leibschmerzen verbunden waren, so weit nachgelassen, um ihm das Ausgehen zu gestatten. Er ward mit großer Akklamation empfangen, und alles drängte sich, ihm die Hand zu küssen. Endlich entstand allgemeine Stille. Herr Cr. redete französisch, und die Herren Munk und Adda verdollmetschten jeden einzelnen Satz stückweise der Versammlung, theils auf arabisch, theils auf hebräisch. Der Inhalt seines Vortrags war im Wesentlichen folgender: Ich fühle mich glücklich, hier an dem Orte zu euch zu sprechen, wo einst Gott für die Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs große Wunder gethan hat. Ihr kennt die merkwürdige Veranlassung, welche mich hieher geführt. Sir M. Montefiore und ich sind hergesandt worden in dies Land, um unsre so schmählich beleidigte Religion zu rechtfertigen. Die plötzliche Lösung der damastener Angelegenheit durch die Entscheidung Mehemet Ali's, die Unmöglichkeit, unter den obwaltenden Verhältnissen nach Damask zu reisen, hätten mich bestimmen sollen, heimzukehren. 52*

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