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Israelitische Annalen · 1840-12-18 · Heft 51 (18.12.1840) · p. Seite 425

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 51 (18.12.1840)
Date
1840-12-18
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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425 der edeln Kämpfer, die den Kampf zu Ende gebracht, und den Gemarterten den Frieden, den Gefesselten die Freiheit errungen haben, mit ihm unvergänglich und unvergeßlich sein. Das wiedergewonnene Selbstgefühl und das freudige Bewußtsein, daß wo Israel in Noth und Bedrängniß ist, und sein Name geschändet, und sein Glaube geächtet, Gott immer ihm aus seiner eigenen Mitte seine Helden und Kämpfer erwecket — das tröstet uns für die schmerzliche Erfahrung, die wir neuerdings gemacht, und deren wir in unserem Jahrhunderte nimmer mehr gewärtig waren. Mit diesen Gesinnungen begrüßen wir Sie als einen der Vorkämpfer in dem heiligen Kampfe, und wenn unsere Stimme nicht so weit reicht, daß sie auch Ihren edeln Mitkämpfer, den hochherzigen Sir Moses Montefiore erreiche, gegen den wir dieselbe Verehrung hegen, so möge Ihnen wenigstens, da uns bas Glück vergönnt ward. Sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen, dieses Bekenntniß, das das erste ist, das Die auf deutschem Grund und Boden empfangen, ein Zeugniß sein der Würdigung und Anerkennung, die Ihr Streben und Bemühen unter Ihren deutschen Glaubensgenossen gefunden, und wie sehr Sie in Ihren weitern Bestrebungen auf ihre Sympathien werden rechnen können. » den 121 bv 22i n^s rufen wir Ihnen zu mit den Worten der Schrift, schreiten Sie muthig und rüstig fort auf der betretenen Bahn, es wird das Ihr Ruhm sein und Ihre Ehre. Empfangen Sie unfern Dank mit der Versicherung, die gewiß Ihr schönster Lohn ist, daß Ihr edles Beispiel an uns und an unfern Kindern nicht wird verloren sein! Wir werden es in einer dankbaren Erinnerung bewahren, als ein Beispiel hochherziger Gesinnung und edler Thatkraft, das uns zu edler Aufopferung und Hingebung ermuthigen soll. Fürth, 4. December. — Bei der Ankunft des Herrn Cremieui am 2. Dec. in Nürnberg ging eine Deputation der hiesigen Israeliten dahin ad, um ihm deren Verehrung zu bezeugen, und ihn zu einem Festmahl einzuladen. Die Repräsentanten hiesiger Gemeinde empfingen ihn feierlich. Bei'm Festmahle sprach der Rabbiner, Dr. Löwi, eine Dankaddresse, welche er ihm nebst dem Buch Esther in schönem Manuscript, in einer antiken Kapsel überreichte. Herr Cr. antwortete mit Wärme und in sichtlicher Rührung? Frankfurt am Main. — Auch an hiesigem Orte wurden dem gefeierten Verfechter der Unschuld und, Beförderer der Civilisation vielseitige Beweise der Achtung und Verehrung gebracht. Herr CremieuF und Gemahlin trafen am 4. dieses gegen Abend hier ein und stiegen bei ihrem Verwandten, Hrn. E. Kann, ab. Am 5. besuchte Hr. Cr. die Synagoge, wo die zahlreiche Versammlung sich bemühte» ihm die allgemeine Anerkennung auf's Unzweideutigste barzulegen. Schon am Abend zuvor hatten der hiesige Gesanglehrer Herr Hecht und mehrere Dilettanten dem edeln Paare eine Abendmusik dargebracht. Am Sonntage warb ihm von mehrern hiesigen Hausvätern die bereits abgedruckte Abbresse überreicht. Am 7. versammelte Herr E. Kann einen engern Kreis von Freunden und Verehrern des Gefeierten zu einem Dmer, nach dessen Beendigung Hr. Cr. die Loge zum Frankfurter Adler besuchte, und bis spät in die Nacht dem in Eile arrangirten Souper beiwohnte. Die Gesellschaft zum Frankfurter Adler, in welcher Hr. Jul. Hamburger präsibirt, überreichte ihm 1000 Fr. als freiwillige Beisteuer zur Schule Cremieur in Cahira (s. unser nächstes Blatt.) Bei allen diesen Gelegenheiten beantwortete Herr Cr. die an ihn wiederholentlich gerichteten Betheuerungen, Wünsche und Bemerkungen mit einer wahrhaft bewundernswürdigen Beredsamkeit, ungekünstelt aber geistvoll und herzlich. Mit besonderer Rührung nahm er bas Diplom als Ehren-Mitglied