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Israelitische Annalen · 1840-12-18 · Heft 51 (18.12.1840) · p. Seite 427

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 51 (18.12.1840)
Date
1840-12-18
Page
Seite 427 (sequence 7)
Language
German
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Die vierte von demselben zum Frühgottesbienste, Text Ies. 58, 5—7 Der natürliche Text zu Diesem Tage. Das Gott wohlgefällige und das Gott mißfällige Fasten wird durchgenommen. Die Ideen sind bekannt und müssen sich fast immer wiederholen. Was aber die Ausführung betrifft, so können wir nicht umhin, abermals auf größere Bestimmtheit und Correctheit der Darstellung wie des Ausdrucks zu dringen. S. 45 lesen wir: Nachdem diese lange Zeit hindurch der fromme Glaube die göttliche Strafgerechtigkeit, wenn sie einen Mann oder eine Familie schwer heimsuchte, nur aus der Uebertretung deS Gebots vom Fasten am Versöhnungstag sich erklären zu müssen glaubte." Der Glaube glaubte! Und solch ein abergläubisches Argument soll jetzt auf die Gemüther wirken? Ueberbaupt ist die ganze Stelle schief und unlogisch. S. 48. Der Glaube ist der Grund und Boden, auf welchem wir diejenigen stehen glauben." Wir finden es auch der kirchlichen Belehrung ganz ungemäß, daß sie eine Klasse von Zweiflern als unverbesserlich ausscheidet, mit der sie nichts zu lhun haben will. Sie soll ja die Irrenden belehren! S. 50 verhöhnt der Prediger gar mit Ironie diejenigen, welche sich nicht durch lOtägiges (?) Fasten auf den Versöhnungstag vordersten! Das scheint uns durchaus ladelnswerth. — S. 55 „So lange — in so lange," ist wobl nur ein Provinzialism. — Sonst ist manches in der Rebe recht gut. — Die 5te am Abend des Dersöhnungstages von Salomo» über Ex. 18, 32. Die reckte Buße und das rechte Leben, hier Gebet — draußen Andacht, hier Enthaltsamkeit, draußen Mäßigkeit, hier Bekenntniß, dräußen Erkenntniß, hier Demulh, draußen Bescheidenheit, hier Bußübung, draußen Liebeswerke, hier Andenken an die Todten, draußen an den Tod, hier das Wort, draußen der Glaube. Diese Gegensätze ermangeln des Fadens, der sie hält, und selbst in sich stehen sie nicht ganz klar einander gegenüber. In der Ausführung aber gewinnen dieselben durch die Schönheit des Ausdrucks und die feine Detaillirung jedes Gedankens, welche das Interesse des Zuhörers ansprickt. Auch ist der Gang der Ideen rasch, kurz, schlagend, wie es der Wirkung der Feier angemessen ist, wo gleichsam die Resultate summarisch vorgeführt werben. Die 6te am ersten Laubhüttenfeste von Maier, bespricht die göttliche Weltregierung und die?te, am zweiten Festtage, von Salomon über die Kunst glücklich zu sein, bewegen sich beide in allgemeinen Kreisen, übrigens zweckmäßig und gut. Die 8te und Ne alterniren eben so für die letzten zwei Tage. — Die 8te soll zeigen, wie jeder Tag ein Festtag werden könne; eine gute-Idee und im Allgemeinen gut disponirt. Aber auch hier treffen wir Stellen, welche von nicht geläutertem Geschmacke zeugen, und die wir der Nachahmer wegen theilweise andeuten. S. IVO werben die irrigen Begriffe von Religion sehr gut bargestellt, dann aber folgt: „Allein alle diese Vorstellungen sind bloße Vorurtheile, die ihren Grund in unrichtigen, verkehrten Begriffen von Gott haben, den immer noch Viele als den grausamen Sonderbaren sich vorstellen, der es sich zum Zeitvertreibe gemacht, unsrer Natur Empfindungen zu geben und es alsdann für nichts (ist bas Deutsch?) zum Gesetz gemacht habe, diese Empfindungen zu unterdrücken!" — Wirklich giebt es Viele, dte so denken? — Die Ne, welche bas Fest der Thora schildert, gehört zu den schönsten Reden, die wir je gelesen haben. Ueber die Casualreden berichten wir ein andermal. Möge diese Sammlung recht kräftig fortschreiten' Mögen aber die Herausgeber darauf bedacht sein, der Form in jeder Hinsicht ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenben, denn obwohl die B elebrung die Hauptsache ist, so trägt doch die Predigt des Formellen so vieles an sich, daß dasselbe gar nicht untergeordnet erscheinen darf. Vielleicht würde dadurch auch der bisweilen gar zu gleichartige Stoff (besonbes ist das üppige Leben auf jeder Seite mitgenommen, während doch die große Mehrzahl der Israeliten gerade wegen ihrer Mäßigkeit allgemein belobt wird) etwas mehr