Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 51 (18.12.1840)
- Date
- 1840-12-18
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Am 9. dieses verließen die gefeierten Reisenden diese Stadl. Die Wünsche aller Guten begleiten ihn und seine humanen Werke, welche ohne Zweifel unberechenbare Fruchte tragen werden. In Mainz wartete ihrer bei ihrem flüchtigen Aufenthalte ein freudiger Empfang Seitens einer Deputation der dortigen Israeliten, welche nebst einer schönen Addrcsse ein Paar schwere silberne Armleuchter überreichte. Herr Cremieur war höchst überrascht von dieser durchaus unerwarteten Aufmerksamkeit, und sprach in seiner Antwort mit Rührung und Würbe von den unendlich vielen Beweisen der Liebe und Theilnahme, so er überall gefunden. Er wisse sehr wohl, setzte er hinzu, baß nicht seinen schwachen Verdiensten solcher Enthusiasmus gelte, sondern vielmehr der Sache der Menschheit, welche zu triumphiren beginne, und deren Organ er in der Damastener Sache geworden. Fern davon, seiner Eitelkeit zu schmeicheln, diene alles dies nur dazu, ihn zu beseelen und zu größern Leistungen zu starken, wo und wie sich die Gelegenheit dazu bieten werde. — Herr Cr. ist geboren im I. 1796, steht also jetzt in dem 45sten Zahre. Er genießt dem Anscheine nach einer kräftigen Gesundheit. Wir sahen ihn mindestens trotz der vielen Anstrengungen stets munter und voll Leben. Alle seine Worte fließen mit hinreißender Gewalt aus einem reichen Gemüthe und einer seltenen Energie des Geistes. Möge ihm diese Thatkraft dis in's späte Alter verbleiben! Padua.*) — — Gern vernehme ich, daß meinen kroloxomem eine gründliche Recensivn bevorstehr, und es soll mich freuen, wenn die darin entwickelten Grundsätze streng geprüft werden, sollte auch das Urtheil sehr ungünstig ausfallen. Wenn meinen Schriften eine gewisse Warme inne wohnt, welche man gar als Leidenschaftlichkeit dezeichnete, so ist es nie der Fall da, wo es sich von einzelnen eigenthümlichen Meinungen handelt, sondern da, wo pro aris & focis gekämpft wirb. Wenn einer behauptet, die letzte Hälfte des Jesaias sei in Babylonien verfaßt, so bestreitet er wahrlich nicht meine Meinung, sondern den allgemeinen Glauben der christlichen sowohl als der jüdischen Kirche seit dem Siraciden (XLVIII. 27.) Die Frage ist nicht, ob ein gegebenes Capitel von diesem oder jenem Propheten herrühre, sondern ob die Hauptstücke der jüdischen Prophezeihungen den Thatsacken vorangingen oder folgten? ob die Worte •Fes. XLV. 21 vom Gott der Wahrheit oder einem Lügengeiste dictirt seien? Wer letzteres behauptet, unterminirl das Zudenthum, so wie jede Offenbarung. Und wie kann man beider schmerzlichen Wahrnehmung, wie aller religiöse Glaube verfällt, alle Lebhaftigkeit oder selbst Leidenschaftlichkeit unterdrücken? Wie kann man sich enthalten, diejenigen, welche also denken, als ungrundliche Kritiker und unsorgfältige Forscher barzustellen? **) Dasselbe gilt von dem Streite der Schulen. Mir liegt nicht an dem Charakter zweier Männer, die längst tobt sind, sondern an zwei verschiedenen Grundprinzipien. Es kommt nicht darauf an, wer von beiden der gelehrtere und geistreichere gewesen sei? ich gebe hierin dem Spanier den Vorzug; sondern es handelt sich um die Wahl zwischen jüdischem und griechischem Glauben, zwischen dem Guten und dem Schönen, zwischen Gerechtigkeit und Ehrliebe, zwischen Wahrheit und Schein. Ich laugne nicht, daß ick lieber der Tugend als der Wissenschaft huldige, und die Rechtlichkeit noch stärker verehre, als selbst die Wahrheit. Nur finde ich, daß die von mir vorgezogene Schule auch in wissenschaftlicher und philosophischer Hinsicht bewundernswürdig erscheint. Ruhmliebe *1 Hier folgt ein Auszug des weitern Schreibens. dessen ersten Theil wir in voriger Nummer lieferten. Wir lassen alles Persönliche und alle Wiederholungen schon bekannter Ansichten aus. **) Wir möchten diesen Ansichten nicht beitreten. Im