der Gesellschaft zum Frankfurter Adler an, auch erklärte er, daß -er diesen Verein, als den ersten, welcher mit einer freiwilligen Gabe das große Werk der Civilisatirn unterstützt hat, in Cahira als Mitstifter der Anstalten in der Urkunde nennen werbe. — Herr Cr. beehrte am 7ken und 8ten auch unsre Bürger- und Realschule mit seiner Gegenwart und wohnte einigen Unterrichtsstunden bei. Endlich ist noch ein schönes Festmahl hervorzuheben *), das die Gesellschaft zur ausgehenden Morgenröthe unter dem Vorsitz des Herrn vr. med. Emden zur Feier des edeln Kämpfers veranstaltete und zu welchem gegen 100 Gäste sich elnfanben. In dem glänzend becorirten Saal waren Denktafeln aufgestellt, welche die Hauptstationen seines thatenreichen Lebens bezeichneten; eines Lebens. das stets der Vertretung des unterdrückten Rechtes gegen Gewalt und Fanatismus mit der humansten Hingebung gewidmet war. Nismes, wo Cr's. Rednertalenr bei Gelegenheit der bekannten Protestantenverfolgung einen herrlichen Sieg erfocht, Saverne (Zabern), wo er mit glänzendem Erfolg gegen den Iudeneid sprach, Colmar, und in jüngster Zeit Damaskus, Alerandrien, Cahira sind die Stätten, wo sich Cr. einen Namen erwarb, der ihn einem Wilderforce und anderen Humanitätshelden nicht unwürdig anreiht. Nachdem in einer schönen Darstellung Herr Dr. I. Maas die Verdienste des Ehrengastes um die leibenden Brüder zu Damaskus geschildert halte, nahm der Gefeierte das Wort und entwickelte in einem ergreifenden Vortrag seine Ansichten über die Begebenheit selbst, über seine Mitwirkung und über die Beziehung der Damasker Angelegenheit zum Iudenthum im Allgemeinen. Die tiefe Begeisterung des Redners, der edle. Stolz, womit er seine Liede zum alten Glauben freudig verkündete, der Glanz und die Kühnheit seines Ausdrucks, die Dersabilität seines fließenden Vortrags, Alles konnte nicht verfehlen, einen ungemeinen Eindruck hervorzubringen, der in donnernden Acclamationen lange nachhallte. Herr vr. Schwarzschild erinnerte in einer vortrefflichen deutschen Rebe an Crs. edlen Genossen, den grvßdenkenden Montefiore — dessen Name in der Mitte des Saals in einer prachtvollen Inschrift prangte — und an die wahrhaft antike Seelengröße seiner Gemahlin, welche die Reise nach Damaskus in frz. Sprache zuerst veranlaßt Herr M. G e tz brachte den Damen Montefiore und Cremieur ein schön motimrtes Lebehoch; Herr vr. M. C r e i z e n a ch gedachte in warmer Anerkennung der Verdienste des trefflichen Gelehrten Munk, Cr. Reisegefährten. Ein französisches Lied von vr. I. Maas, dessen schöner Inhalt durch eine ergreifende Melodie des rühmllchst bekannten Liebercomponisten W. Speier noch gehoben wurde, verbreitete wahre Rührung unter der Versammlung, die durch die Gegenwart des ausgezeichneten Mannes immer mehr gehoben und erwärmt wurde. Nachdem noch ein deutsches Lied zur Ehre des Gastes abgesungen war, erinnerte Herr vr. M. Reiß an jene vonCremieur gestifteten Schulen für die verwahrloste Bevölkerung von Cahira, worauf Cremieur diese Stiftungen den Anwesenden noch besonders an's Herz legte. So oft der Gefeierte sprach, selbst in der einfachsten Danksagung, drückte sich ein hohes Gemüth in den edelsten eindringlichsten Worten aus. Die später ausgebrachten Toaste galten unserem Riesser, dem Andenken Börne's, den Gliedern des v. Rothschilb'schen Hauses u. A. Mit wahrer Herzlichkeit und innerer Erhebung begleiteten Viele den Gefeierten nach seiner Wohnung, vor welcher ihm zu Ehren von den Mitgliedern der Gesellschaft zum Frankfurter Adler noch eine glänzende Nachtmusik bereitet war. Die hohe Stimmung, welche die Gegenwart des außerordentlichen Mannes in der Versammlung erzeugte, wird in allen Anwesenden noch lange nachhallen und fortwirken. *) Der Herausgeber dieser Blätter, welcher selbst abgehalten war, an dem Feste Theil zu nehmen, giebt hier einen von sehr kundiger Hand mitgetheilten Bericht.- —

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