vermannigfacht werben. Der Geist der thalmudischen Auslegung der Pibel. Von vr. H. S. Hirschfeld. Erster Theil. (Schluß.) Um den Geist der alten Exegese zu erfassen, muß der Begriff der Tradition entwickelt werden, welcher hier bei ihrer verschiedenen Auffassung in neuerer Zeit auf seine frühere Vorstellung, als unmittelbarer Glaube, zurückgefübrt wird (tz 43 - 45) Die Entstehung und Wurzelung dieses Glaubens hat ihren Grund in den Zeitoerhällmssen (47.) Freilich wäre hier der historische Anfangspunkt wichtig; auch wäre es zu wünschen, daß wir erführen, wie denn vorher die Bibel erschienen sei? Vieles von der Grundanstcht wird hier der pythagoräischen Philosophie zugeschrieben (50). — Die Bibel wirkt zunächst durch die Sprache, deren Deulungsfülle dem Zwecke entsprach, zumal sie zugleich in der Bezeichnung unbestimmt und schielend (52) erscheint. Beiläufig macht der Verf. über die Art des Fortschreitens der Sprachen im Morgenlande sehr interessante Bemerkungen. — Da die Bibel das Leben nicht erst leiten sollte, sondern das Streben des Studiums bloß dahin ging, das Leben mit der Bibel zu vereinigen, so war natürlich alles Bestreben dahin gerichtet, in ihr die Gründe aufzufinden, welche das Leben so gestaltet hallen. Dabei ist nur nöthig, die ideale Einheit des jüdischen Lebens zu erkennen, um es vor dem Vorwurfe zu retten, daß jenes Studium die leere Bemühung gewesen sei. Zufälliges als nothwenbig zu erweisen (58). Somit sucht die Wissenschaft diese Idee zu ermitteln, wozu die Geschichte den Leitfaden herleihen muß (60 ff.) Herr H. meint, die meisten Gebräuche seien schon der Gesetzgebung vorangegangen, sie seien das Werk der Natur, nicht emes Gesetzes, wie bei allen Völkern und schon bei'm ersten Menschen; Zeitverhältnisse und Individualitäten wirkten dann modificirend. (Wie dies durch bas Beispiel (S. 70) von Adams Erkenntnißdaume, wörtlich verstanden, erläutert wird, ist uns unklar geblieben.) Daraus entsteht die natürliche Tradition, angeblich sich gleich bleibend, aber doch stets in der Entwickelung begriffen (66 ff.) So stand endlich eine Tradition fest, als der Verstand anfing, sich gegen sie zu sträuben, woraus sich ein Kampf ergab, in welchem der Offenbarungsglaube sich erzeugt, und als vermittelndes Prinzip eintritt. Durch ihn wird ein geschichtlicher Anfang nur äußerlich (§ 70) gesetzt, obwohl der Geist derselbe bleibt. Diese Idee dringt, unsrer Ansicht nach, eine große Schwierigkeit in das System unsers Verf., welcher vergeblich (§ 71) dieselbe von sich zu weisen sucht. Es ist gar nicht gleichgültig, wann der Offenbarungsglaube eingetreten sei, um der Tradition zugleich volle Geltung zu geben, auch nicht, welche Autorität er anfangs gehabt und späterhin gewonnen habe. Wie konnte er so plötzlich entstehen, wie auf bas Leben solchen Einfluß gewinnen? Und da er auf jeden Fall 4—5 Jahrhunderte (nach gewöhnlichem Glauben fast 15 Jahrhunderte) vor der Epoche, die uns hier beschäftigt, eingetreten war, so ist es allerdings höchst wichtig, zu wissen, ob schon damals die Bibel den Juden in gleichem Lichte erschienen sei, wie so viel später. Ja der Verf. erkennt auch in den Wirkungen, die er ganz rational auffaßt, eine geschichtliche Verschiedenheit, und findet 3 Stadien heraus. Wie sollte demnach jene Untersuchung gleichgültig sein, zumal da augenscheinlich bas Gesetz nicht bloß traditionelle Gebräuche feststellte, sondern zum großen Theil neue einführte und gegen ältere eiferte? — Dennoch ist die Darstellung der Art, wie die Rabbinen sich aus ihrer Zeit in's Gesetz hineinbachten, und wie die Schule die Gebräuche behandelte, eben so geistreich wie anziehend, und wir finden viel Wahres in derselben. — Der übrige, ausführliche Tkeil des Buches ist der Nachweisung der Sckulmethode gewidmet, welche sich aus der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, alles was nur irgend in den Gebräuchen vorkommt oder Vorkommen kann, in der Gesammtheit der Bibel und in einzelnen Andeutungen zu begründen, herausgebildet hat. Es werden zu allen den einzelnen Deutungsweisen die logischen Formeln ausgesucht, und man muß dem Scharfsinn des Vf. die Gerechtigkeit widerfahren lassen, baß er sich ganz in die Geisteslhätigkeit jener Schulen hineingedacht hat.

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