Gebiete der Wissenschaft gilt Denkfreiheit, und niemanden steht das Recht zu, gegen andere zu eifern, es wäre denn, daß Mangel an Sachkenntniß sich erdreistet, über und Gewinnsucht bringen großartige Werke hervor, die in die Augen fallen, aber meist nur kurze Dauer haben, und nur selten sich eine lange Reihe von Jahren erhalten. Dergleichen sieht man zur Genüge in unserer Zeit entstehen, und dies weckt die Klagen derer, die das Gute wollen. Fest stehen' dagegen die Werke älterer Zeiten, welche in geräuschloser Sicherheit die Zeiten überdauern; das sind Werke der tiefen Oenkkraft, der Gewissenhaftigkeit, des aufrichtigen Strebens nach dem Wahren und Guten. Dies mögen meine Gegner reiflich überdenken! — Was nun meine kroloLomeui anbelangt, so wünsche ich, daß zunächst die Folgerungen, die ich aus der Priorität der Aramäischen Sprache ziehe, gewürdigt werden. Diese Priorität hat auchvr. Fürst in seinem Lehrgebäude 1835 entwickelt, ich habe aber davon erst ein Jahr nach dem Erscheinen meines Werkes Kunde erhalten, indem der Verf. mir das genannte Werk mit einem Schreiben von den Ideen des Februars 1837 übersandte. Es freute mich, diese Uebereinstimmung zu finden. Um so mehr wünsche ich zu erfahren, ob ich die Erscheinungen der hebräischen Grammatik richtig aus dem Aramäischen hergeleitet habe; so wie was Wahres oder Irriges sei an den Grundgesetzen der allgemeinen Sprachlehre und der aramäischen und hebräischen Sprache, an der Herleitung der unsprünglichen Punktajion aus Babylonien und der spätern Punktation und Accentuation, und andern in dem Werke zerstreuten Bemerkungen. S. D. L. Literatur. Israelitische Festpredigten und Casualreden, herausgegcben von vr. I. Maier rc. (Schluß.) Die zweite, über die Frage: Wie können wir das, was bas Jahr uns bringen wirb, zu unserm Heil und Frommen anwenden? von Dr. S a l o m o n. Sie hat Ps. 73 , 23 u. 24 zum Teil. Diese Predigt enthält nicht einen neuen Gedanken,, aber alles, was sie giebt, ist so> schön, klar und lebendig ausgedrückt, baß sie ohne Zweifel mrt vielem Interesse angehört worden, ja in ihrer Art, nach unserm Gefühle mustergültig genannt werben darf. Sie zeigt, wie der neue Segen, die neuen Sorgen, die neuen Arbeiten und die Auflösung mancher Bande durch den Lauf der Zeiten zum Heile angewenbet werden müssen. Sie paßt übrigens für jede Kirche. Die Dritte von Maier bildet eine Einleitung zum Versöhnungstage. Tert: Ps. 51. 3—14 (nicht nach Luther). Der ganze Vortrag ist der Feier angemessen. In Rücksicht auf den Ausdruck glauben wir, insbesondere da solche Sammlungen den jüngcrn und minder befähigten Geistlichen in kleinern Gemeinden als Muster bienen sollen, bemerken zu müssen, daß die größte Strenge nölhig sei, und vor dem Abdruck auch der kleinste Mißgriff, den man be»'m mündlichen Vorträge leicht überhört, ausgemerzt werden sollte. In der vorliegenden Rebe finden wir anstößig „jede böse Wege zu verlassen." „Wasche mich ganz rein von meinen Schulden." „Ohne nur einmal an Gott und an die große Verpflichtung ihn zu lieben rc. rc. — nur zu denken." „Sich an den Spinngeweben einer nichtigen Philosophie oder an den Stricken des Lasters festhalten," ist ein Gegensatz, der wohl nicht für das Volk sich eignet, man müßte denn über die Scheinphilosophie gerade sprechen. Was weiß die Gemeinde von Philosophie? Die wissenschaftlichen Ausdrücke wollen uns überhaupt in Predigten nicht zusagen. „Kann der Baum, dessen Krone der Sturm zerbrach" rc. giebt kein klares Bild. „Fehlt es aber auch an Kraft-und diese mögen anflehen." Hier ist ein Anakoluth, das völlig unverständlich bleibt. — wichtige Fragen abzusprecken, oder überhaupt Fremdartiges eingemlscht werbe. Die hier bekämpften Meinungen sind aber von den anerkanntesten Gelehrten ausgesprochen und unterstützt worden, und da kann nicht der Eifer sie abweisen, sondern nur ein achtungsvoller Streit mit wissenschaftlichen Waffen geführt. I.